Man nehme eine Konservendose, Nägel und ein Löschpapier …

Trinken Sie gerne Kaffee? Dann folgen Sie mir kurz bei einem kleinen Experiment und stellen sich folgende Situation vor: Kaffeeduft, der aus einer großen Tasse in Ihre Nase steigt. Frisch gebrühter Kaffee – selbstverständlich! Gleich müssen Sie zu Ihrem nächsten Termin, aber für eine weitere Tasse Kaffee nehmen Sie sich noch Zeit. Es ist eh nicht mehr viel drin in Ihrer Kaffeekanne – noch ein letzter Schluck. Iiiihhh, was ist das? Es knirscht zwischen den Zähnen – Kaffeesatz!!!

So ähnlich ging es Melitta Bentz (1873 – 1950) in Dresden Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu der Zeit gab es noch keinen Kaffeefilter, stattdessen wurde das Kaffeepulver mit heißem Wasser aufgegossen und durch ein Sieb abgegossen. Melitta Bentz wollte sich mit dieser Situation nicht länger abfinden. Sie nahm daher eine Konservendose, durchlöcherte den Boden mit einem Nagel und legte ein zu einem Kreis geschnittenes Löschpapier aus einem Schulheft ihres Sohnes auf den Boden. Filter und Filtertüte waren erfunden. Es war die Geburtsstunde einer neuen Kaffeekultur.

Melitta Bentz (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Melitta meldete ihren Kaffeefilter beim Patentamt an und gehörte damit zu den ersten Frauen, die ihre eigenen Erfindungen persönlich schützen ließen. Am 20. Juni 1908 erhielt Melitta Bentz den Gebrauchsmusterschutz für einen Rundfilter mit vorgefertigtem Filterpapier. Daran erinnert der heutige Tag der Filtertüte. Der vollständige Titel dieses Gebrauchsmusters mit der Nr. 343556 lautete damals  „Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern“.

Drei Wochen später – am 8. Juli 1908 – erhielt Melitta Bentz das eigentliche Patent für ihre Filtertüte – veröffentlicht auf Seite 1145 der Patentblätter des Kaiserlichen Patentamts zu Berlin. Am 15. Dezember 1908 schließlich ließ das Ehepaar Melitta mit einem Eigenkapital von 73 Reichspfennigen als Marke in das Handelsregister in Dresden eintragen. Firmensitz war ein 8 qm großes Zimmer in der Wohnung der Familie.

Das Ehepaar Bentz war sehr geschickt darin, die Erfindung zu vermarkten. Melitta veranstaltete Kaffeekränzchen in ihrem Haus. Ihr Mann Hugo führte in Schaufenstern die Handhabung des Kaffeefilters vor – eine Vertriebsidee, die ebenfalls von Melitta stammte. Auch die Söhne Horst und Willi wurden eingebunden und lieferten die Filterpapier-Kartons mit ihren Bollerwagen an Fachhändler aus.

Original Melitta No.1 (Quelle: Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg)

Melitta und Hugo Bentz ließen zunächst 100 Kartons Filterpapier und 50 Filter anfertigen. Alle Familienmitglieder montierten und verpackten die Filter in der eigenen Wohnung. Zunächst wurden nur Rundfilter aus Aluminium hergestellt, mit der Prägung „Original Melitta“. Es gab anfangs nur eine Größe mit einem Durchmesser von 94 mm, die später mit „Nr. 1“ benannt wurde. Die Familie begann anschließend Geschäfte abzuklappern um die Erfindung vorzustellen. Bereits 1909 wurden die Filter auf der Leipziger Messe vorgestellt und erwiesen sich mit über 1.200 verkauften Exemplaren als großer Erfolg. 1911 wurde Melitta als Wortmarke für Kaffeefilter eingetragen.

Das Ehepaar Bentz entwickelte neue Produkte und verbesserte sie immer weiter. So wurde u.a. in den 1930 Jahren die uns heute noch bekannte Form der Filtertüte patentiert. Bereits 1929 zog der Betrieb nach Minden, wo sich auch heute noch der Hauptsitz des Unternehmens befindet und mittlerweile von Melittas Enkelsöhnen geführt wird.

Und wieso ist ein Kaffeefilter so interessant für die TIB?

Ein Sammelschwerpunkt der TIB sind Patente und Standards. Es handelt sich dabei um  Patentdokumente, also um von nationalen, regionalen oder internationalen Patentämtern veröffentlichte Schriften, die Informationen über Erfindungen enthalten, für die ein Patent angestrebt, erteilt oder für die ein Gebrauchsmuster registriert wurde. Jährlich werden weltweit mehr als eine Million Patentdokumente veröffentlicht. Untersuchungen zeigen, dass nur ein geringer Teil von Erfindungen in anderen Quellen als in Patentliteratur beschrieben wird. Dies sorgt für eine große Bedeutung der Patentinformationen, will man den Stand der Technik kennen und Innovationsprozesse vorantreiben.

Auf der Seite Sammelschwerpunkte / Patente finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Recherchemöglichkeiten zu Patenten. Für Tipps und Tricks bei der Recherche stehen Ihnen gerne die dort genannten Ansprechpartner*innen zur Verfügung.

In diesem Sinne –  stöbern Sie doch heute mal durch den Patent-Schwerpunkt der TIB – natürlich mit einer schönen Tasse Kaffee!

Autorin:

Petra Mensing
ist Fachreferentin für BiologieGartenbauUmwelttechnologien und Wirtschafts- wissenschaften an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und zuständig für die Ausbildungskoordinierung (höherer Dienst).