Beratungsservice Forschungsdatenmanagement und Datenrepositorium der Leibniz-Universität Hannover – Auszeichnung zum Digitalen Ort Niedersachsen

Der Beratungsservice Forschungsdatenmanagement und das Datenrepositorium der Leibniz Universität Hannover wurden zum Digitalen Ort Niedersachsen 2021 ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung „Digitale Orte Niedersachsen“ ehrt das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Initiativen, Projekte oder Einrichtungen, die zum Gelingen des digitalen Wandels in Niedersachsen aktiv beitragen.

Was aber ist nun genau der Beratungsservice und das Datenrepositorium und was hat das mit der Digitalisierung in Niedersachen zu tun?

Schon seit mehreren Jahren arbeitet die TIB einrichtungsübergreifend mit der Leibniz Universität Hannover im Bereich Forschungsdatenmanagement zusammen. Das Team, bestehend aus Kolleg:innen der TIB, dem Dezernat für Forschung und Transfer (Dezernat 4) und den Leibniz-Universität IT-Services (LUIS) hat seit gut 5 Jahren eine Reihe von Diensten aufgebaut, die Forschende beim Umgang mit Forschungsdaten unterstützen.

Diese Dienste umfassen neben zahlreichen Beratungen rund um das Schreiben von Forschungsanträgen, zum Umgang mit Forschungsdaten in Forschungsprojekten sowie zur Publikation von Daten auch eine Vielzahl von Schulungen zu allen Aspekten des Forschungsdatenmanagements und in unterschiedlichen Detailgraden. So werden Einführungskurse aber auch themenspezifische Vertiefungskurse angeboten, die sich in der Regel an alle Wissenschaftler:innen oder Promovierende der LUH richten. Zusätzlich zum Beratungs- und Schulungsservice wurden umfangreiche Informationsmaterialien z. B. zur Erstellung von Datenmanagementplänen entwickelt, die über die Webseite frei zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem Aufbau eines universitätseigenen Datenrepositoriums wurde die Möglichkeit zur Publikation von Forschungsdaten die an der Leibniz Universität entstehen, geschaffen. Daten, die hier abgelegt werden, erhalten einen Digital Object Identifier (DOI), so dass sie eindeutig referenzierbar und auffindbar sind. Das Service-Team unterstützt die Wissenschaftler:innen der Leibniz Universität dabei, ihre Forschungsdaten digital optimal aufzubereiten, damit sie entsprechend der FAIR Prinzipien auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sind. Um diesem Standard gerecht zu werden, erfordert es sowohl eine hohe digitale Kompetenz zu vermitteln als auch eine nachhaltig verfügbare IT-Infrastruktur bereitzustellen.

Flankiert werden diese Services von einer universitätsweiten Richtlinie zum Umgang mit Forschungsdaten, die im April 2017 verabschiedet und im Juli 2020 aktualisiert und erweitert wurde.

So weit so gut, mag man jetzt denken, aber was macht den Service jetzt zu einem „digitalen Ort“? Leben wir nicht bereits in einer durchweg sehr digitalen Welt und was heißt es für uns, darüber hinaus mit unserem Service den digitalen Wandel mitzugestalten?

Zugegeben, ohne die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehenden notwendigen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Infektionen hätten wir vielleicht nicht so schnell den Sprung hin zu digitalen Formaten gewagt. So aber haben wir unser Beratungs- und Schulungsangebot, aber auch unsere Arbeitsorganisation in relativ kurzer Zeit komplett auf digitale Medien umgestellt. Sicher nicht nur in unserem Bereich, sondern generell lässt uns die Pandemie dabei aber auch spüren, dass die Digitalisierung zwar eine sinnvolle Ergänzung aber keinesfalls ein ausschließlicher Ersatz des „Analogen“ sein kann.

Darüber hinaus streben wir an, mit unseren (digitalen) Unterstützungsangeboten den Wandel hin zu einer transparenten Wissenschaft durch offene, digitale Daten weiter zu befördern. Durch Beratungen und Schulungen sensibilisieren wir die Forschenden für das Thema und die Wichtigkeit sorgfältiger Wissenschaft. Mit dem Datenrepositorium bieten wir eine Anlaufstelle für die Publikation von nachnutzbaren Forschungsdaten. Gerade in der jetzigen Zeit zeigt sich einmal mehr, dass Wissenschaft effizienter agieren kann, wenn Forschungsdaten digital und offen zur Nachnutzung zur Verfügung stehen. Ebenso wichtig ist es dabei aber auch, diese Daten mit wissenschaftlichen Kontextinformationen zu versehen, so dass sie zum einen verständlich nachnutzbar sind und zum anderen nicht durch falsche Interpretationen oder fehlende Hintergrundinformationen in die Irre führen. Die Bedeutung von qualitativ hochwertigen Datenpublikationen wird mit zunehmender Offenheit daher immer wichtiger, wobei sich die Kriterien dafür, was Qualität in diesem Zusammenhang bedeutet, immer mehr als ein zentrales Element für die Bewertung von verfügbaren Forschungsdaten herauskristallisieren. Unsere Services geben den Forschenden daher eine Orientierungshilfe für den sorgfältigen Umgang mit digitalen Daten und umrahmen damit nicht nur die gute wissenschaftliche Praxis sondern fördern auch die Nachvollziehbarkeit von Forschung für die Gesellschaft.

Bei der Entwicklung von wissenschaftsunterstützenden FDM-Services ist es zudem nützlich, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu werfen. Auch wenn die Einbindung lokaler Begebenheiten für Unterstützungsmaßnahmen sinnvoll ist, können alle Beteiligten von Austausch und Vernetzung auf überregionaler, niedersachsenweiter oder nationaler Ebene profitieren. Die digital vernetzte Welt ermöglicht es hierbei, genau wie in der Wissenschaft selbst, in Kooperation Angebote zu schaffen und bereitzustellen, welche nicht nur für einzelne Forschende an der Leibniz Universität Hannover von Vorteil sind, sondern Kollaboration innerhalb der Wissenschaft unterstützen. Der Beratungsservice Forschungsdatenmanagement und das Datenrepositorium an der Leibniz-Universität Hannover gestalten also mit ihren Maßnahmen den digitalen Wandel in der Wissenschaft aktiv mit und versuchen damit verantwortungsvoll zur Digitalisierung in Niedersachsen beizutragen.

Autorin:

Dr. Janna Neumann
ist Fachreferentin für Chemie und zuständig für das Thema Forschungsdatenmanagement an der TIB

Beitragsbild: Dr. Anneke Meyer, LUH