Der Tag der essbaren Bücher – International Edible Book Day

Heute feiern wir weltweit den Tag der essbaren Bücher, die perfekte Kombination von Essen und Büchern. Und damit ein Anlass, auch im TIB-Blog darüber zu berichten.

Der Tag der essbaren Bücher bringt seit nunmehr 21 Jahren Buch- und Essens-Liebhaber sowie Buchkünstler zusammen. Die Kreationen müssen dabei wie Bücher aussehen, lesbaren Text enthalten oder in irgendeiner Weise von einem Buch inspiriert sein. Eine Größenvorgabe gibt es nicht, aber vollständig essbar müssen sie schon sein, denn im Anschluss an das Event werden alle Ausstellungsstücke aufgegessen. Wunderschöne Kreationen aus den ersten Jahren sind auf der Seite von Béatrice Coron zu finden, unter anderem auch ein Buch der Zahl Pi, über die Matti Stöhr und Mila Runnwerth am Tag der Mathematik hier im Blog berichteten.

Sie glauben nicht, dass es diesen Tag gibt? Es ist ein Aprilscherz?

Jean Anthelme Brillat-Savarin

Mitnichten, dieser Tag ist „echt“: Die erste Feier des International Edible Book Festival geht auf das Jahr 2000 zurück. Die Idee entstand ein Jahr zuvor bei einem Thanksgiving Dinner, an dem auch die Bibliothekarin Judith A. Hoffberg und die Künstlerin Béatrice Coron teilnahmen. Das für dieses Festival ausgerechnet der 1. April ausgesucht wurde, hat einen ganz besonderen Grund. Es handelt sich hierbei nämlich um den Geburtstag des französischen Autoren und Gastrosophen Jean-Anthelme Brillat-Savarin (1.4.1755 – 2.2.1826). Solche Buchfeiertage werden auch gerne von Bibliotheken genutzt, um auf bestimmte Werke aufmerksam zu machen. Was hat das aber konkret mit der TIB als Zentrale Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften zu tun?

Nun, die TIB sammelt schwerpunktmäßig Literatur aus den Bereichen Architektur, Chemie, Mathematik, Informatik, Physik und natürlich Technik. Auch die Lebensmitteltechnik gehört dazu und da liegt die Verbindung zwischen Brillant-Savarin und der TIB.

Eigentlich arbeitete Brillat-Savarin als Richter, seine Leidenschaft galt aber dem Kochen, über das er zahlreiche Bücher publizierte. Als sein bekanntestes Werk gilt La Physiologie du Goût, das er 1826 veröffentlichte. 1865 erschien die erste deutschen Übersetzung mit dem Titel Die Physiologie des Geschmacks. Angeblich hat der Autor 25 Jahre an diesem Werk gearbeitet, das nicht nur eine Rezeptsammlung enthält, sondern sich auch grundsätzlich mit dem Thema Kulinarik auseinandersetzt. Diese neue Form des Schreibens über Essen trug in Europa wesentlich zur Weiterentwicklung der Kochkunst bei. Und nun dürfen Sie dreimal raten, welches Buch die TIB neben den vielen Millionen anderen Werken im Bestand hat?

Deckblatt der Physiologie du goût mit einem Porträt Brillat-Savarins (1848)

Eine französische Ausgabe von 1975 mit Annotationen gibt es im Fachbestand Literaturwissenschaften. Die deutsche Ausgabe ist mit dem wunderbar „kurzen“ Titel Physiologie des Geschmacks oder physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse : den Pariser Gastronomen gewidmet von einem Professor, Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften als Nachdruck einer Ausgabe von 1878 im Bestand.

Zum Thema Gastrosophie gibt es darüber hinaus noch diverse weitere Treffer im Bestand der TIB. Stöbern Sie also heute gerne mal durch den kulinarischen Bestand unserer Bibliothek.

In diesem Sinne: Happy International Edible Book Day!

Autorin:

Petra Mensing
ist Fachreferentin für BiologieGartenbauUmwelttechnologien und Wirtschafts- wissenschaften an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und zuständig für die Ausbildungskoordinierung (höherer Dienst).

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/illustrations/buch-scheibe-kuchenmesser-kuchen-5965870/