Nähe schaffen trotz Distanz – ein Jahr Home-Office

ein Beitrag von Helene Brinken und Jessika Rücknagel

Diesen Monat sind wir tatsächlich seit einem Jahr im Home-Office und blicken auf eine Zeit voller neuer Herausforderungen zurück. Auch wenn Videokonferenzen schon vorher zu unserem Arbeitsalltag gehörten, haben sie nun einen anderen Stellenwert. Der gemeinsame Kaffee oder Tee im Büro fällt weg und es gibt sehr wenige Möglichkeiten, auch mal auf persönlicher Ebene zusammenzukommen, gemeinsam zu lachen, sich aufzumuntern und zu unterstützen. Wenn man nicht in einem Raum sitzt, sondern jede:r allein zu Hause, kann es leicht passieren, dass sich jemand aus der Online-Diskussion zurückzieht, was viele Gründe haben kann (Schüchternheit, Langeweile, Desinteresse, Ablenkung, Verpflichtungen usw.).

Teambuilding ist auch oder gerade in Zeiten, in denen die meisten sozialen Kontakte online stattfinden, für die gute Zusammenarbeit wichtig. Wir möchten von unserem bereichsinternen Versuch berichten, Online-Meetings aufzulockern, Nähe zu schaffen und gemeinsam Spaß zu haben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich ein Einstieg in ein Meeting mit einem Warm-up lohnt: Das Eis wird gebrochen, alle Teilnehmer:innen sind aktiv geworden und das Meeting wird entschleunigt, bevor sich alle gemeinsam dem Inhaltlichen widmen. Fünf bis zehn Minuten zu Beginn können einen riesigen Unterschied für den Rest des Treffens ausmachen. Bei Treffen, die länger als eine Stunde dauern, kann natürlich auch eine Unterbrechung mit einer kurzen mentalen Auflockerung sehr sinnvoll sein. Die nachfolgenden Spiele haben wir uns nicht alle selbst ausgedacht, aber mit unseren Kolleg:innen erprobt und für gut befunden.

Kennenlernspiele

Diese Spiele helfen, sich im Team oder in einer neuen Gruppe besser kennenzulernen.

Ich frage mich …

Für das Spiel „Ich frage mich …“ werden circa fünf Fragen benötigt. Diese können entweder vorgegeben oder gemeinsam zusammengestellt werden. Die Fragen werden für alle sichtbar geteilt (zum Beispiel im Chat, in gemeinsamen Notizen oder über ein Whiteboard). Aus den Fragen wird dann immer eine ausgewählt, die die nächste Person beantwortet. Die Person, die geantwortet hat, darf immer die nächste Frage und die Person aussuchen, nach dem Motto: „Ich frage mich, welches der Lieblingsort in Hannover von Kollegin X ist?“ oder „Ich frage mich, wohin Kollege Y schon immer mal reisen wollte?“

Das besondere Ich

Bei diesem Spiel überlegt sich jede Person eine Sache, von der sie glaubt, dass sie nur auf sie zutrifft (ein außergewöhnliches/seltenes Hobby, Talent, Erlebnis, Fähigkeit etc.). Die Begriffe/Kurzsätze werden auf einem Whiteboard oder mit Hilfe eines Umfragetools (zum Beispiel Mentimeter) gesammelt. Anschließend müssen alle raten, auf wen was zutrifft.Nenne eine Sache von der du animmst, dass sie nur auf dich zutrifft

Ich schätze mal …

Für „Ich schätze mal …“ benötigen Sie einige Schätzfragen, auf wie viele Personen im Raum etwas zutrifft: Zum Beispiel, wie viele Personen ein Haustier haben, wie viele Personen an Sternzeichen glauben usw. Bei jeder Frage müssen die Teilnehmenden ihre Schätzung, auf wie viele Personen das im Raum zutrifft, in den Chat tippen. Anschließend müssen alle in einem anonymen Umfragetool angeben (zum Beispiel Directpoll), ob es auf sie selbst zutrifft.

Alle, die …

Dieses Spiel kommt von der Seite Workshop-Spiele und eignet sich gut für neue Gruppen, da es unkompliziert ist und mit Fragen gespielt werden kann, die nicht zu persönlich sind. Die Teilnehmenden verdecken ihre Kameras und die Moderation stellt Fragen, die mit „Alle, die …“ beginnen, beispielsweise „Alle, die ohne Kaffee nicht gut in den Tag starten können“. Die Personen, auf die das zutrifft, zeigen kurz ihr Gesicht in die Kamera.

Gemeinsame, aktivierende Spiele

Diese Spiele sorgen für eine auflockernde Stimmung.

Paint it 

Bei „Paint It“ malen Einzelpersonen Begriffe und die anderen raten. Ein:e Moderator:in schickt jeweils einer Person einen Begriff, zum Beispiel im privaten Chat, zu. Dieser wird anschließend auf ein gemeinsames Whiteboard gemalt. Begriffe können kreativ selbst ausgewählt oder von anderen, zum Beispiel analogen Spielen inspiriert sein (zum Beispiel Gitarre, Hund, Schule, Teekanne, Zimmerpflanze, Spaghetti, Bus, Deckenlampe, Eule, Staubsauger, Wasserkocher, Schlüsselbund, Tulpe, Locher, Fallschirmspringer, Feuerwerk).

Alternativ kann auf Online-Spiele zurückgegriffen werden. Geeignet wäre zum Beispiel Skribbl.io, ein nettes Tool, das aber leider viel Werbung enthält und auf mobilen beziehungsweise kleineren Geräten nicht so gut funktioniert. Außerdem hatten wir das Gefühl, dass die Performance bei einigen Kolleg:innen durch die parallele Nutzung eines Konferenztools nicht optimal war.

Wenn das Konferenztool ein gemeinsames Whiteboard hat, ist es auch immer eine schöne und unkomplizierte Möglichkeit, gemeinsam zu einem bestimmten Thema oder Anlass zu malen, beispielsweise zu aktuellen Jahreszeiten, Feiertagen oder Themen, die für das Team relevant sind. Die gemeinsam erstellten Kunstwerke können zudem im Protokoll verewigt werden.

Digital gezeichnetes Bild zum Thema Winter Wonderland

Touch Blue

Das Spiel „Touch Blue“ stammt ebenfalls von der Seite Workshop-Spiele und funktioniert so, dass eine Farbe genannt wird und alle Teilnehmenden so schnell wie möglich einen Gegenstand aus dem Home Office in der richtigen Farbe vor die Kamera halten müssen. Eine schöne Weiterentwicklung dieses Spiels ist es, Kategorien oder andere Vorgaben zu definieren (zum Beispeil Gegenstände aus bestimmten Räumen der Wohnung oder Gegenstände mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben). Mit dem Tool Random-Picker-Wheel kann die zufällige Auswahl erfolgen: ein Rad mit Farben (gelb, grün, rot/orange, lila, rosa/pink, blau) und ein Rad mit Kategorien (zum Beispiel Deko, Küche, Bücherregal, Nützliches, Unterhaltung) haben sich für uns bewährt. Durch das Teilen des Bildschirms können alle Anwesenden live mitverfolgen, welche Kategorie das Schicksal beziehungsweise der Zufallsalgorythmus für die Gruppe bereithält. Das macht das Spiel noch dynamischer.

Ratespiele

Für das Spiel „Fremdwörterkunde“ ist entweder ein analoges Fremdwörterbuch oder eine kleine Internetrecherche notwendig. Die Spielleitung sucht vorab witzige, interessante oder kuriose Fremdwörter raus und die Teilnehmenden raten, um was es sich handeln könnte, zum Beispiel was ein Persiko ist, was ein Majorat ist, was ein Heptameter ist, was eine Amphipode ist etc. Da können Kolleg:innen entweder mit Nischenwissen, guter Allgemeinbildung oder Schlussfolgerungen punkten, während der Rest sich fortbildet.

Im Internet gibt es viele nette Rätsel, wenn sie offen lizenziert sind, können sie ganz einfach nachgenutzt werden. Beispielsweise die „Um die Ecke gedacht“ – Rätsel von janko.at sind unter CC BY NC SA lizenziert.

Auch viele der bekannten „Black Stories“ sind im Internet zu finden und können eine nette Raterunde liefern. Prinzipiell können Fragen aus vielen bekannten Ratespielen verwendet werden, sofern ein:e Kolleg:in diese im heimischen Spielesortiment hat.

Quizze eignen sich ebenfalls sehr gut. Manche Kolleg:innen können aus ihrer Spielesammlung schöpfen, Inspiration für Quizfragen kann leicht mit in ein Online-Format genommen werden.

Bei einer kompetetiv eingestellten Runde können viele der genannten Spiele als Wettbewerb ausgetragen werden. Das spornt den Ehrgeiz vieler Kolleg:innen nochmal extra an und könnte zum Beispiel bei einem Quiz in Teams ausgetragen werden.

Grundsätzlich sollte bei allen Spielen und Fragen darauf geachtet werden, dass sie gut zum Anlass passen, nicht zu kompliziert oder persönlich sind. Die Teilnehmenden sollen sich wohl fühlen, andernfalls verfehlt dies die intendierte Wirkung und begünstigt im schlimmsten Fall, dass Kolleg:innen sich weiter isolieren. Einige der vorgeschlagenen Spiele eignen sich auch für Workshops, in denen sich unbekannte Personen das erste Mal treffen. Vor allem hier gilt, keine zu persönlichen Fragen zu stellen. Nicht jedes Spiel muss Anklang finden, ausprobieren und experimentieren, was in festen Teilnehmerkreisen funktioniert, lohnt sich auf jeden Fall. Empfehlenswert ist es, wenn je nach Teamgröße ein bis zwei Personen für die Planung der Warm-up-Phase verantwortlich sind. Dies müssen auch nicht immer die gleichen Personen sein. Die verantwortlichen Kolleg:innen legen einerseits die Warm-up-Spiele fest, moderieren bzw. leiten diese an, können die Punktezählung übernehmen und übernehmen die Recherche oder die kreative Denkbarkeit für das Festlegen von Fragen, Kategorien usw.

Spielekonzepte können, sofern sie sich bewährt haben, auch zu anderen Anlässen eingesetzt werden, zum Beispiel zu Teamfeiern. In diesem Rahmen haben sich für uns auch Online-Escape-Rooms und weitere Online-Versionen von klassisch anlogen Spielen bewährt.

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