Wissenschaft in ihrer audiovisuellen Vielfalt – Highlights aus 30.000 Videos im TIB AV-Portal. Teil 2

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Wir feiern die Veröffentlichung von über 30.000 Videos im TIB AV-Portal. Im ersten Teil unserer Beitragstrilogie haben wir einige (statistische) Hintergründe zum Meilenstein kennengelernt und den Auftakt der Entdeckungsreise gemacht. Auf zur Fortsetzung unserer kleinen Tour zu den Perlen des AV-Portals.

Videoempfehlungen aus dem TIB-Kollegium – IWF-Filme aus Biologie, Wissenschaftlerporträts und mehr

Es sind offensichtlich insbesondere die Filme aus dem umfangreichen Erbe des ehemaligen IWF Wissen und Medien gGmbH (zuvor Institut für den Wissenschaftlichen Film), welche beeindrucken und in Erinnerung bleiben. (Wir empfehlen zur Sammlung auch rückblickend den Blogartikel Über 1000 IWF-Filme online im AV-Portal der TIB!) Davon zeugen noch heute etwa die folgenden ausgewählten Favoriten aus dem TIB-Kollegium:

Elke Stahl: Das ebene Doppelpendel / Otto Hahn spricht zur Geschichte der Uranspaltung, Göttingen, 1956

Peter H. Richters und Hans-Joachim Scholz‘ Experiment zum physikalischen (Realaufnahmen) und mathematischen (Computer-Simulationen) Doppelpendel: https://doi.org/10.3203/IWF/C-1574

Der Chemie-Nobelpreisträger und „Vater der Kernchemie“ Otto Hahn über die Uranspaltung: https://doi.org/10.3203/IWF/G-27

Elke Stahl aus dem Windows-Team der IT-Abteilung der TIB ist sehr angetan von der visualisierten Mathematik des Videos zum ebenen Doppelpendel und empfiehlt außerdem die Ausführungen Otto Hahns, des Pioniers der Nuklearchemie und Nobelpreisträger für Chemie von 1944.

Julian Franken: Rudolf Hillebrecht, Hannover 1967/68

Architekt und Städteplaner Rudolf Hillebrecht über den Wiederaufbau Hannovers (1967/68): https://doi.org/10.3203/IWF/G-129

Julian Franken, als wissenschaftlicher Mitarbeiter im ConfIDent-Projekt aktiv, ist beeindruckt und kommentiert zugleich ernüchtert:

Hillebrecht beschreibt unter anderem, wie für den Wiederaufbau Hannovers das Straßennetz geplant wurde. Obwohl damals auf 70 Einwohner ein Auto kamen, wurde bereits mit 10 Einwohnern pro Auto geplant. Die Kapazität des Straßennetzes fiel für damalige Verhältnisse entsprechend großzügig aus. Trotzdessen sind Hannovers Straßen so voll, wie in den meisten anderen großen deutschen Städten. Das Verhältnis von Autos zu Einwohner liegt inzwischen eher bei 2 Einwohnern zu einem Auto. Hannover ist nicht darauf ausgelegt soviele Autos auf seinen Straßen zu haben. Intuitiv wusste ich das zwar schon immer, aber die Bestätigung seitens desjenigen zu haben, der maßgeblich an der Planung der Stadt beteiligt war, ist noch mal etwas anderes.

Andreas Lütjen: Percy Ernst Schramm, Göttingen 1964/65

Percy Ernst Schramm im Porträt (1964/65): https://doi.org/10.3203/IWF/G-100

Andreas Lütjen, Bereichsleiter Erwerbung und Katalogisierung an der TIB, hat eine Empfehlung aus der Geschichtswissenschaft parat:

Der Historiker Percy Ernst Schramm (1894-1970) stellt u. a. sein 1963 und 1964 in zwei Bänden erschienenes Buch Neun Generationen. Dreihundert Jahre deutscher „Kulturgeschichte“ im Lichte der Schicksale einer Hamburger Bürgerfamilie (1648 – 1948) vor: „Hier auf dem Deckelbild sind neun Kopfbedeckungen abgebildet: Hüte, Helme und Perücken, die die letzten neun Generationen auf dem Kopfe gehabt haben. Ich habe meine Familiengeschichte nur als Aufhänger benutzt und Hamburg ist nur die Bühne.“ Familienforschung, die über das reine Sammeln von Daten hinausgeht und Familiengeschichte, die in die allgemeine Geschichte eingeordnet und damit auch für die Allgemeinheit interessant wird.

Elke Brehm: Meeresplankton – Gastropoda (Schnecken) / Metamorphose aberranter Formen beim Seeigel (Psammechinus miliaris)

Dieter Fieges und Hans-Uwe Dahms‘ Untersuchung der Schnecken (2005): https://doi.org/10.3203/IWF/C-12722

Karl Herrmanns Untersuchung des Seeigels (1976): https://doi.org/10.3203/IWF/C-1300

Elke Brehm, Fachreferentin für Rechtswissenschaften  und zuständig für rechtliche Angelegenheiten im Kompetenzzentrum für nicht-textuelle Materialien der TIB, begeistert sich für mikrobiologische Aufnahmen:

Die im Labor der ehemaligen IWF gGmbH professionell produzierten Nahaufnahmen von Zellen und Kleinstlebewesen gehören zu den gelungensten professionellen Filmaufnahmen. „Meeresplankton-Gastropoda (Schnecken)“ und „Metamorphose aberranter Formen beim Seeigel (Psammechinus miliaris)“ sind schöne Beispiele.

Jens Kösters: Thalarctos maritimus (Ursidae) – Führen und Verteidigen der Jungen

Heinz Sielmanns Studie über das Verhalten einer Eisbärenmutter mit ihren zwei Jungtieren (1966): https://doi.org/10.3203/IWF/E-1476

Jens Kösters ist an der TIB u.a. veranwortlich für den Konferenzaufzeichnungsdienst ConRec. Begeistert schreibt er ausführlich:

Stellvertretend für sein Werk, habe ich mir Heinz Sielmanns filmische Beobachtung einer Eisbärenfamilie von 1966 rausgesucht. Der Naturfilmer Heinz Sielmann war ein Pionier auf seinem Gebiet, neben Bernhard Grzimek und Horst Stern. Ich weiß noch wie begeistert ich als Kind vor dem Fernsehen saß und in unbekannte Welten eingetaucht bin. Gewissermaßen hat er meine Kindheit und mein Bewusstsein für die Natur mitgeprägt. Noch heute haben seine Filme an Faszination nicht verloren – im Gegenteil. Es ging ihm nicht nur darum uns exotische Tiere näher zu bringen, auch die einheimische Flora und Fauna lag ihm am Herzen. So lernte ich unsere tierischen Nachbarn, ihre Angewohnheit und Verhaltensweisen durch seine Filme erst richtig kennen. Neben seiner Filmarbeit war er leidenschaftlicher Naturschützer. 1994 gründete er mit seiner Frau die Heinz Sielmann Stiftung mit Sitz in Duderstadt. Die Stiftung verfolgt den Leitsatz „Vielfalt ist unser Natur“. Zu den Zielen gehören unter anderem der Schutz von Lebensräumen, die Aufklärungsarbeit und der Erhalt des filmischen Erbes – wozu das AV-Portal ebenfalls einen wichtigen Beitrag leistet. Sielmann wirkt auch über seinen Tod 2006 hinaus. Dieses Erbe muss geschützt werden. Und ich bin froh, dass das Werk aus dem ehemaligen Bestand des IWF der Öffentlichkeit weiterhin zur Verfügung steht. Das Artensterben schreitet immer weiter voran, unsere Welt und das Klima verändert sich. Viele Tiere, die wir kennen, sind in 30 Jahre weg und wenn nur noch im Zoo zu bestaunen – wie der majestätische Eisbär in diesem Film.

Paul Feindt: Röntgentonfilm der Sprache

Robert Janker: Röntgentonaufnahmen zur Veranschaulichung des Stimmbildungsapparates (1937): https://doi.org/10.3203/IWF/D-150

Paul Feindt ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum nicht-textuelle Materalien maßgeblich verantwortlich in der Aufbereitung und Verfügbarmachung des IWF-Medienbestands und kennt diesen an der TIB wie kaum ein/e zweite/r. Seine Wahl:

Dieser 1937 von dem Röntgenologen Robert Janker in seinem Bonner Institut realisierte Kurzfilm dürfte nicht nur Mediziner interessieren. Auch Linguisten, Logopäden, Künstler, Wissenschafts- und Medienhistoriker haben ihren je eigenen Blick auf diese Aufnahmen. Erfreulich ist zudem, dass inzwischen eine ganze Reihe der Röntgenfilme Jankers digitalisiert und unter einer Creative Commons-Lizenz im AV-Portal bereitgestellt werden konnten. Neben medizinischen Stummfilmen finden sich weitere Tonfilme zur Sprache sowie ein in den 1950er Jahren entstandener Beitrag zur Entwicklung und Stand der Röntgenkinotechnik.

Ein schöner Abschluss dieses zweiten Teils unseres „Perlentauchens“. Das Warten bis zum dritten Teil ist nicht allzu lang …

Feiern Sie mit!

Wir laden Sie selbstverständlich herzlich ein, ebenso ausgiebig im AV-Portal auf Entdeckungsreise zu gehen. Haben Sie Ihre Lieblingsvideos gefunden? Teilen Sie Ihre(n) Favoriten gerne über die Kommentarfunktion, per Mail an av-portal@tib.eu oder auch über Social Media wie Twitter oder Instagram mit dem Hashstag #AVPortal_30k. Wir freuen uns, Ihre Empfehlung(en) in die Merkliste „30.000 Videos in the TIB AV-Portal – Recommendations“ aufzunehmen.

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