Mehr als „nur schauen“ – Open Access, Lizenzen und wissenschaftliche Filme

“Creative Commons License Spectrum” by Shaddim (CC BY)

Mit dem Konzept Open Access, dem freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, wird schnell der offene Zugriff auf wissenschaftliche (Journal-)Artikel bzw. Paper assoziiert (vgl. Irrtum 5 im TIB-Blogpost „Fünf Irrtümer über Open Access“ von Stefan Schmeja).

Anlässlich der Open Access Week 2020 sei knapp anhand der wissenschaftlichen Filme im TIB AV-Portal verdeutlicht: Open Access, insbesondere auf Basis freier Lizenzierung, etwa durch die weit verbreiteten Creative-Commons-Lizenzen, ist selbstverständlich mehr als das und ist unabhängig von spezifischen Publikationsformaten. So können Forschungsdaten, Software, Bilder oder eben auch audiovisuelle Medien – etwa Vorlesungsaufzeichnungen, Simulationen, abgefilmte Experimente – frei zugänglich und unter gewissen Bedingungen, die idealerweise über die Lizenzvergabe geregelt werden, weiterverbreitet und vielfätig nachgenutzt werden, auch kommerziell.

In seinem Blog-Beitrag „Wer hat Angst vor CC-Lizenzen?“ hat widerum Stefan Schmeja unlängst im Februar 2017 das Thema lesenswert aufgegriffen. Er schrieb:

Open Access bedeutet, zumindest im engen, erstrebenswerten Sinn, nicht nur den kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, sondern auch die Möglichkeit, sie frei weiterzuverbreiten und nachzunutzen. […] Die für die Nachnutzung notwendige Erlaubnis der Urheber/innen kann durch freie Lizenzen pauschal erteilt werden. Als Standard bei Open-Access-Publikationen haben sich Creative-Commons-(CC)-Lizenzen etabliert. […] CC-Lizenzen gibt es in zahlreichen Varianten, die eine abgestufte Einräumung von Nutzungsrechten erlauben. CC BY („Namensnennung“) ist die liberalste Lizenz, sie erlaubt die uneingeschränkte Weitergabe und Weiternutzung, auch zu kommerziellen Zwecken, aber immer unter der Bedingung der Nennung der Urheber/innen.

Gleichzeitig wies Stefan Schmeja darauf hin, dass die Wahl von CC BY für die Wissenschaft im Sinne einer möglichst weiten Verbreitung von Forschungsergebnissen ideal ist und auch schon – bei Wissenschaftsjournalen – breite Anwendung findet. Welche Möglichkeiten der CC-Lizenzierung es gibt und welche Nutzungsrechte damit verbunden oder eingeschränkt sind, lässt sich zum Beispiel dem obigen Schaubild entnehmen. Die Organisation Creative Commons bietet auch umfangreiche Informationen und Hilfestellung in der Auswahlentscheidung für Lizenzen.

Lizenzfilterung nach CC BY im AV-Portal (Stand 23.10.20)

Auch für die langzeitarchivierte und zitierfähige Publikation wissenschaftlicher Filme im TIB AV-Portal werden über eine produkteigene Lizenzvereinbarung hinaus, Creative Commons-Lizenzierungen angeboten. Die CC-Lizenz kann frei gewählt werden, wobei eine CC BY-Lizenzierung wärmstes empfohlen wird. Mit über 13.000 CC BY-lizenzierten Filmen des Gesamtbestandes von mehr als 29.100 Videos, kann ein signifikanter Contentanteil des TIB AV-Portals in einem breiten Fächer- und Themenspektrum faktisch ohne Einschränkungen lediglich mit Urheberschaft-Namensnennung des Originals genutzt, weiterverbreitet und auch verändert werden. Weitere 3300 Videos sind mit CC BY-SA lizenziert und dürfen unter Weitergabe unter gleichen Lizenzbedingungen nachgenutzt werden.

Es ist zudem zwar kein Geheimnis und dennoch als Alleinstellungsmerkmal besonders erwähnenswert: über das TIB AV-Portal ist der einzigartige Bestand des ehemaligen Instituts für wissenschaftlichen Film Göttingen (IWF) und seiner Vorgängereinrichtungen niedrigschwellig der interessierten (Fach-) Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar – soweit bereits im Zuge der Bestandsübernahme und noch laufenden Digitalisierung durch die TIB möglich. Anlässlich des unmittelbar bevorstehenden Auftakts zum (Kultur-)Hackathon Coding Da Vinci Niedersachsen 2020 sowie des jährlich am 27. Oktober wiederkehrenden Welttags des audiovisuellen Erbes, sei die Aufmerksamkeit auf diesen Bestand, insbesondere auf die Auswahl der Public Domain-Videos im TIB-AV-Portal gelenkt. Es handelt sich um frühe wissenschaftliche (Stumm-)Filmaufnahmen aus den 1930er und 1940er Jahren – sowie in einem Fall gar von der Jahrhundertwende – in der Herausgeberschaft der damaligen Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU) und der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm (RfdU).

Ergebnislite der Public-Domain-Videos im TIB AV-Portal

Die Fime zeigen insbesondere biologische sowie sportwissenschaftliche, aber auch ethnologische Studien. Sie sind damit frühe Zeugnisse wissenschaftlicher Filmarbeit und damit medien- wie wissenschaftshistorisch wertvoll. Noch heute lohnt sich das Anschauen und bedingungslos ist auch die Nachnutzung möglich. Wir sind stets daran interessiert inwieweit der Filmbestand genutzt wird und freuen uns auf Feedback via Kommentar oder direkt per Mail unter av-portal@tib.eu.

The following two tabs change content below.
Matti Stöhr

Matti Stöhr

... arbeitet im Lab Nicht-Textuelle Materialien und ist zuständig für die wissenschaftliche Kommunikation und das Community Building des TIB AV-Portals