Projekt Clarify: Big Data und künstliche Intelligenz für eine bessere Betreuung von Krebsüberlebenden

Das EU-finanzierte Projekt CLARIFY will mithilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz (KI) die Risikofaktoren identifizieren, die die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten am Ende einer onkologischen Behandlung beeinträchtigen. Daten von mehr als 15.000 Menschen, die Brust-, Lungen- oder Lymphknotenkrebs (die häufigsten Krebsarten) überlebt haben, werden zu diesem Zweck analysiert.

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Die Anzahl der Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, ist in den letzten Jahrzehnten aufgrund der Fortschritte in der Diagnostik und der Behandlung gestiegen. Und dennoch, deren Lebensqualität nach der Behandlung zu erhalten, ist auch weiterhin eine Herausforderung.

Als Antwort auf das Problem will das EU-finanzierte Projekt CLARIFY (Cancer Long Survivor Artificial Intelligence Follow-up) die Risikofaktoren identifizieren, die den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten am Ende einer onkologischen Behandlung beeinträchtigen.

„Wir wählten drei der häufigsten Erkrankungen – Brust-, Lungen- und Lymphknotenkrebs – unter Langzeit-Überlebenden aus”, erklärt Mariano Provencio, Leiter der Medizinischen Onkologie am Hospital Universitario Puerta de Hierro in Madrid, dem spanischen Krankenhaus, das das Projekt Clarify leitet. „Mithilfe von Big-Data-Technologien und künstlicher Intelligenz wird das Projekt alle Daten aus den elektronischen Patientenakten verschiedener Krankenhäuser in Spanien, aus relevanten öffentlich zugänglichen biomedizinischen Informationen sowie aus Informationen, die durch die Nutzung von tragbaren Geräten nach der Behandlung erhoben werden, integrieren“, sagt Provencio.

Die Daten werden analysiert, um die patientenspezifischen Risiken der Entwicklung sekundärer Effekte und Toxizität von den Krebsbehandlungen vorherzusehen.

Innovative Plattform

Clarify verbindet das Fachwissen von Partnern aus fünf europäischen Ländern, um eine Plattform zu entwickeln, die Medizinerinnen und Mediziner dabei unterstützen soll, die richtige Entscheidung für eine verbesserte Betreuung von Krebsüberlebenden zu treffen.

Das Konsortium besteht aus zwölf Partnern:

  • Hospital Puerta de Hierro-Servicio Madrileno de Salud (Spanien)
  • Universidad Politécnica de Madrid (Spanien)
  • TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften (Deutschland)
  • Holos Soluções Avançadas em Tecnologias de Informação (Portugal); National University of Ireland (Irland)
  • University College London (Vereinigtes Königreich)
  • University College Dublin (Irland)
  • Accenture Global Solutions (Irland)
  • Grupo Oncológico para el Tratamiento de las Enfermedades Linfoides-GOTEL (Spanien)
  • Stelar Security Technology (Deutschland)
  • Grupo Español de Investigación en Cáncer de Pulmón – GECP (Spanien)
  • Kronohealth (Spanien)

Das Projekt Clarify wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Horizon 2020 mit einer Summe von fünf Millionen Euro finanziert.

Informationen zu Krebsüberlebende

Die Anzahl der Überlebenden von Krebs wird in Europa auf circa 8,7 Millionen geschätzt [1]. Die Überlebensraten von Krebspatientinnen und -patienten war bis vor wenigen Jahrzehnten, bevor die Diagnosemethoden verbessert und neuartige Therapiemethoden entwickelt wurden, eher niedrig. Es wird geschätzt, dass über 50 Prozent der erwachsenen Patientinnen und Patienten mit der Diagnose Krebs in den USA und Europa noch mindestens fünf Jahre leben.

Viele Krebsüberlebende haben unerfüllte Bedürfnisse, vor allem wenn es um die Verbesserung der Lebensqualität und die Verlängerung der Lebensdauer geht [2]. Mindestens ein Viertel aller Menschen, die den Krebs überlebt haben, berichten von langfristigen gesundheitlichen Problemen und Beeinträchtigungen [3]. Einige Krebsüberlebende leiden dreimal so stark unter Müdigkeit wie die Allgemeinbevölkerung [4] und viele leiden ein Leben lang unter der Angst, dass der Krebs wiederkommen könnte [5]. Auch die Rückkehr ins Berufsleben gestaltet sich oft schwierig für sie. Eine kürzlich durchgeführte weltweite Studie besagt, dass mehr als ein Drittel der Arbeitgeber besorgt sind über die Diskriminierung von Krebsüberlebenden am Arbeitsplatz [6].

„Häufig fehlt den Krebsüberlebenden nach der akuten Behandlungsphase Betreuung und gründlicher Nachsorge. Es ist wichtig, nationale Pläne zu entwickeln, um sicherzustellen, dass das Gesundheitssystem den Bedürfnissen der Menschen, die den Krebs überlebt haben, gerecht werden kann”, sagt Dr. Maria Torrente aus dem Team von Dr. Provencio am Puerta de Hierro Hospital.

Diese Situation sorgt für eine neue Herausforderung: Die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Krebspatientinnen und -patienten nach der Behandlung zu verbessern. „Menschen, die den Krebs langfristig überleben, brauchen medizinische und nicht-medizinische Betreuung, um ihre Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten und ihre Lebensqualität zu maximieren“, meint Dr. Torrente.

Quellenangaben

  1. Rossi, P. Baili, R. Capocaccia, M. Caldora, E. Carrani, P. Minicozzi, D. Pierannunzio, M. Santaquilani, A. Trama, C. Allemani, A. Belot, C. Buzzoni, M.Lorez, R. De Angelis, EUROCARE-5 Working Group. The EUROCARE-5 study on cancer survival in Europe 1999–2007: database, quality checks and statistical analysis methods
  2. Armes, M. Crowe, L. Colbourne, H. Morgan, T. Murrells, C. Oakley, N. Palmer, E. Ream, A. Young, A. Richardson. Patients’ supportive care needs beyond the end of cancer treatment: a prospective, longitudinal survey
  3. Macmillan Cancer Support. Cured-but at What Cost: Long-term Consequences of Cancer and its Treatment. Macmillan Cancer Support, London (2015)
  4. Henry-Amar, R. Busson. Does persistent fatigue in survivors relate to cancer? Lancet Oncol., 17 (2016).
  5. Thewes, P. Butow, R. Zachariae, S. Christensen, S. Simard, C. Gotay. Fear of cancer recurrence: a systematic literature review of self-report measures. Psychooncology, 21 (2012).
  6. K. Zeltzer, Q. Lu, W. Leisenring, J.C.I. Tsao, C. Recklitis, G. Armstrong, A.C. Mertens, L.L. Robison, K.K. Ness. Psychosocial outcomes and health-related quality of life in adult childhood cancer survivors: a report from the childhood cancer survivor study. Cancer Epidemiol. Biomarkers Prev., 17 (2008).

Weitere Informationen:

CLARIFY-Website: http://www.clarify2020.eu

Twitter: @Clarify2020

Die Forschungsgruppe Scientific Data Management unter der Leitung von Prof. (Univ. Simon Bolivar) Dr. Maria-Esther Vidal leitet die Aufgaben der semantischen Datenintegration, der Vokabulardefinition und der Erstellung von Wissensgraphen (Knowledge graphs). Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Prof. Vidal.

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Maria-Esther Vidal

Maria-Esther Vidal

Maria-Esther Vidal ist Professorin an der Universidad Simón Bolívar, Leiterin der Forschungsgruppe Scientific Data Management an der TIB und Mitglied des L3S. Sie leitet die Entwicklung von Berechnungsmethoden für die BigData-Integration, die Anfragenverarbeitung im großen Maßstab und die Wissensentdeckung.