Graue Literatur auf Aufsatzebene erschlossen – Konferenzbeiträge ab Erscheinungsjahr 2020 im TIB-Portal bestellbar

Am Rande der 21. International Conference on Grey Literature, die im Oktober 2019 in Hannover stattfand, hatte die TIB in einem Interview das Ziel ausgegeben, Graue Literatur etwas weniger grau machen zu wollen. Auf die Frage, warum graue Literatur häufig nicht wahrgenommen werde und wie es gelingen könnte sie sichtbarer zu machen, wurde ein neues Verfahren angekündigt, um deren Erschließungstiefe zu verbessern. Damit man wisse, welche Vorträge auf einer Konferenz gehalten worden seien, müsse man bisher noch einen Blick in das Inhaltsverzeichnis eines bereits veröffentlichten Konferenzbandes werfen. Das sei zwar glücklicherweise auch elektronisch möglich, da im Rahmen der sogenanntem Kataloganreicherung sämtliche Inhaltsverzeichnisse flächendeckend digitalisiert und über den K10plus-Katalog im Internet frei zur Verfügung gestellt würden, aber letztlich auch ein wenig umständlich. Die Digitalisierung der Inhaltsverzeichnisse sei aufgrund ihrer geringen Schöpfungshöhe rechtlich möglich:

Die TIB möchte über die Bereitstellung digitalisierter Inhaltsverzeichnisse hinausgehen und erprobt gerade in einem Projekt die direkte Erschließung von Konferenzbänden auf Aufsatzebene mit einem semiautomatischen Verfahren. Wir hoffen, den Zugang zur grauen Literatur so wesentlich zu vereinfachen und zu beschleunigen und wollen sie, wenn man es so ausdrücken will, also etwas weniger grau werden lassen.

Der Durchbruch ist während der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Schließung der Bibliothek gelungen und seit Ende März 2020 konnten mit dem neuen Verfahren ca. 25.000 Konferenzbeiträge über das TIB-Portal recherchierbar und bestellbar gemacht werden. Durch die innovative Tätigkeit konnten viele Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus fast allen Bereichen der Bibliothek das Projekt im Homeoffice unterstützen und waren damit weiterhin arbeitsfähig.

Ein Beispiel: A Nursing Robot for Social Interactions and Health Assessment, in: Advances in human factors in robots and unmanned systems (2020).

Die TIB lässt ihre Ergebnisse aber auch in Deutschlands größte Verbunddatenbank „K10plus“ einspielen und stellt sie damit auch über diesen Rechercheweg überregional zur Verfügung:

A Nursing Robot for Social Interactions and Health Assessment / Anja Richert, Michael Schiffmann, Chunrong Yuan

Zunächst ist es das Ziel, alle ab 2020 erworbenen Konferenzbände mit dem semiautomatischen Verfahren zu bearbeiten. Wenn darüber hinaus Ressourcen zur Verfügung stehen, sollen auch die bereits im Bestand vorhandenen Bände (2019, 2018, 2017 etc.) auf Aufsatzebene erschlossen werden. Aktuell sind es aus dem Jahr 2020 – 5260 Beiträge, aus dem Jahr 2019 – 3800 Beiträge und aus dem Jahr 2018 – 3840 Beiträge. Die restlichen ca. 12.000 Aufsatzdaten stammen aus älteren Konferenzbänden, die in der Testphase wegen der heterogenen Layouts ihrer Inhaltsverzeichnisse zur Bearbeitung ausgewählt worden waren. Das neue Verfahren soll demnächst in einer bibliothekarischen Fachpublikation vorgestellt werden.

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Andreas Lütjen

Andreas Lütjen

... leitet den Bereich Erwerbung und Katalogisierung an der TIB