Unsere interaktiven Webinare „Fachspezifische Recherche“ für die Proseminare Informatik der LUH

Pandemiebedingt erfolgt die Lehre an der Leibniz Universität Hannover im Sommersemester 2020 nur online. Dies betrifft auch unsere Workshops zur fachspezifischen Recherche in der Informatik. Wir berichten über unsere Erfahrungen bei der Umstellung auf ein virtuelles Veranstaltungsformat.

Hintergrund: Proseminar Informatik

Bereits seit dem Wintersemester 2018 bieten wir (das Fachreferat Informatik gemeinsam mit der Zentralen Information der TIB) in Kooperation mit der Fakultät Informatik der Leibniz Universität Hannover (LUH) Workshops zur fachspezifischen Recherche im Rahmen der Proseminare Informatik an. In diesen Proseminaren werden die Studierenden auf das Masterstudium vorbereitet. Dabei lernen sie sowohl die relevanten Inhalte der Informatik, aber vor allem auch die wissenschaftlichen Arbeitstechniken in der Informatik kennen. Da die Recherchekompetenz (Recherchestrategie, Recherchefertigkeiten) am Anfang der wissenschaftlichen Arbeit eine entscheidende Rolle spielen, können unsere Workshops zur fachspezifischen Recherche in vielen der Proseminare Informatik integriert werden. Die Studierenden erhalten nach erfolgreichem Absolvieren der Proseminare 3 Leistungspunkte.

In den vergangenen drei Semestern wurden die Workshops physisch vor Ort an der TIB angeboten und durchgeführt. Im Sommersemester 2020 ist alles anders! Pandemiebedingt findet das Sommersemester 2020 ausschließlich online statt. Die Anfragen der Dozierenden der Proseminare Informatik nach unseren Rechercheworkshops kamen wie gewohnt, aber sie zielten diesmal auf Online bzw. virtuelle Workshops.

Aus vor Ort-Workshops machen wir Webinare

Bei den vor Ort Workshops wurden feste Termine mit den Dozierenden der jeweiligen Proseminare vereinbart. Basierend auf den spezifischen Hauptthemen der jeweiligen Proseminare vereinbarte ich als Fachreferentin für Informatik mit den Dozierenden passende Recherchethemen für die Workshops. Vor Ort bekamen die Studierenden zunächst eine Einführung in das Basiswissen zur thematischen Recherche und danach wurden die ausgewählten Rechercheinstrumente (Fachdatenbanken usw.) mit den passenden Recherchethemen vorgestellt. Darüber hinaus wurden die Studierenden in Gruppen aufgeteilt. Dabei bekamen sie Gruppenaufgaben, in denen sie praktische Rechercheübungen selbst durchführten. Anschließend sollten sie ihre Recherchewege und ihre Rechercheergebnisse präsentieren und mit einer Frage- und Antwort-Runde wurden offene Probleme und Unklarheit unmittelbar geklärt. Dieser Hands-on Charakter war die Besonderheit der bisherigen Workshops, welche vom großen Teil der Teilnehmenden (sowohl der Studierenden, als auch der Dozierenden) immer gut bis sehr gut bewertet wurde.

Mit Online-Veranstaltungen mussten wir angesichts der eingeschränkten Gegebenheiten der Meeting Tools (DNFconf, Adobe Connect usw.) die ursprünglichen Abläufe und Inhalte der Veranstaltung anders gestalten. Die ursprünglichen Hands-On Bestandteile, wie Gruppenarbeit, Frage- und Antwort-Runde, sowie eigene Präsentationen durch die Studierenden, konnten wir mit einer Online-Veranstaltung nicht zu 100% übernehmen. Dennoch konnte nach konstruktiver Überlegung vieles aus dem ursprünglichen Schulungskonzept übernommen und Inhalte so umgestellt werden, dass die Online Workshops gut durchzuführen sind.

Aufbau des Webinars: Theorie plus Praxis verzahnt mit vielen Interaktionseinheiten

Das Webinar besteht aus theoretischen und praktischen Teilen, ergänzt durch interaktive Übungseinheiten und Quizfragen (vgl. Abb. 1).

Im theoretischen Teil erhalten die Studierenden Basiswissen über die thematische Recherche, Datenbankrecherche, Recherchestrategien online präsentiert.

Kurz danach wird dieses Basiswissen mit einem interaktiven Quiz mit den Studierenden geprüft. Hierbei werden die Mitmachfaktoren der Studierenden erstmals stimuliert. Oft werden die Fehlantworten gleich besprochen und die weiteren Fragen der Studierenden beantwortet.

Abb. 1: Aufbau/ Ablauf des Webinars: Fachspezifische Recherche

Im praktischen Teil stellen wir nacheinander drei ausgewählte Rechercheinstrumente mit den Beispielthemen (vorher abgestimmt mit den Dozierenden) in einer Live-Demonstration (via Bildschirmfreigabe) vor. Hier werden die Charakteristika der Rechercheinstrumente kurz vorgestellt. Mit der Live-Demo anhand des Beispielthemas, werden die Suchfeatures, Anzeigeelemente (Quellenangaben, Sacherschließung, Volltextverknüpfung), sowie Optimierungstechniken (Verwendung Indexfelder, nachträgliche Verknüpfung in der Suchgeschichte usw.) der Rechercheinstrumente detailliert vorgestellt.

Nach jeder Live-Demo erhalten die Studierenden Ihre eigenen Rechercheaufgaben, um das gerade Gelernte unmittelbar anwenden zu können.  Sie sollen mit den vorgegebenen Themen in den behandelten Rechercheinstrumenten selber eine Recherche durchführen und Ihre Ergebnisse im Webinarraum präsentieren bzw. angeben.

Zum Schluss vergleichen wir die Ergebnisse der Studierenden mit den Lösungen von uns und ggf. nochmals per Live-Demonstration, um die Lösungswege herzuleiten. Durch die Abfolge aus Input durch die Veranstaltenden und Übungsanteilen wird die ansonsten frontale Form des Webinars aufgelockert und von den Teilnehmern als abwechslungsreich empfunden.

Integration und Umsetzung in die Proseminare

Im Sommersemester 2020 konnten wir unsere Recherche-Webinare in den folgenden fünf Proseminaren der Fakultät Informatik (mit 15 bis 16 Studierenden je Proseminar) integrieren:

  • 2 x Proseminar Computational Health Informatics
  • Proseminar Data Science and Digital Libraries
  • Proseminar Energieinformatik
  • Proseminar Visual Analytics

Mit fünf fachspezifischen Recherche-Webinaren zu jeweils 90 Minuten, konnten wir uns auf die Hauptthemen der jeweiligen Proseminare orientieren, mit folgenden umfangreichen Themen die Recherche demonstrieren und den Studierenden die Recherchetechnik und Recherchekompetenz vermitteln:

  • Aktuelle Entwicklungen der Medizinischen Informatik
  • Computerassistierte Chirurgie bei Knieoperationen
  • Social Media Analytics for Smart Health
  • Big Data analytics in Smart Grids
  • Predicting infections using computational intelligence
  • Task scheduling in distributed computing systems with a genetic algorithm
  • Leader election in distributed computing systems
  • Snapshot algorithms in distributed computing systems
  • Social image search
  • Interactive Image Search

Dabei konnten wir den Studierenden die Top Datenbanken aus dem Fachgebiet Informatik, wie ACM Digital Library, INSPEC, IEEE Xplore, sowie für das Fachgebiet Medizin: Medline, vorstellen. Darüber hinaus stellten wir ebenfalls das TIB Portal als Metasuchmaschine für Fachliteratur vor.

Nach den Webinaren erhielten die Studierenden die Präsentationsfolien und ein Hand-Out für die gelernten Inhalte.

Zusammenarbeit des Fachreferats Informatik und der Zentralen Information (ZI)

Die Koordination, Konzeption und Durchführung der Webinare wurden durch das Fachreferat Informatik gemeinsam mit drei Kolleg*Innen der Zentralen Information (ZI) realisiert. Als Fachreferentin kommunizierte ich dabei mit der Studienkoordinatorin der Fakultät Informatik und den Dozierenden über die Integration der Webinare/Workshops, vereinbarte fachspezifische Themen und ggf. Rechercheinstrumente. Basierend auf den jeweiligen Themen arbeiteten die Kolleg*Innen der ZI bei der Konzeption der Webinare, dem Einrichten des virtuellen Webinarraumes, der Erstellung der PPTs und Hand-Outs,  sowie der Durchführung der Webinare/Workshops intensiv mit.

Jedes Webinar wurde durch zwei Dozent*innen durchgeführt. Für eine virtuelle Veranstaltung ist es vorteilhaft, zu zweit zu lehren. So werden die Inhalte (Präsentationen, Demo, Übungen) auf zwei Personen aufgeteilt und mehr Schwung und Dynamik in das virtuelle Format eingebracht. Gleichzeitig werden die Aufgaben je Vortragenden reduziert. Während ein/e Vortragende/r präsentiert, kann die/der zweite Vortragende auf die Fragen der Teilnehmenden im Chat antworten, was die Interaktion mit den Teilnehmenden durchgängig garantiert.

Zusammenfassung und Ausblick

Mit einem Feedback-Fragebogen am Ende der jeweiligen Webinare konnten wir die Meinungen der Teilnehmenden direkt (und natürlich anonym) abfragen. Die Fragen sind kurz, spiegeln aber dennoch die wesentlichen Aspekte wieder. Es ist sehr erfreulich zu erfahren, dass mehr als 57% der Teilnehmenden mit unserer Veranstaltung insgesamt zufrieden und mehr als 38%  der Teilnehmenden sogar sehr zufrieden sind. Mehr als 95% der Teilnehmenden können sich vorstellen, eines oder mehrere der vorgestellten Rechercheinstrumente für ihr Seminararbeitsthema später sinnvoll einzusetzen. Mehr als 72% der Teilnehmenden fanden die Teile der Recherchetechniken (Suchstrategie, Suchbegriffe, Wortliste usw.) und der Datenbankdemonstrationen sehr nützlich.

Weniger gut bewertet wurden die Teile mit den eigenen Übungen; nur rund 32% der Teilnehmenden fanden sie nützlich. Dies ist, wie wir vermutet hatten, auf die eingeschränkten Gegebenheiten der Online Veranstaltung zurückzuführen. Die Unterschiede von eigenen Übungen in physischen und in virtuellen Veranstaltungen treten hierbei deutlich zutage. Beobachtungen und gewonnene Erkenntnisse in einer physischen Veranstaltung in Form eigener Übungen sind in der virtuellen Veranstaltung schwer zu erringen. So sind die Übungen der Teilnehmer in der virtuellen Veranstaltung auch nicht einfach kontrollierbar. Andererseits wurde in mehreren individuellen Feedbacks positiv angemerkt, dass der Interaktionsanteil des Webinars im Vergleich mit anderen virtuellen Angeboten sehr hoch sei.

Weitere Schwierigkeiten ergeben sich eher auf der technischen Seite. Durch die nicht immer gute Verbindungsqualität, waren auch Audio- und Bildqualität teilweise eingeschränkt. Ein Aspekt, der  uns auch aus anderen Online-Veranstaltungen durchaus bekannt ist. Meist lies sich dies einfach durch einen erneuten Verbindungsaufbau lösen.

In der früheren vor Ort Schulung, war meistens nur eine Kollegin / ein Kollege durchgängig verantwortlich. Im Vergleich dazu ist die Online-Veranstaltung nicht unbedingt ressourcenschonend. Andererseits können sich die involvierten Kolleg*innen gegenseitig vertreten, wodurch wiederum weitere Ressourcen gespart werden.

Mit dem Online-Format konnten wir dieses Semester unseren fachspezifischen Rechercheworkshop weiterführen. Sowohl die Studierenden als auch die Dozierenden der Fakultät Informatik konnten damit weiterhin beim online Lernen und in der Online-Lehre unterstützt werden. Die guten Feedbacks zeigen, dass das Konzept und die Umsetzung durchaus gut gelungen waren. Die kritischen Aspekte zeigen uns Verbesserungspotential, woran wir in der Zukunft arbeiten können. Klar ist, selbst wenn die kommenden Semester wieder normal stattfinden, können wir parallel zu den Rechercheworkshops vor Ort zusätzlich auch noch unsere Recherche-Webinare anbieten.

Teilen und Versenden