„Der Energiesektor wird in Zukunft effizienter und viel sauberer sein“

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Im Interview: Prof. (Univ. Simón Bolívar) Dr. María-Esther Vidal über das EU-Projekt PLATOON

Prof. (Univ. Simón Bolívar) Dr. Maria-Esther Vidal ist Leiterin der Forschungsgruppe Scientific Data Management an der TIB, die zum strategischen Ziel der TIB beiträgt, Forschende in jeder Phase ihrer wissenschaftlichen Arbeit, insbesondere mit Daten, zu unterstützen. Ziel der Forschungsgruppe ist es, an der Spitze der Forschung und Entwicklung von Forschungsdateninfrastrukturen zu stehen und datenintensive Anwendungen in der Wissenschaft zu unterstützen.

María-Esther, was ist die Rolle Deiner Abteilung in dem EU-Projekt PLATOON?

Ich leite die Forschungsgruppe Scientific Data Management an der TIB: Dort forschen wir an effizienten und skalierbaren Methoden für die Integration großer Datenmengen sowie für die Wissensrepräsentation und -entdeckung. Die von uns entwickelten Anwendungen werden in verschiedenen Bereichen – insbesondere in der Biomedizin und in digitalen Bibliotheken – eingesetzt, um heterogene Daten in nutzbares Wissen zu verwandeln. Im Rahmen von PLATOON bearbeitet unsere Forschungsgruppe federführend die Aufgaben, die notwendig sind, um die Integration heterogener Datenquellen und die Semantifizierung von Big Data on demand, also die Verfügbarkeit zu jeder Zeit und überall, zu unterstützen. Diese Aufgaben umfassen:

  • Semantische Datenintegration
  • Techniken der Anfrageverarbeitung über heterogene Datenquellen
  • Datenverwaltung

Die Datenquellen von PLATOON sind heterogen. Es werden Datenmodelle entwickelt, um die Bedeutung der Daten in einer standardisierten formalen Spezifikation zu definieren. Die TIB wird zur Definition des PLATOON-Datenmodells beitragen. Die von der TIB zu entwickelnden Techniken für das Management von Big Data werden in der Lage sein, die Beschreibung der Datenquellen zu nutzen, um Interoperabilitätsprobleme zu lösen und eine einheitliche Darstellung der integrierten Daten bereitzustellen. Diese Datenmanagement-Techniken werden in das Analysewerkzeug SANSA für Big Data integriert, sodass das PLATOON-Framework die Herkunft und die zur Integration der Datenquellen getroffenen Entscheidungen erklären kann.

Diese semantischen Beschreibungen der integrierten Daten werden eine zentrale Grundlage für die Datenverwaltung sowie für die Analysemethoden darstellen, die im Zusammenhang mit der vorausschauenden Wartung von Windenergieanlagen, der Verwaltung intelligenter Netze und der Endenergienutzung zu definieren sind. Darüber hinaus werden von der TIB zu entwickelnde Abfrageverarbeitungstechniken die Untersuchung der integrierten Daten sowie der Ergebnisse der Analysemethoden ermöglichen.

In welcher Beziehung steht PLATOON zu Deinem Hintergrund und den Interessen Deines Teams?

In PLATOON leiten wir die Aufgaben im Zusammenhang mit zwei sehr wichtigen Problemen des Big-Data-Managements: Datenintegration sowie Datenerhebung und -harmonisierung. Die Entwicklung von Techniken, die in der Lage sind, auf große Mengen heterogener Daten zu skalieren, ist eines unserer Hauptforschungsgebiete. Daher liefert uns PLATOON nicht nur reale Anforderungen an unsere Techniken zur Verwaltung großer Datenmengen, sondern auch reale Testumgebungen, um unsere Ansätze zu prüfen und zu validieren.

Wie wird PLATOON Deiner Meinung nach den Energiesektor digitalisieren und zur Entwicklung des Energiesektors beitragen (zum Beispiel mit großen Daten, Edge-Computing und KI)?

Big-Data-Management und Wissensentdeckung werden es uns ermöglichen, Muster in den PLATOON-Datenquellen aufzudecken. Diese Muster werden Merkmale in den Daten verständlicher machen; sie werden auch die Grundlage für die Definition neuer KI-Tools bilden, die das Energiemanagement auf verschiedenen Stufen der Energieversorgungskette verbessern werden.

Welche Interessengruppen können von PLATOON profitieren?

Das sind Kommissionen für Energieregulierer, regionale Energieunternehmen und Forschungsinstitute im Energiebereich.

Was denkst Du, wie wird der Energiesektor in Zukunft aussehen?

Ich glaube, der Energiesektor wird in Zukunft effizienter und viel sauberer sein. PLATOON wird den relevanten Interessengruppen Instrumente und Ergebnisse zur Verfügung stellen, um Richtlinien und neue Strategien für die Entwicklung des Energiesektors zu definieren.

Welches sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Energiesektors?

Big Data zeichnet sich durch Fragen der Komplexität – zum Beispiel Vielfalt und Vertrauenswürdigkeit – aus, die in allen Schritten des PLATOON-Frameworks effektiv angegangen werden müssen. Darüber hinaus sind die Datenschutz- und Datenzugangsbestimmungen, die von den Datenlieferanten auferlegt werden, eine weitere Herausforderung, die bewältigt werden muss.

Welche Erwartungen hast Du an das PLATOON-Projekt?

Ich erwarte, einen Beitrag zur Entwicklung eines Big-Data-Managements zu leisten, das eine hohe Datenqualität sowie einen effizienten Zugriff auf das Knowledge Warehouse des Projektes im Federated Data Solution Space gewährleistet.

Vielen Dank für dieses interessante Interview, María-Esther!

Über PLATOON

Das H2020-Projekt PLATOON wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union im Rahmen der Zuschussvereinbarung Nr. 872592 finanziert. Das Projekt startete 2020 und läuft drei Jahre. PLATOON wird die europäischen Bemühungen um die Modernisierung des europäischen Stromnetzes verstärken und den Verbraucherinnen und Verbrauchern Zugang zu billigerer und nachhaltiger Energie bei gleichzeitiger Maximierung des sozialen Wohlergehens verschaffen. Zusammen mit ENGIE beteiligen sich die folgenden Institutionen und Unternehmen an dem Projekt: TECNALIA Research & Innovation, Universität Bonn, das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), Engineering, Universität Brüssel (VUB) mit dem dazugehörigen OWI-Lab, das Institut Mihajlo Pupin, Giroa als Mitglied der VEOLIA-Gruppe, SISTEPLANT, SAMPOL Ingeniería y Obras S.A., TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften, Politecnico di Milano, die Stadtverwaltung Rom, Poste Italiane, Mandat International, FundingBox Accelerator (FBA), Minsait (ein Unternehmen der Indra), ComSensus, Basque Energy Cluster (CEPV) und UDG Alliance.

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Dieses Projekt wurde durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union im Rahmen der Zuschussvereinbarung Nr. 872592 finanziert. Jegliche Verbreitung der hier vorgestellten Ergebnisse spiegelt nur die Sicht des Konsortiums wider. Die Kommission ist nicht verantwortlich für die Verwendung der darin enthaltenen Informationen.
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Alexandra Garatzogianni

Alexandra Garatzogianni

Leitung Wissens- und Technologietransfer, Koordinatorin von EU-Projekten // Head of Knowledge and technology transfer, Coordinator of EU Projects