Pi Day heiratet den Internationalen Tag der Mathematik

Am 14. März um 1:59:26 Uhr feiern wir wieder den Tag zu Ehren der Kreiszahl Pi. Ab diesem Jahr findet zugleich der Internationale Tag der Mathematik statt.

Im Leben muss man sich einige verhängnisvolle Daten merken: Geburtstage, Hochzeitstage, das genaue Datum des Handtuchtages (ein beliebiger 25. Mai). Um den Pi-Tag am 14. März hingegen kommen Physiker und Mathematikerinnen gar nicht herum. Das wird vor allem im US-amerikanischen Datumsformat ersichtlich: 3/14. Die UNESCO hat das gleiche Datum nun auch zum Internationalen Tag der Mathematik erklärt. Braucht man das, können Sie jetzt fragen. Vom Feiern schon ein bisschen angetüddelt, erheben wir die Sektgläser: Auf jeden Fall. Lesen Sie warum…

Pi Day

Die Kreiszahl π (Klein-Pi) gehört zu den wichtigsten und geschichtsträchtigsten Zahlen in der Mathematik und ihren Anwendungsfächern. Wie alle irrationalen Zahlen findet sie kein Ende und verdreht vielen den Kopf. Trocken definiert, gibt π das Verhältnis zwischen Umfang und Durchmesser (dem doppelten Radius) eines Kreises wieder. Wer die Zahl besser kennenlernen möchte:

Das Wissenschaftsmuseum Exploratorium in San Francisco, Kalifornien, hat π bereits am 14. März 1988 einen eigenen Aktionstag gewidmet, der seither jährlich gefeiert wird. 21 Jahre später verabschiedete der US-Kongress den offiziellen Pi Day (übrigens handelt es sich bei dem Bundesstaat, der π auf 3 festlegen wollte, um eine Urban Legend, die auf den heute sogenannten Indiana Pi Bill von 1897 zurückgeht).

Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) beging eine besondere Pi-Feier am 14. März 2015 um 9:26:53 Uhr. Viel näher werden wir Pi wohl nicht mehr kommen. 

An Universitäten ist der Feiertag schon seit Jahren gang und gäbe. Erst seitdem Geeks und Nerds dank Big Bang Theory auch sexy sein dürfen, entdeckt die Popkultur den Pi Day ebenfalls für sich. Für uns Mathematikfreundinnen und -freunde könnte es mittlerweile der kuchenreichste Tag des Jahres sein; das Internet wimmelt von Bildergalerien oder Rezeptsammlungen für spektakulären Pi Pie.

Fun Fact oder Verschwörung: Albert Einstein wurde am Pi-Tag geboren, Stephen Hawking starb.

Internationaler Tag der Mathematik

Hinter dem Pi-Tag steckt natürlich nicht die blinde Anbetung einer endlosen Zahl, sondern pars pro toto eine Würdigung für die Geschichte und Bedeutung der Mathematik selbst. Und so erklärte die UNESCO mit der Resolution 40C/RES.31 bei ihrer Generalversammlung im November 2019 den Pi-Tag zum Gedenktag der Kulturpraxis Mathematik: Internationaler Tag der Mathematik

The International Day of Mathematics is the opportunity to explain and celebrate the essential role that mathematics and mathematics education play in breakthroughs in science and technology, improving the quality of life, empowering women and girls, and contributing to the achievement of the Sustainable Development Goals of the 2030 Agenda (SDG1-17) of the United Nations.

Heuer findet er also zum ersten Mal statt, just in dem Jahr, in dem die International Mathematical Union (IMU) ihr 100jähriges Bestehen feiert. 

Die IMU ist auch Schirmherrin des Aktionstages, dessen Motto dieses Jahr Mathematik ist überall (#mathematicsiseverywhere) lautet.

Günter M. Ziegler, Professor für Mathematik, ehemaliger Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) und jetzt Mitglied des Executive Board IMU erklärt dazu: 

Das Motto betont, dass Mathematik eben nicht nur als Unterrichtsfach in der Schule und als Wissenschaft an den Universitäten stattfindet, sondern auch im Alltag, in den Formen der Natur, in Spielen und Wettbewerben, aber auch in Industrie und Handel allgegenwärtig ist – eben überall.

Aus diesem Anlass wurde sogar ein Video-Wettbewerb ausgelobt. Die Ergebnisse werden in Paris, Nairobi und natürlich im Internet am 13. März präsentiert.

Die Hochzeit zwischen Pi-Tag und Internationalem Tag der Mathematik ist für uns Mathematiker*innen also ein Feiertag, weil wir Anerkennung für unsere wunderschöne Wissenschaft mit ihrer verschrobenen Subkultur erfahren und hemmungslos geeken dürfen. Für Nichtmathematiker*innen ist es hoffentlich ein unterhaltsamer Anlass, um im Angesicht der Rechen- und Denkkunst staunend innezuhalten. 

Prost!

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