Was steht da eigentlich auf dem kleinen weißen Etikett? – Die Signaturen des Fachbereichs Rechtswissenschaften

Sucht man im Portal oder im Katalog der TIB nach einem bestimmten Buch im Fachbestand Rechtswissenschaften, so bekommt man in der Regel als Ergebnis eine Signatur angezeigt, wie zum Beispiel jur 830.1 mz 48-401. Die Signatur ist eine aus Zahlen und Buchstaben bestehende Zeichenfolge, die auf einem am Medium angebrachten Etikett aufgedruckt und individuell vergeben wird. Die Signaturen im Lesesaal Rechtswissenschaften bestehen aus 4 Zeilen und bestimmen den Standort des Buches im Lesesaal.

Doch wofür stehen diese Buchstaben und Zahlen eigentlich?

Schauen wir uns doch das Beispiel

jur
830.1
mz
48-401

einmal genauer an.

Am TIB-Standort Conti-Campus steht die erste Zeile der Signatur für die wissenschaftliche Disziplin, in dessen Lesesaal der Titel aufgestellt ist. Das jur steht folglich für den juristischen Fachbestand im 3. Stock des Standortes Conti-Campus. Weitere Fachbezeichnungen am Conti-Campus sind zum Beispiel oek (Wirtschaftswissenschaften im 1. Stock) oder pae (Pädagogik im 5. Stock).

Die zweite Zeile der Signatur, in unserem Beispiel die 830.1, ergibt sich aus der Aufstellungssystematik des Fachbestands Rechtswissenschaften. Die Aufstellungssystematik ist ein Klassifikationssystem, das das gesamte Spektrum eines Fachs in einem hierarchisch aufgebauten System zu ordnen versucht. Die gesamte Aufstellungssystematik des Fachbestands Rechtswissenschaften kann online eingesehen werden. (Mehr zur Aufstellungssystematik gibt es in diesem Beitrag)

Die 830 aus unserem Beispiel steht nach der Aufstellungssystematik für den Beginn des Urheberrechts. Aber halt, in unserem Beispiel steht doch nicht 830, sondern 830.1. Die Unterpunkte von 1-9 dienen dazu die unterschiedlichen Themen besser voneinander abgrenzen zu können. Gäbe es diese nicht, würden alle Titel zum Thema Urheberrecht lediglich die 830 bekommen und alle würden dort an nur einer Stelle zusammen im Regal stehen. Die Unterteilung mit Unterpunkten erleichtert die Auffindbarkeit der Titel. So steht zum Beispiel die 830.7 für alle Titel zum Thema Urheberpersönlichkeitsrecht oder die 830.9 für Werke zum Thema Schranken im Urheberrecht. Im Ergebnis finden sich alle Werke zu einem Thema unter dem entsprechenden Unterpunkt zusammen und können so viel einfacher gefunden werden.

Die 3. Zeile der Signatur besteht in der Regel aus zwei Buchstaben, in unserem Beispiel aus mz. Bei diesen zwei Buchstaben handelt es sich um den sogenannten Formschlüssel. Diese bringen die Form des Werks zum Ausdruck. So steht das mz in unserem Beispiel für Dissertationen und sonstige Hochschulschriften. Weitere Formschlüssel, die häufig im Lesesaal anzutreffen sind, sind zum Beispiel cb für Kommentare oder eb für Lehrbücher. Natürlich gibt es noch viele weitere Formschlüssel um der Vielfalt der juristischen Literatur gerecht zu werden und ab und zu finden sich im Lesesaal bei älterer Literatur auch noch vereinzelt Formschlüssel, die heute nicht mehr vergeben werden.

Die 4. Zeile der Signatur besteht schließlich aus zwei Zahlen die durch einen Bindestrich getrennt werden. In unserem Beispiel die 48-401. Die erste Zahl steht dabei für das Jahr der Erwerbung. Diese Art der Zählung begann im Jahr 1971, dem Jahr der Gründung des Juristischen Fachbereichs der Uni Hannover. So steht die 48 in unserem Beispiel für das Jahr 2018. Die zweite Zahl steht mit einem Bindestrich getrennt vom Erwerbungsjahr und ist die laufende Nummer beim Eingang neuer Titel im Fach Rechtswissenschaften.

Man kann also aus der Signatur unseres Beispiels jur 830.1 mz 48-401 ablesen, dass sich dieses im Fachbestand Rechtswissenschaften im 3. Stock des Conti-Campus befindet, es sich um eine juristische Dissertation zum Thema Urheberrecht handelt, die im Jahr 2018 als 401stes Werk angeschafft wurde.

Jetzt kommt es natürlich auch sehr oft vor, dass von einem Titel nicht nur ein, sondern mehrerer Exemplare gekauft werden. Um diese voneinander unterscheiden zu können, werden die einzelnen Exemplare dieses Titels in alphabetischer Reihenfolge durchnummeriert. Sollte es also irgendwann von unserem Beispiel noch ein zweites Exemplar geben, sähe dessen Signatur wie folgt aus: jur 830.1 mz 48-401 (a), ein drittes Exemplar wäre dann jur 830.1 mz 48-401 (b) und so weiter.

Gibt es jedoch bereits schon eine Vorauflage des Titels, dann wird für die neue Auflage keine neue Signatur angelegt. Die neue Auflage übernimmt die bereits für den Titel vorhandene Signatur, die Nummer der Auflage wird in Klammern hinzugefügt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Palandt mit der Signatur jur 600 cb 4-131(78).

Schaut man sich im Lesesaal des Fachbestands Rechtswissenschaft noch etwas genauer um, kann man noch mindestens zwei andere Arten von Signaturen entdecken.

Signaturen mit Systematischem Schlüssel

Bei der ersten gibt es nur einen kleinen Unterschied zu unserem obigen Beispiel. Ein Beispiel ist jur 076 jc mz 47-1183. Bei diesem Werk hat die 3. Zeile der Signatur nicht nur zwei Buchstaben, sondern zwei mal zwei Buchstaben. Beim ersten Buchstabenpärchen handelt es sich um einen sogenannten Systematischen Schlüssel. Diese werden bei sehr wenigen Stellen der Aufstellungssystematik vergeben und dienen dazu die Titel dort noch besser trennen zu können. So handelt es sich in unserem Beispiel bei jur 076 um das Rechtsgebiet des Internationalen Kartellrechts und bei unserem Beispiel jur 076 jc um den Unterpunkt Besonderes Völkerrechtliches Verwaltungsrecht. Diese Unterpunkte sind historisch gewachsen, da die ursprüngliche Systematik an diesen Stellen sehr grob gehalten war und durch die Entwicklung des Rechtsgebiets im Laufe der Zeit eine genauere Unterteilung notwendig wurde.

Signaturen von Festschriften

Bei der zweiten sehen die Signaturen dann doch etwas anders aus. Diese anderen Signaturen gibt es im Lesesaal des Fachbestands Rechtswissenschaften an genau zwei Stellen. Nämlich bei jur 002, den Festschriften für Personen und bei jur 002.5, den Festschriften für Institutionen. Nehmen wir als Beispiel die Signatur jur 002 morlo, m 70. Bei der Signatur steht jur wie immer für den Fachbestand Rechtswissenschaft und 002 für Festschriften für Personen. Die anders aussehende 3. und 4. Zeile der Signatur erklären sich fast von alleine, wenn wir uns den Titel der Festschrift einmal genauer ansehen. Dieser lautet: Die Organisation des Verfassungsstaats: Festschrift für Martin Morlok zum 70. Geburtstag. Bei den Festschriften, egal ob für Personen oder Institutionen, werden die 3. und 4. Zeile der Signatur wir folgt gebildet: Die 3. Zeile besteht aus den ersten 5 Buchstaben des Nachnamens der gefeierten Person, einem Komma und anschließend dem 1. Buchstaben des Vornamens.. Die 4. Zeile der Signatur ist anschließend entweder das Alter der gefeierten Person, oder das Jahr des Anlasses, zu dem die Festschrift verfasst wurde. In unserem Beispiel ergibt sich daraus morlo, m 70.

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