Happy Birthday DataCite!

Ein Interview mit Britta Dreyer zu zehn Jahren DataCite: eine Erfolgsgeschichte rund um den Digital Object Identifier (DOI)

Die Gründung des Vereins DataCite  jährte sich Anfang Dezember zum zehnten Mal. Ein Grund, einen Blick zurück und einen Blick nach vorn zu werfen. Im Interview spricht Britta Dreyer, Leiterin des Referats PID- und Metadatenservices an der TIB und DataCite Business Manager, über das Erreichte, die Herausforderungen der Zukunft und die Zusammenarbeit mit den DataCite-Partnern.

Zehn Jahre DataCite, das ist ein schöner Erfolg. Aber eigentlich begann die Geschichte von DataCite schon ein wenig vorher. Nämlich 2004 mit der ersten Vergabe eines Digital Object Identifiers (DOI), ein eindeutiger und dauerhafter digitaler Identifikator, an der TIB. Erzählen Sie uns doch, wie alles angefangen hat.

Wissenschaftliche Forschung generiert eine gigantische und stetig wachsende Menge digitaler Forschungsdaten. Diese Datenmengen sind von immenser Bedeutung für die Wissenschaft. Einerseits erhöhen sie die Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen. Andererseits besteht durch die rasanten technologischen Entwicklungen die Möglichkeit, die Forschungsdaten für weitere Forschungsvorhaben zu nutzen.

Britta Dreyer, Leiterin des Referats PID- und Metadatenservices an der TIB und DataCite Business Manager // Foto: TIB/C. Bierwagen

Diese Gründe waren ausschlaggebend für die Entscheidung der TIB, 2005 die weltweit erste DOI-Registrierungsagentur für Forschungsdaten zu werden. Entstanden ist sie aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Publikation und Zitierbarkeit von Primärdaten“ – kurz STD-DOI. Das Ziel war und ist es auch noch heute, Forschungsdaten mittels DOI-Namen global auffindbar, zugänglich und zitierbar zu machen. Als Mitglied der Research Data Alliance Initiative (RDA) entwickelt DataCite gemeinsam mit der internationalen Wissenschaftscommunity Methoden, Maßnahmen und Standards, um Forschungsdaten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar zu machen.

DOIs ermöglichen die eindeutige Identifizierung wissenschaftlicher Objekte und durch die verknüpften sowie aktualisierbaren Metadaten und URLs gewährleisten sie den Zugang und die Zitierbarkeit. Heute werden DataCite-DOIs für vielfältige Objekttypen wie Forschungsdaten, Software, Videos, Modelle und graue Literatur registriert.

Die Idee eines DOIs war also geboren. Wie ging es dann weiter?

Forschung ist global. Deshalb wurde nach dem erfolgreichen Abschluss des STD-DOI-Projektes am 1. Dezember 2009 der internationale Verein DataCite gegründet. Die sieben Gründungsmitglieder und auch die weiteren Mitglieder der ersten Jahre waren Einrichtungen, die die DOI-Vergabe als Teil ihres nationalen Auftrages übernahmen. Die Mitglieder bauten die technische Infrastruktur auf, entwickelten das Metadatenschema zur effektiven und einfachen Dateneingabe sowie -verarbeitung und legten die Richtlinien rund um die DOI-Vergabe fest.

Die Förderung für das EU-Projekt THOR (Technical and Human Infrastructure for Open Research) im Jahr 2015 brachte große Veränderungen für DataCite mit sich: Durch die zusätzlichen Ressourcen und das große Engagement des DataCite-Teams setzte ein positiver Wachstumsprozess ein. Derzeit werden DataCite-DOIs in 40 Ländern vergeben.

Zehn Jahre später ist ein guter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. Welche Schwierigkeiten gab es, welche Lösungen wurden gefunden und was sind die größten Erfolge von DataCite?

Die Finanzierung von DataCite war immer ein großes Thema: 2014 erhielt DataCite die erste Förderung für die EU-Projektreihe ODIN, THOR und das aktuelle Projekt FREYA. Hiermit nahm der DOI Einzug in die Entwicklungen der European Open Science Cloud (EOSC) und somit auch in die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Weitere Förderprojekte und Bausteine runden den Erfolg von DataCite ab. Im Januar 2020 starten zudem die beiden DFG-Projekte re3data COREF und ORCID DE 2, die auf bestehenden Entwicklungen wie dem Repository-Registry re3data und der Implementierung von ORCID (Open Researcher Contributor Identification Initiative) in Deutschland aufbauen.

Die größte Herausforderung für den Verein ist eine verlässliche und zukunftsfähige Finanzierung. Mit einem neuen Mitgliedsmodell befindet sich DataCite gerade auf einem guten Wege zu einer nachhaltigen Finanzierung.

Nach einer Bilanz der vergangenen zehn Jahre darf natürlich auch der Blick in die Zukunft nicht fehlen. Wie geht es in den kommenden Jahren mit DataCite weiter? Welchen Herausforderungen müssen sich die Partner stellen und welche Aufgaben müssen angegangen werden?

DataCites Fokus liegt weiterhin auf den internationalen Aktivitäten, Forschungsdaten FAIR (Findable, Accessible, Interoperable und Reusable) zu machen. Besonders wichtig sind die Metadatenqualität und die Erweiterung der Objekttypen (DOIs für Konferenzen, Software sowie Instrumente) und die Integration mit anderen PID-Typen (PID = Persistent Identifier) wie ORCID oder ROR (Research Organization Registry), um so gemeinsam neue Entwicklungen wie den PID-Graphen möglich zu machen. Dieser ermöglicht eine modellartige Beschreibung verschiedener PIDs und ihrer Verbindungen, wie zum Beispiel Datensätze, die von verschiedenen Journalartikeln zitiert werden.

Des Weiteren wird zukünftig das Angebot rund um standardisierte Metriken (Zitat- und Nutzungsstatistiken) zu Forschungsdaten ausgebaut, damit wir zeigen können, wie Forschungsdaten nachgenutzt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Noch mehr Informationen und Wissenswertes zu zehn Jahren DataCite gibt es in dem Beitrag „DataCite’s 10 year anniversary: and the award goes to …“  im DataCite-Blog.

Mehr Informationen zu Datacite 

Teilen und Versenden

The following two tabs change content below.

Sandra Niemeyer

... ist Pressereferentin im Team Kommunikation und Marketing

Neueste Artikel von Sandra Niemeyer (alle ansehen)