Start der Veranstaltungsreihe DIGITALER SALON: Fake in Science – Schummeln in der Wissenschaft mit Peter Onneken

Spannend, informativ und kritisch – ein Auftakt nach Maß! Der Beginn unserer neuen Veranstaltungsreihe Digitaler Salon, die wir in Kooperation mit dem Technik-Salon am 11.04.2019 gestartet haben, war ein großer Erfolg.

Tische rücken, Stühle aufstellen, Mikrofon- und Lichtprobe – die Vorarbeiten waren abgeschlossen. Und auch unser Referent, der Journalist  Peter Onneken sowie unser Moderator Lambert Heller (Leitung des Open Science Lab der TIB) standen in den Startlöchern. Doch wieviele Teilnehmer*innen würden letztlich der Einladung zur Veranstaltung, die in allen regionalen Medien gepostet war, folgen? Am Ende war das Stuhllager leer und der Raum voll – wir zählten eine überwältigende Zahl von 130 Teilnehmer*innen. Das Thema hat den Nerv der Wissenschaftler*innen der Leibniz Universität Hannover (LUH), aber auch den der interessierten Öffentlichkeit getroffen.
Das machten dann auch der Präsident der Leibniz Universität, Herr Prof. Dr. Epping und Frau Dr. Sens, stellvertretende Direktorin und Leitung Bibliotheksbetrieb der TIB in ihren Grußworten deutlich.

Im Vortrag von Peter Onneken ging es um Fake in Science – Schummeln in der Wissenschaft. Und das Thema beschäftigt seit den Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen in unseriösen Zeitschriften auch die LUH und deren Wissenschaftler*innen.

Peter Onneken schilderte in seinem ca. einstündigen Vortrag, wie er mit den Behauptungen, dass Chia-Samen schlauer machen und bei der Brustkrebsprävention helfen, Zugang zu wissenschaftlichen Konferenzen fand und es schaffte, in verschiedenen Open Access Fachzeitschriften Artikel mit nicht-ernstzunehmendem Inhalt zu veröffentlichen. In einigen Filmeinblendungen, die seine Vorgehensweise und seine Recherchen darstellten, zeigte er dabei, wie der wissenschaftliche Betrieb funktioniert.

Wenn es um die Einreichung von Konferenzbeiträgen und Beiträgen für wissenschaftliche Zeitschriften geht, unterliegt dies in der Regel einer strengen und langwierigen Qualitätskontrolle, dem so genannten Peer Review. Reicht eine  Wissenschaftler*in ein Paper bei einer Zeitschrift ein, so schickt die Redaktion den Artikel an Fachwissenschaftler*innen zur Begutachtung weiter. Dieser Prozess nimmt einige Zeit in Anspruch. Erst danach wird das Paper publiziert. Ähnlich funktioniert das auch bei der Einreichung von Vortrags-Abstracts, die von einem wissenschaftlichen Gremium bewertet und ausgewählt werden.

Am Beispiel eines unseriösen Verlages deckte Onneken auf, wie diese Standards umgangen werden, aus rein kommerziellen Interessen. Es gelang ihm, in einer solchen betrügerischen Fachzeitschrift – einem so genannten Predatory Journal –  einen Artikel zu veröffentlichen. Dieser bestand nur aus Wikipedia Beiträgen und war ohne wissenschaftliche Substanz.

Oft wird nach dem Motto Publish or Perish gehandelt.  Wissenschaftler*innen stehen unter Druck,  Forschungsergebnisse möglichst schnell und in großer Zahl in renommierten Fachzeitschriften unterzubringen, um damit das wissenschaftliche Ansehen zu steigern. Darunter leidet sowohl die Qualität als auch die Glaubwürdigkeit der Forschung.

Peter Onneken zeigte, dass Wissenschaft viele Lebensbereiche bestimmt und dass wir darauf angewiesen sind, dass die Regeln funktionieren, damit das Vertrauen in die Wissenschaft nicht verloren geht.

An den Vortrag schloss sich eine sehr lebendige Fragerunde und kritische Auseinandersetzung unter engagierter Beteiligung des Uni-Präsidenten Prof. Epping und der TIB-Experten Lambert Heller und Stefan Schmeja, Mitarbeiter aus dem Bereich Publikationsdienste, an. Dieser machte deutlich, dass es oftmals für die Wissenschaftler*innen gar nicht mehr möglich ist, zwischen guten und unseriösen Fachverlagen zu unterscheiden. Hier bestünde Handlungsbedarf. Man sei sich aber in den letzten Monaten an der LUH über die Probleme bewusst geworden. Dabei wies er mit Nachdruck darauf hin, dass die LUH gerne die Hilfestellung und ausgewiesene Kompetenz der TIB Mitarbeiter*innen bei der Beratung zur Veröffentlichung von Fachbeiträgen in Anspruch nimmt.

Fazit

Der Auftakt zu unserer neuen Veranstaltungsreihe, die sich in Vorträgen und Diskussionenmit derFrage beschäftigt, wie wissenschaftliches Arbeiten in einem sich immer stärker digitalisiertem Umfeld gelingt, war sehr erfolgreich. Es ist uns gelungen, zu zeigen, dass die TIB sich für aktuelle Themen der Wissenschaft stark macht und sich als Partner der Wissenschaft versteht. Wir freuen uns auf weitere spannende Vorträge und eine kritische Auseinandersetzung.

Nächster Termin der Reihe ist am 09. Mai 2019

Thema dann: Deine Daten, Meine Daten, Forschungsdaten

Know-how, Tools & Anwendungsbeispiele aus der Wissenschaftspraxis

In dieser Einführung geht es im  Digitalen Salon um Beispiele des Forschungsdatenmanagements im wissenschaftlichen Alltag und Anregungen für einen „guten“ Umgang mit diesen Daten – ganz im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis.

Referentin: Angelina Kraft

Peter Onneken

Peter Onneken ist investigativer Wirtschaftsjournalist und Filmemacher, unter anderem für die ARD-Magazine Monitor und Plusminus, das ZDF und den WDR.

TIB-Experte Dr. Stefan Schmeja

Stefan Schmeja hat 2006 in Astrophysik promoviert und hat anschließend in der Forschung gearbeitet. Seit 2015 ist er im Bereich Publikationsdienste der TIB tätig und berät zu allen Fragen rund ums wissenschaftliche Publizieren und Open Access.

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Christine Burblies

... ist die Koordinatorin Informationskompetenz an der TIB.

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