Fünf Jahre, 50 Jahre oder bis in alle Ewigkeit

Was digitale Langzeitarchivierung leisten muss

Aus unserem Alltag sind sie nicht mehr wegzudenken: digitale Fotos, Filme auf DVDs und Unmengen von Grafiken oder Dokumenten, die auf den Festplatten unserer Computer liegen. Aber was müssen wir tun, damit wir sie auch in Jahrzehnten noch nutzen können? Da kommt die Langzeitarchivierung – kurz LZA – ins Spiel, die solche Informationen dauerhaft verfügbar machen will: Sie ist kein Versprechen für fünf oder 50 Jahre oder für die Ewigkeit – sie ist ein andauernder Prozess, der notwendig ist, um die langfristige Nutzung dieser Daten sicherzustellen.

Digitale Objekte sollen auch in vielen Jahren noch nutzbar sein

Wenn wir digitale Informationen nutzen wollen, benötigen wir Hardware und Software. Das führt über kurz oder lang zu Problemen: Technologien (Datenträger, Wiedergabegeräte, Software) veralten oder verschwinden, Kunden erwarten neue Zugriffsformen, neue Risiken für Datenverluste werden bekannt oder korrupte Bits und Bytes, die die Dateien unlesbar machen. Genau hier setzt die digitale LZA an: Sie stellt die Erhaltung digitaler Objekte auf drei Ebenen – auf Ebene des Datenstroms (Bitstream-Preservation), auf Formatebene („Logical Preservation“) und auf Kontextebene sicher, sodass digitale Objekte langfristig und nachhaltig nutzbar sind. Das unterscheidet die LZA von der „normalen“ Archivierung bzw. Speicherung, die sich nur um den Erhalt des Datenstroms kümmert.

Bibliotheken, Archive und Museen, aber auch Industrie und Wirtschaft – sie alle besitzen digitale Objekte, die für kommende Generationen erhalten werden sollen. Eine große Aufgabe für die LZA, denn dafür braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur  für die Speicherung und Verwaltung von Millionen von Objekten und besonders Know-how im Umgang mit Formaten. Anwendungen, Metadaten und Systemdaten müssen über Generationen von Hardware, Speichersystemen und Software-Komponenten konfigurierbar, ausweitbar und migrierbar sein. Eine Herausforderung, die kleinere Institutionen kaum bewerkstelligen können.

Und hier kommt die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften ins Spiel: Zehn Jahre Praxiswissen in der LZA, die notwendige Infrastruktur sowie die dauerhafte Bereitstellung materieller und personeller Ressourcen garantieren, dass die TIB die hohen Anforderungen von Produzenten und Nutzern wissenschaftlicher Materialien erfüllen kann. Mit ihrer Dienstleistung Preservation-as-a-Service unterstützt sie Institutionen, die kein eigenes Langzeitarchivierungssystem betreiben wollen oder können, bei der Archivierung ihrer digitalen Bestände.

Seit 2012 setzt die TIB produktiv ein zertifiziertes, zentral gehostetes Langzeitarchivierungssystem ein. Die genutzte Software Rosetta der Firma Ex Libris gewährleistet durch professionelle Analyse und Anreicherung der Objekte mit bibliografischen, technischen und administrativen Metadaten, sowie unter Wahrung der Publikationsrechte, die dauerhafte Verfügbarkeit der Daten in einem verlässlichen System.

Langzeitarchivierung als Dienstleistung: Preservation-as-a-Service

Die TIB berät die Kunden in allen Phasen der Archivierung: Im ersten Schritt bei der Frage, welche Objekte und Metadaten wie abgelegt und strukturiert sind und welche Erwartungen an die Archivierung bestehen. Für die Strukturierung des Ablagebereiches im Archiv und den Aufbau der Archivpakete gibt sie praxisorientierte Empfehlungen und die Integrität und Qualität der Daten werden durch umfangreiche Analysen überprüft. Nach diesen vorbereitenden Maßnahmen erfolgt im zweiten Schritt die Archivierung der Daten im LZA-System. Im dritten Schritt, dem Preservation Management, behält die TIB die „Umweltbedingungen“ im Blick, die Einfluss auf die Daten im Archiv haben. Dies passiert auf technischer Ebene über den „Technology Watch“, auf organisatorischer Ebene über den „Organizational Watch“ und auf Nutzerebene über den „Community Watch“. Regelmäßig informiert die TIB die Kunden über die aktuelle Situation ihrer Objekte im Archiv sowie über relevante Veränderungen im Umfeld ihrer Daten und bei Bedarf empfiehlt sie Erhaltungsmaßnahmen. Die Objekte im Archiv werden in jährlichen Revalidierungen anhand der dann aktuellen Prüfroutinen untersucht und wenn nötig aktualisiert.

Mehr zum Angebot

 

Vortrag beim Bibliothekskongress 2019

Am 19.März stelle ich auf dem 7. Bibliothekskongress in Leipzig (108. Deutsche Bibliothekartag), das Dienstleistungsangebot zur Langzeitarchivierung der TIB in der  Session LZA und Repositorien vor. Die Session beginnt um 14 Uhr im Seminarraum 14/15, mein Vortrag beginnt um 15 Uhr.

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Thomas Bähr

Thomas Bähr

... leitet den Bereich Bestandserhaltung und Langzeitarchivierung an der TIB
Thomas Bähr

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