Klimawandel und Innovation – Wirtschaftsnobelpreis für William Nordhaus und Paul Romer

Der diesjährige Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ist der 50. Preis dieser Art und wird an William Nordhaus und Paul Romer verliehen. Beide haben sich in ihren Forschungsarbeiten mit den Zusammenhängen zwischen Klimawandel bzw. Innovationen und Wirtschaftsentwicklung befasst.

William Nordhaus erhält den Preis für die „Integration des Klimawandels in die langfristige makroökonomische Analyse„. Er gilt als einer der Begründer der Klima-Ökonomie. Bereits in den 1970er Jahren befasste er sich mit den Wechselwirkungen zwischen Klima und Wirtschaftswachstum und entwickelte u.a. das DICE-Modell. DICE steht für Dynamic Integrated Climate-Economy Model und untersucht den Einfluss des Klimawandels bzw. von  Klimaschutzmaßnahmen auf die Wirtschaftsentwicklung. Nordhaus lieferte u.a. einen der Ausgangspunkte zur Formulierung des „Zwei-Grad-Zieles“.

Klaus Schmidt, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, fasst Nordhaus Arbeiten wie folgt zusammen: „Die politische Aussage wäre ganz klar, dass wir die Kosten des Klimawandels ernst nehmen müssen und dass wir diese Kosten allen Beteiligten dadurch sichtbar machen, dass wir den Ausstoß von CO2-Emmissionen besteuern. So dass jeder, wenn er sich entscheidet, ob er in den Urlaub fliegt oder mit dem Auto fährt oder die Heizung aufdreht, die Konsequenzen seines Handelns durch den Preis, den er zusätzlich bezahlen muss, spürt und deswegen eher bereit ist, Energie einzusparen und CO2-Emmissionen zu vermeiden.“

Paul Romer erhält den Preis für die „Integration von Innovation in die langfristige makroökonomische Analyse“. Bereits 1983 legte Romer mit seiner Doktorarbeit „Dynamic competitive equilibria with externalities, increasing returns and unbounded growth“ den Grundstein für seine Beiträge zur endogenen Wachstumstheorie.

Ihn beschäftigte die Frage, welche Faktoren die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes beeinflussen. Frühere Theorien gingen davon aus, dass der technische Fortschritt eine Folge des Wachstums sei. Romer hat diese Sichtweise umgedreht und untersuchte in seinen Arbeiten ob und warum kapitalistische Volkswirtschaften noch wachsen können, obwohl sie bereits wohlhabend sind. Er stellte damit den bis dahin vorherrschenden Glauben an eine Grenze des Wachstums in Frage.  Romer kam zu der Erkenntnis, dass Innovationen die Voraussetzung für langfristiges Wachstum seien und konnte zeigen, dass die Länder schneller wachsen, die ein besseres Bildungsangebot vorweisen können und neue Ideen fördern.

Die Arbeiten beider Preisträger sind im TIB Portal zu finden. Ein Klick auf Paul Romer bzw. William Nordhaus führt Sie direkt auf die jeweilige Ergebnisseite unseres Portals.

Geschichte des Wirtschaftsnobelpreises

Nordhaus und Romer haben keinen „echten“ Nobelpreis erhalten, denn dieser Preis wird 1895 nicht  in Alfred Nobels Testament erwähnt. Erst 1968 wurde dieser Preis von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben gerufen und 1969 erstmals verliehen.

Der vollständige Name diese Preises lautet daher Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne, bzw. „Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaft zur Erinnerung an Alfred Nobel“. Da er jährlich gemeinsam mit den Nobelpreisen verliehen wird hat sich die Bezeichnung Nobelpreis für die Wirtschaftswissenschaften bzw. Wirtschaftsnobelpreis durchgesetzt. Alfred Nobel selber sollen die Wirtschaftswissenschaften nicht geheuer und damit auch nicht preiswürdig gewesen sein. Daher gibt es bis heute die Namen der Wirtschaftsnobelpreisträger nur im Anhang des Verzeichnisses der Nobelpreisträger. Und auch die Medaille sieht für den Wirtschaftspreisträger etwas anders aus: Während bei den von Nobel gestifteten Preisen auf der Rückseite jeweils ein Zitat gemeinsam mit dem Namen des Preisträgers eingraviert ist, enthält die „Wirtschaftsmedaille“ kein Zitat und der Preisträger wird nur am Rand der Medaille eingraviert. Die Vorderseite aller Medaillen ziert jeweils ein Porträt von Alfred Nobel in verschiedenen Versionen.

Ein bisschen Statistik …

Insgesamt 25 der bisher verliehenen Wirtschaftsnobelpreise erhielten einzelne Preisträger. Weitere 19 Preise erhielten zwei Preisträger gemeinsam, an drei gemeinsame Preisträger wurden 6 Preise verliehen.

Der jüngste Preisträger war Kenneth J. Arrow, der den Preis 1972 in Alter von 51 Jahren erhielt. Der älteste Preisträger war Leonid Hurwicz, wobei er gleichzeitig auch der älteste Preisträger aller Kategorien ist. Hurwicz erhielt die Auszeichnung 2007 im Alter von 90 Jahren.

Im Jahr 2009 erhielt die Elinor Ostrom als bisher einzige Frau den Wirtschaftsnobelpreis.

Während es in allen anderen Kategorien keine durchgängige Verleihung des Nobelpreises gab ist der Wirtschaftsnobelpreis seit 1969 an 81 Preisträger verliehen worden. Eine Liste aller bisherigen Preisträger ist auf der Nobelseite zu finden, ebenso wie weitere interessante Statistiken zum Nobelpreis.

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Petra Mensing

ist Fachreferentin für Biologie, Gartenbau, Umwelttechnologien und Wirtschafts- wissenschaften an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und zuständig für die Ausbildungskoordinierung (höherer Dienst).

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