Qualitätssicherung beim Bestandsaufbau in der TIB

Der Auftrag der TIB klingt zunächst ganz einfach: Die TIB gewährleistet die überregionale Literatur- und Informationsversorgung für alle Gebiete der Technik und ihrer Grundlagenwissenschaften, insbesondere Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Architektur. Dabei orientiert sich die Arbeit der Bibliothek an den Bedarfen in Wissenschaft, Forschung, Lehre und Praxis.

In unserem TIB-Portal möchten wir unseren Nutzern fachrelevante und hochqualitative Quellen anbieten. In seinem Blog Beitrag hat Stefan Schmeja   bereits beschrieben, wie geschickt sich Predatory Publisher tarnen und täuschen. Die Beurteilung der Qualität von E-journals oder Conference Proceedings und damit die Qualitätssicherung beim Bestandsaufbau ist deshalb oft sehr schwierig. Dieses Problem ist nur durch hohe Spezialisierung und effektive Zusammenarbeit von Bibliotheksmitarbeiterinnen und Bibliotheksmitarbeitern zu lösen. Eine besondere Rolle und Verantwortung kommt dabei den Fachreferentinnen und Fachreferenten zu.

Welche Qualifikationen ein Fachreferent oder eine Fachreferentin haben, möchte ich Ihnen gerne an meinem Beispiel erläutern. Wenn Sie den Normdatensatz zu meiner Person anschauen, entdecken Sie in der Rubrik Berufe zwei Bezeichnungen: Wissenschaftliche Bibliothekarin und Chemieingenieurin. Beides ist richtig. Um als Fachreferentin die  Auswahl wissenschaftlicher Literatur in dem von mir betreuten Fach adäquat erfüllen zu können, brauche ich die in einem  Fachstudium erworbenen Kenntnisse über das Fach, eigene Erfahrung in der Forschung in dem Fach (z.B. Promotion) und gleichzeitig  eine fundierte bibliothekarische Ausbildung.

Wir möchten Ihnen in unserem Portal  ein möglichst breites Spektrum wissenschaftlicher Ergebnisse der internationalen Forschung zugänglich machen und nicht nur die Ergebnisse, die auf großen etablierten Konferenzen vorgestellt wurden. Das stellt uns vor immer neue Herausforderungen in der sich ständig verändernden Publikationslandschaft.

Wie gehe ich als Fachreferentin vor, wenn zum Beispiel die Qualität einer Konferenz und der daraus resultierenden Conference Proceedings zu beurteilen ist? Zuerst stellt sich die Frage, wer veranstaltet diese Konferenz: handelt es sich um eine etablierte Fachgesellschaft oder Universität? Manchmal kann die Frage nicht auf den ersten Blick beantwortet werden, wie z.B. beim  Forschungsverbund Erneuerbare Energien aber bei genauerem Hinsehen sieht man, dass hinter dem Forschungsverbund  etablierte Forschungseinrichtungen stehen. Kann die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit des Veranstalters nicht eindeutig beantwortet werden, hilft ein Blick auf die Namen im  Programmkomitee und auf die Referentenliste, falls das Programm verfügbar ist. Handelt es sich um etablierte Wissenschaftler auf dem Gebiet?

Noch schwieriger wird es, wenn man Konferenzen im Ausland beurteilen soll, die nur spärliche Informationen auf Englisch enthalten, wie z.B. die Konferenz über Pulvermetallurgie in Minsk. Deshalb wird die Arbeit der Fachreferentinnen und Fachreferenten durch Regionalreferentinnen für Osteuropa und Ostasien unterstützt.

Auch hochqualitative Konferenzen haben manchmal ganz schlechte Konferenzmaterialien, die z.B. nur aus PowerPoint-Folien bestehen, dafür aber mehrere Hundert Euro kosten sollen. Deshalb ist eine Überprüfung bisheriger Konferenzmaterialien bzw. Erfahrungen mit dem Veranstalter ein Muss. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Deshalb arbeiten wir in der Bibliothek eng mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Erwerbung zusammen, die über Erfahrungen und Kenntnisse spezieller Literaturgattungen, wie z.B. Conference Proceedings, verfügen.

Auch ich nach über 30 Berufsjahren, davon fast 20 Jahre in der TIB, lerne  immer wieder Neues, um unseren Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.  Das macht unsere Tätigkeit so  interessant.

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Elzbieta Gabrys-Deutscher

Leitung Wissenschaftlicher Dienst, Fachreferentin für Chemische Technik sowie für Medizintechnik, Regionalreferat Osteuropa und Deutsche Forschungsberichte

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