Das betrifft mich nicht – oder? Drei sichere Wege zum guten Journal

Im vorigen Beitrag im TIB-Blog ging es darum, was „Predatory Publishing“ ist und wie das Geschäftsmodell funktioniert. Hier wollen wir kurz erläutern, wie man solche Praktiken erkennen und vor allem vermeiden kann. Nicht immer sind fragwürdige Zeitschriften auch auf Anhieb als solche zu erkennen.

Wie erkennt man ein „Predatory Journal“?

Manche dieser Zeitschriften nerven mit Spam-Emails, versprechen unrealistisch kurze Publikationszeiten, verraten sich durch sprachliche Fehler oder eine schlecht aufgemachte Website. Darauf fällt niemand herein, könnte man meinen und viele fühlen sich vermutlich auch sicher, dass ihnen das nicht passieren könnte. Andererseits gibt es auch fragwürdige Angebote, die auf den ersten Blick (manchmal auch auf den zweiten) seriös wirken. Sie haben eine ansprechende Website, geben darauf die Indizierung in Datenbanken wie Web of Science oder Scopus und häufig auch einen Impact factor (oder eine Zahl, die einen solchen suggeriert) an. Der Titel ist oft dem einer etablierten Zeitschrift zum Verwechseln ähnlich und ein prominent besetztes Editorial Board verspricht Glaubwürdigkeit. Allerdings scheinen viele der genannten Personen von dieser zweifelhaften Ehre gar nichts zu wissen, oder zumindest nicht, wofür sie ihren Namen hergeben. Im Zweifelsfall kommt man um eine indivduelle Prüfung nicht herum. Sind die Zeitschriften tatsächlich in den angegebenen Datenbanken verzeichnet? Geben die Mitglieder des Editorial Boards das auch auf ihren eigenen Webseiten an?

Im Netz kursieren diverse Blacklists mit „räuberischen“ Verlagen und Zeitschriften. Die meisten davon basieren auf der umstrittenen Liste von Jeffrey Beall, die Anfang 2017 vom Netz genommen wurde. Anstatt sich auf Blacklists mit ihren Unzulänglichkeiten zu verlassen, ist es sinnvoller und einfacher, sich auf geprüfte gute Qualität mit nachvollziehbaren Kriterien zu konzentrieren.

Wie man eine seriöse Zeitschrift findet, war schon mehrmals Thema hier im TIB-Blog. Es sei auf die Artikel von 2015 und 2017 verwiesen. Auch viele andere Bibliotheken und Forschungseinrichtungen wie beispielsweise die UB der TU Berlin, die UB Graz oder die Helmholtz-Gemeinschaft haben ausführliche Leitfäden zusammengestellt. Hier sollen daher nur die wichtigsten Punkte zusammengefasst werden.

Das wichtigste Instrument zur Qualitätseinschätzung von Open-Access-Zeitschriften ist das Directory of Open Access Journals (DOAJ). Es enthält nur Zeitschriften, die gewisse Mindestkriterien wie Peer Review oder Transparenz bezüglich der Kosten erfüllen. Die Einhaltung der Kriterien wird in regelmäßigen Abständen geprüft. Vorsicht: Manche Journals geben vor, im DOAJ verzeichnet zu sein, obwohl das nicht der Fall ist. Also immer direkt im DOAJ, nicht auf der Website der Zeitschrift überprüfen. Das DOAJ Seal verweist auf Zeitschriften, die noch strengere Kriterien erfüllen. Eine differenzierte Einschätzung anhand unterschiedlicher einzeln bewerterer Aspekte bietet die Plattform Quality Open Access Market (QOAM).

Hilfe zur Selbsthilfe bieten die Initiativen Think.Check.Submit (für Zeitschriften) bzw. Think.Check.Attend (für Konferenzen). Anhand dieser Checklisten lässt sich meistens eine Entscheidung treffen, ob eine Zeitschrift oder eine Konferenz seriös ist oder besser gemieden werden sollte. Auch Bibliotheken verfügen über Expertise bei wissenschaftlichen Publikationen und helfen gerne weiter. Bei den an der TIB betriebenen Publikationsfonds stellen wir sicher, dass nur Artikel in qualitätsgeprüften Zeitschriften finanziert werden.

Wichtig: All das Genannte bezieht sich auf formale Kriterien. Die inhaltliche Qualität der Artikel in einer Zeitschrift muss mit dem entsprechenden Fachwissen beurteilt werden. Auch seriöse Zeitschriften können ganz unterschiedliche Qualitätsstandards haben und jede/r Forschende muss für sich selbst entscheiden, was der geeignete Rahmen für die eigene Arbeit ist.

Drei sichere Wege zum guten Journal

Kurz zusammengefasst:

(1) Steht die Zeitschrift im Directory of Open Access Journals (DOAJ)? Wenn ja, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine seriöse Zeitschrift handelt.

(2) Prüfen Sie die Zeitschrift individuell anhand von Kriterien, wie sie beispielsweise von der Initiative „Think. Check. Submit.“ zusammengestellt wurden. Beurteilen Sie den Inhalt anhand Ihres Fachwissens.

(3) Fragen Sie uns.

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... arbeitet im Bereich Publikationsdienste der TIB und ist insbesondere für Beratung und Schulungen zum Thema Open Access zuständig.

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