Peter Grünberg 1939 – 2018

Es ist 10 Jahre her, da stubste mich mein Kollege am TIB-Stand auf der DPG-Frühjahrstagung in Berlin an und fragte mich: „Ist das nicht der Nobelpreisträger?“ In der Tat, es war Peter Grünberg, der der Buch- und Industrieaustellung der Tagung (s)einen Besuch abstattete. Sehr unauffällig und unspektakulär – wenn ich mich recht erinnere,  interessierte er sich damals für den Stand des Teubner-Verlages.  Mein Eindruck scheint nicht falsch gewesen zu sein: In den anlässlich seines Todes Anfang April erschienenen Zeitungsartikeln wird Grünberg als „Wissenschaftler ohne Eitelkeit“ dargestellt.

Die Aachener Zeitung schreibt:

Grünberg, damals 68 Jahre alt, war ein unauffälliger kleiner Mann, der schon leicht gebückt ging, leise sprach und sich am wohlsten fühlte, wenn er sich mit Kollegen austauschen konnte.

Genau dieses Bild nahm ich von der Tagung mit. (Am Rande bemerkt, wurde auf der Tagung neben Grünberg ein weiterer frischgekürter Nobelpreisträger gesichtet: Gerhard Ertl, der gerade den Nobelpreis für Chemie 2007 erhalten hatte.) Bereits im Frühjahr 2007 hatte Peter Grünberg übrigens die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft entgegennehmen dürfen. Wenn das nicht wegweisend war.

Dass der Tod Grünbergs im April in den Medien nicht so hohe Wellen schlug wie der von Stephen Hawking im März, wundert angesichts der sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Männer nicht, und auch mir wäre die Meldung fast durchgerutscht – obwohl mit Peter Grünberg immerhin ein Nobelpreisträger gestorben ist.

Von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften ist Peter Grünberg gemeinsam mit Albert Fert für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstandes (oder GMR von Giant magnetoresistance) ausgezeichnet worden. In der Würdigung zum Stern-Gerlach-Preis heißt es außerdem:

Diese Arbeiten initiierten das Forschungsgebiet Spinelektronik und führten zu revolutionären Fortschritten im Bereich der Magnetspeicher.

Einen guten Eindruck von Peter Grünberg und seiner Forschung vermittelt seine Nobel Lecture, zu deren Beginn er ganz uneitel bekennt:

You can imagine this is a great moment for any physicists … and accordingly I am also still kind of nervous.

Alle Veröffentlichungen von Peter Grünberg zu finden, ist nicht trivial:

  • Sucht man nach person:(Peter Grünberg) im TIB-Portal, erhält man nicht nur die Arbeiten Peter Grünbergs, sondern auch Berichte zu Forschungsprojekten, die an dem nach ihm genannten Peter Grünberg Institut am Forschungszentrum Jülich bearbeitet wurden.
  • Arbeiten von Peter Grünberg lassen sich dann mit dem Autorenfilter eingrenzen. Allerdings, nur 16 Treffer? Das wundert schon. In Fachdatenbanken wie Scopus oder Web of Science sind es doch eher knapp 200 Paper …
  • Also mutig eine Suche mit person:(P Grünberg) OR person:(P Gruenberg) anstoßen. Bei knapp 1500 Treffern ist natürlich viel Beifang  (wie z.B Luyet, PP. / Gruenberg, J.) dabei, aber das Ranking und die Filterfunktionen (Fach, Verlag …) helfen dann wieder auf den richtigen Weg. Schön wäre hier natürlich ein eindeutiger Identifier, wie die ORCID.

Literatur zum Forschungsgebiet, dem Riesenmagnetowiederstand (GMR) und der sich daraus entwickelnden Spintronik lässt sich ebenfalls im TIB-Portal finden.

  • GMR: Dank der Synonymfunktion im Portal werden auch Treffer mit Riesenmagentowiederstand und Giant magnetoresistance gefunden.
  • Spintronik: spintronik OR spintronic*

Bei Trefferzahlen über 10.000 ist es sehr gut, dass sich die zahlreichen Treffer nach persönlichem Bedarf (Buch, Artikel, Autor, …) filtern lassen. Spannend ist dabei, anhand der gefundenen Literatur zu sehen, wie ein Thema der physikalischen Grundlagenforschung immer mehr Anwendungen in weiten Gebieten der Technik und Physik findet.

Bleibt mir jetzt nur noch auf das Kondolenzbuch des FZ Jülich für Peter Grünberg zu verweisen und seine Kolleginnen und Kollegen die wirklich letzten Worte sprechen zu lassen.

 

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Esther Tobschall

... ist Fachreferentin für Physik und zuständig für die Nationale Kontaktstelle im Netzwerk arXiv-DH

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