Max Planck und die magische 70

Vor 70 Jahren – oder um genauer zu sein am 04.10.1947 – ist Max Planck im Alter von 89 in Göttingen gestorben. 70 Jahre ist (nicht nur) für uns Bibliothekarinnen und Bibliothekare eine magische Zahl, aber dazu später, widmen wir uns zuerst Max Karl Ernst Ludwig Planck, wie er mit vollem Namen hieß.

Portrait von Max Planck (Quelle: Scientific Identity, Gemeinfrei)

Max Planck konnte auf ein bewegtes, aber auch schicksalsreiches Leben zurückblicken:

Geboren am 23.04.1858 in Kiel stammte er einer traditionsreichen Gelehrtenfamilie von Juristen und Theologen.

Seine Schulzeit verbrachte Planck in München, wo er an der Ludwigs-Maximilians-Universität sein Studium (Physik und Mathematik) aufnahm. Von der Physik wurde ihm eigentlich abgeraten, da sie zu diesem Zeitpunkt als Wissenschaft galt, in der es nichts Neues mehr zu erforschen gab. Dennoch wechselte Planck mit seinem guten Freund Carl Runge für ein Jahr an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin um dort bei Gustav Kirchhoff und Hermann von Helmholtz zu studieren. Am Rande bemerkt: Deren Vorlesungen überzeugten ihn nicht.  In dieser Zeit inspirierten ihn vor allem die Schriften von Rudolf Clausius zur Wärmetheorie, weshalb er auch – wieder zurück in München – seine Dissertation „Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie“ verfasste, die er 1879 einreichte.

Plancks akademischer Weg gestaltete sich zunächst schwierig, obwohl er seine Habilitationsschrift zu Gleichgewichtszuständen isotroper Körper in verschiedenen Temperaturen bereits 1880 vorlegte. (Bei allem Planckschen Fleiß: Das waren Zeiten!) Als Privatdozent an der LMU erhielt er kein Gehalt. In der Fachwelt wurden seine Arbeiten kaum beachtet. Erst 1885 kam ein angemesser Ruf als Extraordinarius für Theoretische Physik an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

In dieser Zeit beteiligte er sich an einem Preisausschreiben der Göttinger philosophische Fakultät über das Wesen der Energie. Die Aufgabe lautete:


Die von Planck dazu eingereichte Arbeit mit dem Titel „Das Princip der Erhaltung der Energie“ qualifizierte sich interessanterweise nur für den 2. Platz und war dennoch die Siegerarbeit, da kein 1. Platz vergeben wurde. Hatte sich die Jury anderes erhofft?

1889 Berufung an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, ab 1892 Ordinarius: Planck baut sich eine  eigene Arbeitsgruppe auf und befasst sich mit Arbeiten zur Thermodynamik mit Schwerpunkt Wärmestrahlung. Er wird in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, deren Sekretär er 1912 wird. Ab 1913 ist der Rektor der Universität, 1918 wird ihm der Nobelpreis für Physik verliehen. Nach seiner Emeritierung 1926 wird Planck 1930 zum Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (der Vorläuferin der heutigen Max-Planck-Gesellschaft). Auch für die Deutsche Physikalische Gesellschaft ist Planck aktiv: In den Jahren 1905 bis 1916 ist er insgesamt vier Mal ihr Präsident. Seinem Ruf als Verwalter der Wissenschaft wird er so in vielfacher Weise gerecht.

1900 leitet Planck die Revolution in der Physik ein, indem er mit seiner berühmten Formel E=h*ν das Wirkungsquantum postuliert, mit dem er – der Theoretiker – eine mathematische Erklärung für die Vermeidung der Ultraviolettkatastrophe der Strahlung des Schwarzen Körpers liefert. Glücklich ist er zunächst nicht mit seinem Postulat, weiß er doch, dass er damit das bisherige Bild der Physik auf den Kopf stellen wird. Fast un(frei)willig schafft er damit die Grundlage der Quantenphysik und berichtet sogar seinem kleinen Sohn Erwin bei einem Spaziergang im Grunewald von diesem Dilemma. [1]

Biographien neigen ja häufig dazu, den zu Biographierenden in höchsten Tönen zu loben, dennoch – nach dem Lesen unterschiedlicher Quellen –  macht Max Planck auf mich den Eindruck eines Menschen, der bei aller Bescheidenheit und Zurückhaltung aufrichtig für seine Wissenschaft gelebt hat und dabei die Wissenschaft und nicht sich selbst in den Mittelpunkt gestellt hat, gerade in Krisenzeiten: Max Plancks erste Frau Marie starb 1909 mit 48 Jahren, sein Sohn Karl fiel 1916 bei Verdun, seine Zwillingstöchter Grete (1917) und Emma (1919) starben beide nach der Geburt ihres ersten Kindes. Der jüngere Sohn Erwin kam 1914 in Kriegsgefangenschaft. 1944 wurde er im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und – trotz aller versuchten Interventionen seines Vater – im Januar 1945 in Plötzensee hingerichtet. Im Februar 1944 wurde die Plancksche Villa in Berlin bei einem Bombenangriff zerstört, so dass neben persönlichen Besitztümern auch Plancks Bibliothek, Akten und Aufzeichnungen vernichtet wurden. 1945 zogen Planck und seine Frau nach Göttingen um. Max Planck hielt sich an seiner Arbeit und seinen Hobbies, dem Wandern und der Musik und nicht zuletzt auch an seinem Glauben fest. Unterstützung fand er auch bei seiner zweiten Frau Margarete, die er 1911 heiratete. Planck wird der Ausspruch zugeschrieben, dass der Mensch im Leben „kein Anspruch auf Glück“ habe.

Sich ein Urteil zum Verhalten von Persönlichkeiten in Zeiten des Nationalsozialismus zu bilden, ist schwierig. Manche haben Planck wohl einen zu großen Opportunismus im Dienste der Wissenschaft vorgehalten. Belegt ist aber, dass er sich nicht nur für die Sache, sondern auch für Personen, die ihm am Herzen lagen, eingesetzt hat, für seinen Sohn, aber insbesondere auch für Kolleginnen und Kollegen. Deutlich wird das am Beispiel einer Gedenkfeier für Fritz Haber im Januar 1935. Der Reichserziehungsminister hatte Beamten und Angestellten die Teilnahme untersagt, da der (jüdische) Haber den nationalsozialistischen Staat abgelehnt habe. (Haber war 1934 im Exil gestorben.) Trotzdem wurde die Feier abgehalten, statt der Männer waren die Gattinnen von Freunden, Professoren oder Wissenschaftlern gekommen, Max Planck und Otto Hahn hielten bzw. verlasen die geplanten Reden. Lise Meitner, die als Jüdin im Jahre 1938 ins Exil ging, hat 1958 anlässlich einer Gedenkfeier zu Plancks 100. Geburtstag eine sehr liebevolle und lesenswerte Rede über Max Planck als Mensch verfasst.

Ich konnte hier nur einen kurzen Einblick in das facettenreiche Leben von Max Planck geben, zum Glück gibt es aber viele dicke und dünne Biographien zu Planck, z.B.

Selbstverständlich hat die TIB noch weitere Biographien und Festschriften zu Max Planck in ihrem Bestand, ist sie doch auch zuständig für Werke zur Geschichte der Physik.

Sehr interessant finde ich auch die philosophischen, weltanschaulichen  Schriften von Planck, die u.a. hier zusammengestellt sind: Vorträge, Reden, Erinnerungen / Max Planck. Hrsg. von Hans Roos und Armin Hermann

Da Max Planck mit 89 Jahren ein hohes Alter erreicht hat, gibt es in einschlägigen Zeitschriften eine Vielzahl von Festschriften und Würdigungen, hier nur eine kleine Auswahl:

Und was ist nun mit der magischen 70? In Deutschland endet 70 Jahre nach dem Tod die so genannte Regelschutzfrist. Die Werke eines Urhebers werden am 1. Januar, der auf den Todestag folgt, gemeinfrei. Grund genug, im Rahmen der Retrodigitalisierung an der TIB einmal in unseren Beständen nach entsprechenden Planck-Werken zu gucken und sie Ihnen online bereitzustellen:

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Esther Tobschall

Esther Tobschall

... ist Fachreferentin für Physik und zuständig für die Nationale Kontaktstelle im Netzwerk arXiv-DH