Freie Versionen von zugangsbeschränkten Publikationen im TIB-Portal finden

Bei der Literaturrecherche auf einen interessanten Artikel gestoßen, aber keinen Zugriff auf das Dokument? Wer nicht gerade an einer großen Universität oder Forschungseinrichtung sitzt, die viel Geld für den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur ausgeben kann, der oder dem passiert das öfter. Trotz aller Bemühungen um Open Access ist immer noch eine Mehrzahl von wissenschaftlichen Publikationen nur kostenpflichtig zugänglich. Häufig gibt es aber Versionen, die aufgrund von Vereinbarungen oder rechtlichen Rahmenbedingungen frei zugänglich gemacht wurden. Dabei handelt es sich in der Regel entweder um die Verlagsversion, die nach einer bestimmten Frist in einem institutionellen Repositorium bereitgestellt werden darf oder um eine zeitgleich oder vorab auf einem Preprint-Server hochgeladene Manuskriptversion, die sich im Layout, nicht aber im Inhalt, von der Verlagsversion unterscheidet. Es gibt mehrere Dienste, die solche Versionen anhand des Digital Object Identifier (DOI), der eindeutigen Kennung einer Veröffentlichung, finden. Einige wurden bereits hier im TIB-Blog vorgestellt.

Einen solchen Dienst, oaDOI, nutzen seit kurzem auch wir, um im TIB-Portal Open-Access-Versionen von zugangsbeschränkten Publikationen anzuzeigen, ähnlich wie das bekannte Browser-Plugin Unpaywall (das übrigens auf den gleichen Daten wie oaDOI basiert). Wenn anhand des DOI eine frei zugängliche Version gefunden wird, z.B. für diesen Artikel, wird rechts unten der Button „Open-Access-Version“ angezeigt. Mit einem Klick landet man in diesem Fall bei arXiv, dem in der Physik viel genutzten Preprint-Server, auf dem auch diese Autoren ihr Manuskript hochgeladen haben.

Technisch funktioniert das Ganze so: Das TIB-Portal verwendet den Linkresolver SFX, der auf openURL basiert. Dieser Resolver übernimmt die Metadaten einer Publikation und generiert in Verbindung mit Informationen über den lokalen Bestand und Lizenzen einen Link auf die Publikation, wenn sie zugänglich ist. In SFX ist nun auch oaDOI integriert. Dadurch wird die oaDOI-Datenbank von 80 Millionen Artikeln nach entsprechenden freien Versionen durchsucht und im Erfolgsfall wird der Button eingeblendet, über den man direkt dorthin gelangt.

Das Ganze funktioniert unter folgenden Bedingungen:

  • die Metadaten der Publikation im TIB-Portal enthalten einen DOI
  • in der oaDOI-Datenbank wird anhand des DOI eine entsprechende frei zugängliche Version gefunden. Das ist wiederum nur der Fall, wenn bei der freien Version der DOI der Originalpublikation angegeben ist.

Die Datenbank von oaDOI basierte ursprünglich auf der Open-Access-Suchmaschine BASE, mittlerweile wird eine eigene Liste von Quellen gepflegt. Diese umfasst im Übrigen nur legale Quellen, also z.B. Preprint-Server wie arXiv oder institutionelle Repositorien von Universitäten und Forschungseinrichtungen. In einem weiteren Entwicklungsschritt wäre es auch möglich, die Art der Open-Access-Version („gold“ oder „grün“ bzw. Verlagsfassung oder Preprint) anzuzeigen. Durch die Integration von oaDOI in den weit verbreiteten Linkresolver SFX ist die Anzeige von frei zugänglichen Versionen etwas, das auch andere bibliografische Datenbanken und Portale anbieten können, um den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur zu erleichtern.

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... arbeitet im Bereich Publikationsdienste der TIB und ist insbesondere für Beratung und Schulungen zum Thema Open Access zuständig.