Was sind eigentlich Open Educational Resources?

Open Educational Resources (OER) sind freie Lehr- und Lernmaterialien, die durch die Vergabe von offenen Lizenzen jedermann die kostenlose und urheberrechtskonforme Nutzung von Inhalten ermöglichen.

Foto: IMG_20160228_093358 unter der Lizenz CC-BY 2.0 von Anja Lorenz via flickr

Entstanden ist der Begriff Open Educational Resources bereits 2001 in Paris auf dem „Forum on the Impact of OpenCourseWare for Higher Education in Developing Countries“. Hier trafen sich die Vertreter von 17 internationalen und Nicht-Regierungsorganisationen, um über Fragen des Urheberrechts im Zusammenhang mit dem freien Zugang zu OpenCourseWare[1] zu diskutieren. In ihrem Abschlussbericht (S. 6) kamen sie überein zukünftig für eine  „… universal education resource available for the whole community…“ den Begriff Open Educational Resource zu verwenden.

Dieser Begriff wurde in den folgenden Jahren weiter diskutiert und weiterentwickelt, sodass heute gleich mehrere Definitionen[2] existieren. In Deutschland weit verbreitet ist die Definition der UNESCO[3]. Nach dieser sind

Open Educational Resources (OER) jegliche Arten von  Lehr-Lern-Materialien, die gemeinfrei oder mit einer freien Lizenz bereitgestellt werden. Das Wesen dieser offenen Materialien liegt darin, dass jedermann sie legal und kostenfrei vervielfältigen, verwenden, verändern und verbreiten kann. OER umfassen Lehrbücher, Lehrpläne, Lehrveranstaltungskonzepte, Skripte, Aufgaben, Tests, Projekte, Audio-, Video- und Animationsformate.

Seit 2013 finden OER auch in Deutschland zunehmend Verbreitung. Sie bieten viele Vorteile, die gerade auch für einen Einsatz im Rahmen des Studiums/der Hochschullehre sprechen.

OER …

  • sind kostenfrei über das Internet zugänglich und ihre Nutzung ist ebenfalls kostenfrei.
  • sind frei wiederverwendbar und durch ihre Modifizierbarkeit entstehen neue Formen der Zusammenarbeit, beispielsweise durch die Nutzung kollaborativer Werkzeuge.[4]
  • können von vielen gemeinsam erstellt und bearbeitet werden und eröffnen individuelle Lehr- und Lernpfade für den Einzelnen.
  • sind einfach aktualisierbar und befinden sich durch Modifikation in einem ständigen Bearbeitungsprozess, durch den sie ständig verbessert werden.
  • fördern die Chancengleichheit für alle und ermöglichen weitere Entwicklungsmöglichkeiten.
  • sind innovativ und modern, da häufig mit neuen Technologien und Formaten gearbeitet wird.
  • bieten durch ihre offenen Lizenzen[5] eine rechtlich einwandfreie Möglichkeit zur Nachnutzung von Inhalten.
  • ermöglichen ohne vorherige Nachfrage beim Rechteinhaber das Verwahren/Vervielfältigen, Verwenden, Verarbeiten und Verbreiten von Inhalten.

Im Unterschied zu Open Access, bei dem es um die Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte  und Fachartikel geht und der damit einen starken Bezug zur Forschung aufweist, haben OER im Hochschulbereich durch ihre didaktischen Konzepte einen Bezug zur Lehre. Das Ziel beider ist es, den freien Zugang und den niederschwelligen Austausch von Wissen zu ermöglichen.

Bibliotheken können die vermehrte Nutzung von OER in ihrer Hochschule durch neue Serviceangebote unterstützen. Dies kann beispielsweise durch die Vergabe von Metadaten und der sachlichen Erschließung von OER der Hochschule, der Verwaltung und des Managements von OER (inklusive der Vergabe von Digital Object Identifiern (DOI),  Versionierungsmanagement und  Langzeitarchivierung), der Bekanntmachung und Verbreitung von OER innerhalb der Hochschule oder der Information über offene Lizenzen geschehen. Nicht zuletzt können sie eigene Inhalte als OER nutzbar machen.

Einen wichtigen Beitrag können Bibliotheken auch bei der Suche nach OER leisten. Diese gestaltet sich momentan noch etwas aufwendiger, da bisher noch keine fächerübergreifende OER-Suchmaschine existiert, die den Hochschulbereich komplett abdeckt. Bis dahin können Suchmöglichkeiten über CC Search, die Suchmaschine BASE (erweiterte Suche) oder auch über Sharing- und Upload-Dienste wie Zenodo oder Slideshare genutzt werden. Eine Übersicht über gute Suchmöglichkeiten zu OER bieten der Leitfaden zu Open Educational Resources für Bibliotheken und Informationseinrichtungen sowie das ImooX-Video OER suchen und finden.

Wer sich näher mit dem Thema OER beschäftigen möchte…


Quellen:

[1] Unter OpenCourseWare versteht man unter Open Access stehende und über das Internet frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien von Hochschulen. Quelle: Wikipedia

[2] Definition der Hewlett Foundation (2007), S.  4 und der Europäische Kommission, (2013) S. 3.

[3] Muuß-Merholz (2015) UNESCO veröffentlicht neue Definition zu OER Übersetzung auf Deutsch

[4] Siehe auch handbuch.io

[5] Als gängigste Lizenz für OER haben sich die Creative Commons Lizenzen (CC-Lizenzen) etabliert.

Teilen und Versenden

The following two tabs change content below.
Sabine Stummeyer

Sabine Stummeyer

... arbeitet im Bereich Bestandserhaltung und Langzeitarchivierung und beschäftigt sich mit dem Thema Open Educational Resources.
Sabine Stummeyer

Neueste Artikel von Sabine Stummeyer (alle ansehen)