Das Projekt ORCID DE

In unserem ersten Blogbeitrag dieser Blogreihe über ORCID haben wir berichtet, wie mit dieser eindeutigen Kennung sämtliche Produkte (zum Beispiel Aufsätze, Forschungsdaten und Software), die im wissenschaftlichen Arbeitsprozess entstehen, nachhaltig mit den beteiligten Forscherinnen und Forschern verbunden werden können. Weltweit besitzen bereits über 3,6 Millionen Forschende eine ORCID iD.  Außerdem erleichtert ORCID die Pflege der Publikationslisten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In ähnlicher Weise werden durch ORCID Vernetzungspotenziale gleichartiger Services von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen optimiert. Trotz der sich daraus ergebenen Vorteile, wie die Disambiguierung der Forschenden sowie die Vernetzung wissenschaftlicher Informationssysteme und ihrer Metadaten ist die Implementierung des De-facto-Standards ORCID in wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland bisher kaum erfolgt.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte und im Februar 2016 gestartete Projektvorhaben „ORCID DE – Förderung der Open Researcher and Contributor ID in Deutschland“ (ORCID DE) hat es sich zum Ziel gesetzt, die ORCID iD in Deutschland in den kommenden drei Jahren zu fördern sowie die vielerorts erwogene Implementierung der ORCID an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen durch einen übergreifenden Ansatz nachhaltig zu unterstützen. Dabei stehen organisatorische, technische und rechtliche Fragen gleichermaßen im Fokus. (Mehr Informationen hierzu finden Sie im Artikel „DFG-Projekt ORCID DE fördert die Verbreitung des Autorenidentifikationssytems ORCID in Deutschland“ von Claudio Fuchs.) In einem ersten Schritt wurde im Oktober 2016 das gemeinsam mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) geführte ORCID-Deutschland-Konsortium als zentrale Anlaufstelle für Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gegründet. Hier erhalten die Konsortium-Mitglieder neben der reduzierten ORCID-Mitgliedschaftsgebühr vielfältige Unterstützung bei der ORCID-Integration.

Zu den technischen Herausforderungen gehören die Vernetzung und Verbreitung von ORCID im Bereich von Open-Access-Repositorien und -Publikationdiensten. Erste Erfahrungsberichte der laufenden Implementierungen wurden auf dem ersten aus einer Reihe von  Workshops, die vom Projekt durchgeführt werden, vorgestellt. Der kommende ORCID-DE-Workshop Implementierung, der am 7. September 2017 in Frankfurt am Main stattfindet, wird sich auch den technischen Aufgaben widmen. Neben der im Fokus stehenden Diskussion und dem Austausch der Teilnehmenden rund um die technischen Aspekte der Implementierungsarbeit soll auch das im Auftrag des Projektes erstellte datenschutzrechtliche Gutachten vorgestellt werden. Dieses bewertet ORCID ausgehend von einer datenschutzrechtlichen Betrachtung und analysiert unterschiedliche Nutzungsszenarien unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten.

Ein weiteres Kernelement der Projektarbeit, das „ORCID-Claiming“ von Publikationen in der Bielefeld Academic Search Engine (BASE), konnte bereits realisiert werden. So können nun Forscherinnen und Forscher ihre in BASE gelisteten Publikationen in vier einfachen Schritten mit ihrer ORCID verbinden. Das Projekt hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, ORCID in bibliothekarischen Standards der Publikationen im deutschsprachigen Raum zu integrieren und die Verbindung mit weiteren internationalen Identifiern zum Beispiel VIAF zu schaffen. Ein wesentlicher Schritt ist hierbei die Verzahnung der ORCID iD mit der Gemeinsame Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek. Seit 2015 können ORCID iDs von GND-Anwenderinnen und -Anwender in GND-Datensätzen erfasst werden. Später soll auch die manuelle Eintragung der ORCID-Kennungen durch die GND-Nutzerinnen und -Nutzer ermöglicht werden. Die weitere Planung sieht vor die Effizienz der Erschließung zu steigern, indem eine eindeutige Identifizierung der Forschenden in ORCID frühzeitig der GND-Community gemeldet wird.

Jenseits von Zeitschriftenartikeln sollen im Rahmen des Projektes weitere Forschungsprodukte, wie zum Beispiel Forschungsdaten und Software mit einer ORCID, verbunden werden. Realisiert wird dieses über die Verlinkung des Digutal Object Identifiers (DOI) des Forschungsproduktes und der über ihre ORCID iD eindeutig identifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit unter anderem mit DataCite e. V., ein Projektpartner im EU-Projekt THOR. Ein wesentlicher Erfolg von THOR ist der automatische Transfer der mit DOI publizierten Forschungsprodukte in das ORCID-Profil der entsprechenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Mehr Informationen hierzu und zu DataCite-DOIs erhalten Sie vom DOI-Service der TIB.

Projektpartner von ORCID DE sind das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, die Deutsche Nationalbibliothek und die Universitätsbibliothek Bielefeld. Das Projekt wurde durch die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) initiiert. Mit ihren vielseitigen Expertisen im Bereich Publikation, Katalogisierung und Identifizierung unterstützen die Partner Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen in Deutschland bei der Implementierung und Vernetzung ihrer Forschungsinformationssysteme mit ORCID. Des Weiteren wird das Projekt diese Aktivitäten koordinieren, um so Synergien zu erzeugen und Doppelarbeiten zu vermeiden. Dabei sollen internationale Standards und bewährte Lösungen aufgegriffen werden. Bisher befinden sich 23 Institutionen als Mitglieder des ORCID-Deutschland-Konsortiums in verschiedenen Phasen des Aufbaus von Forschungsinformationssystemen und der ORCID-Integration.

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Britta Dreyer

... ist Mitarbeiterin im DOI-Service der TIB

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