ORCID und Zeitschriften

Die korrekte Zuordnung von wissenschaftlichen Publikationen zu ihren Autorinnen und Autoren wird für alle Beteiligten (Autorinnen und Autoren und deren Einrichtungen, Verlage, Förderorganisationen) immer wichtiger. Als eindeutiger Identifier etabliert sich gerade ORCID, das in einer Einführung und weiteren Artikeln hier im TIB-Blog bereits vorgestellt wurde.

Eine entscheidende Rolle spielen Fachzeitschriften als wichtigstes Publikationsmedium in den meisten Fachgebieten. Anfang 2016 veröffentlichten mehrere Wissenschaftsverlage einen offenen Brief, in dem sie sich dazu verpflichten, ORCID in die Publikationsworkflows einzubauen und von den verantwortlichen Autorinnen und Autoren ORCID iDs zu verlangen. Die Initiatoren waren eLife, PLOS und The Royal Society. Inzwischen haben sich weitere Verlage der Initiative angeschlossen, Ende 2016 waren es bereits 25, von denen 16 die Forderung nach Angabe der ORCID iD umgesetzt hatten.

Bei der Verwendung der ORCID iD in Zeitschriften geht es um weit mehr, als diese in den Artikeln neben den üblichen Autoreninformationen anzuzeigen. Idealerweise ist ORCID in den gesamten Workflow eingebaut. Die ORCID iD wird dann gleich beim Einreichen eines Artikels abgefragt und nicht erst nachträglich zugeordnet. Autorinnen und Autoren müssen dabei ihre ID nicht von Hand eingeben, sondern können diese über eine Schnittstelle direkt abrufen. In den veröffentlichten Artikeln wird die ORCID iD bei den Autorennamen angezeigt und mit dem ORCID-Profil verlinkt (siehe Abbildung) sowie in die Metadaten aufgenommen. Wenn der Artikel erschienen ist, werden wiederum die Metadaten an ORCID übermittelt und das ORCID-Profil aktualisiert.

Anzeige der ORCID iD in einem Artikel der Zeitschrift eLife (CC BY 4.0)

Naturgemäß werden solche Werkzeuge von Verlagen und Bibliotheken höher geschätzt als von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die darin, insbesondere wenn sie noch keine ORCID iD haben, womöglich eher eine Hürde als einen Vorteil sehen. In der Tat wird die prinzipielle Freiwilligkeit von ORCID durch die Forderung der Verlage ausgehebelt. Allerdings hat ORCID etliche Vorteile gegenüber anderen, nachträglich vergebenen Identifiern wie der von der Deutschen Nationalbibliothek vergebenen GND (Gemeinsame Normdatei) oder der von Thomson Reuters eingeführten ResearcherID. Dadurch, dass die ORCID iD von den Autorinnen und Autoren selbst verwaltet und direkt beim Einreichen eines Artikels angegeben wird, werden Falschzuordnungen minimiert. Der Dienst ist kostenlos und beim eigenen ORCID-Profil kann jeder selbst bestimmen, was angezeigt wird. Und ohne einen gewissen Druck lässt sich die weite Verbreitung vermutlich nicht durchsetzen. In der Tat hat die Anforderung der Verlage zu einem starken Anstieg der ORCID-Registrierungen geführt.

Wenn der Großteil der wissenschaftlichen Publikationen mit den ORCID iDs der Autorinnen und Autoren verknüpft ist, bietet das einen großen Vorteil für wissenschaftliche Einrichtungen, die damit in ihren Forschungsinformationssystemen einen zuverlässige Aufstellung aller Publikationen erhalten, ebenso wie für die einzelnen Forscherinnen und Forscher. Auch für die Bibliometrie und Szientometrie ist es eine große Hilfe, wenn Publikationen ihren Autorinnen und Autoren korrekt zugeordnet werden können. Ein Wermutstropfen ist höchstens, dass ORCID iDs nur eingeschränkt rückwirkend zugeordnet werden. Wenn Personen bereits verstorben sind, ist es gar nicht möglich, diesen eine ORCID iD zuzuteilen. Für die Zukunft lässt aber die Verwendung von ORCID in Zeitschriften einen großen Nutzen für alle am Publikationsprozess Beteiligten erwarten.

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Stefan Schmeja
... arbeitet im Bereich Publikationsdienste der TIB und ist insbesondere für Beratung und Schulungen zum Thema Open Access zuständig.
Stefan Schmeja

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