LawArXiv – weiteres Open-Access-Repositorium für Rechtswissenschaften

Ein Beitrag von Corinna Schneider und Elke Brehm

Mit LawArXiv, einem von einem Konsortium aus Bibliotheken in den USA gegründeten Repositorium, ist neben Opinioiuris und <intR2>Dok nun das dritte Open-Access-Fachrepositorium für juristische Inhalte gestartet. Sensationell (!), denn die Rechtswissenschaften sind bisher hinsichtlich Open-Access-Veröffentlichungen eher zurückhaltend. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Die Preise für Zeitschriften und Bücher sind in diesem Fachgebiet relativ niedrig,
  • namhafte deutsche Verlage bieten noch keine Open-Access-Publikationsmodelle in ihren von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr hoch geschätzten Produkten an,
  • alternative Open-Access-Zeitschriften und andere Modelle existieren für den deutschen Markt meist noch nicht: Im DOAJ (Directory of Open Access Journals) sind von aktuell 9.421 Zeitschriften nur 125 aus dem Gebiet der Rechtswissenschaften und davon tatsächlich nur eine aus Deutschland („Göttingen Journal of International Law“).

Darüber hinaus haben alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefühlt freien Zugang über ihre Institutionen, die die wichtigsten juristischen Datenbanken und Zeitschriften für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie für die Öffentlichkeit vor Ort lizenzieren. In den Rechtswissenschaften wird daher bevorzugt in von Verlagen herausgegebenen Subskriptionszeitschriften oder Monongraphien publiziert, die meist jedoch in erster Linie in Print herausgegeben und daher nur lokal in der Bibliothek verfügbar sind.

Eine Veröffentlichung als Open Access hat jedoch vielfach sehr große Vorteile. Rechtanwältinnen und Rechtsanwälte, beratende Institutionen und Privatpersonen, die in den örtlich vorhandenen Bibliotheken keinen oder nur begrenzten Zugriff auf die große juristische Fachdatenbanken, aufgedruckte Fachliteratur und subskriptionsbasierte Zeitschriften haben, können sich bisher nicht umfassend über den aktuellen Diskussionsstand von Wissenschaft und Praxis zu Rechtsthemen informieren. Durch eine Veröffentlichung von Publikationen im Open Access wäre ein überregionaler Zugriff für Wissenschafterinnen und Wissenschaftler sowie Praktikerinnen und Praktiker außerhalb der Ballungszentren und im Ausland kostenfrei möglich. Dadurch könnten mehr Leserinnen und Leser erreicht und die überregionale, internationale und fachübergreifende wissenschaftliche Kommunikation und damit auch die Reichweite der publizierten Forschungsergebnisse und die Zitationszahlen erhöht werden. Wer zwar zum Beispiel seine Dissertation abschließt, aber keine wissenschaftliche Karriere plant oder die Einrichtung wechselt, profitiert von einer Open-Access-Publikation: Sie ist überregional verfügbar und kann ohne Barrieren zu jeder Zeit von jedem Ort von Interessierten eingesehen werden.

Dies würde die Bibliotheken unterstützen, denn der Publikationsmarkt Rechtswissenschaften ist sehr groß und wächst stetig. Durch sinkende Budgets sind Bibliotheken beim Literaturerwerb gezwungen, strenge Maßstäbe anzulegen und dies kontinuierlich zu prüfen, so dass nicht jeder wissenschaftlich wertvolle Titel erworben werden kann.

Dennoch  haben die meisten Universitäten Open-Access-Resolutionen verabschiedet, die auch für juristische Fachbereiche gelten, siehe hier zum Beispiel die Open-Access-Resolution der Leibniz Universität Hannover. Wenn eine Open-Access-Publikation gewünscht und keine Open-Access-Zeitschrift verfügbar ist, in der alle Artikel unter einer Open-Access-Lizenz bereitgestellt werden, besteht auch die Möglichkeit, Publikationen, die in subskriptionsbasierten Print-Zeitschriften erschienen sind, im Rahmen einer Zweitveröffentlichung frei zugänglich zu machen, wenn dies die rechtlichen Rahmenbedingungen der Erstpublikation erlauben. Dann kann die Manuskriptversion (sogenannte Pre- oder Postprints, also vor oder nach dem Peer Review) über ein disziplinäres oder institutionelles Repositorium veröffentlicht werden. Bei der Einstellung in institutionelle Repositorien – wie es zum Beispiel in den USA Usus ist – muss allerdings bedacht werden, dass diese nicht zentral archiviert werden und die Publikationen somit schwerer auffindbar sind (im Repositorium der Leibniz Universität Hanover gibt es auch Publikationen aus diesem Gebiet: https://www.repo.uni-hannover.de/browse?authority=340&type=subjectddc.

Für Rechtswissenschaften existiert bereits eine Suchmaschine speziell für Open-Access-Publikationen aus den Rechtswissenschaften: http://vifa-recht.de/volltexte/

LawArXiv im Detail

Nachdem der bekannteste Preprint-Server arXiv (für die Bereiche Physik, Mathematik und Informatik) immer weiter wächst und große Erfolge feiert, gingen in den vergangenen Jahren immer weitere fachbezogene Preprint-Server an den Start, wie zum Beispiel im Jahr 2016 SocArXiv, ChemRxiv, engrXiv und PsyArXiv, im Februar 2017 AgrXiv. Nun startete mit LawArXiv am 8. Mai 2017 auch ein nicht-kommerzieller Preprint-Server für die Rechtswissenschaften. Hier wurden seither bereits 188 Artikel veröffentlicht.

Entwickelt wurde LawArXiv von der Legal Information Preservation Alliance (LIPA), dem Mid-American Law Library Consortium (MALLCO), dem NELLCO Law Library Consortium und der Cornell Law Library. Die administrativen Aufgaben übernimmt im laufenden Betrieb die Cornell Law Library, gehostet wird es vom Center for Open Science (COS) mittels des Open Science Framework (OSF). Das Open Science Framework ist eine Open-Source-Plattform, die entwickelt wurde, damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schnelleren Zugang zu neuen Forschungsergebnissen erhalten und Feedback zu ihren eigene Publikationen bekommen, bevor diese in den Fachzeitschriften der Verlage publiziert werden. Mittels des OSF wurden bereits über zwei Millionen Preprints veröffentlicht. Das COS garantiert, alle Daten mindestens 50 Jahre lang zur Verfügung zu stellen. Ein Backup findet täglich statt, zusätzlich werden die Daten an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Medien gespeichert.

Publikationen über LawArXiv veröffentlichen

Das Publizieren über LawArXiv ist kostenlos. Eingestellt werden dürfen alle Pre- und Postprints, an denen die Autorinnen und Autoren die Rechte haben. Wenn die Publikation danach noch in einer Zeitschrift veröffentlicht werden soll, muss das Copyright Agreement geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, damit der Preprint auf LawArXiv zur Verfügung gestellt werden darf. Oft muss zum Beispiel auf Wunsch der Verlage der Zitationsvermerk der Verlagsversion angegeben werden, sobald diese erschienen ist.

Der Vorgang ist denkbar einfach: In LawArXiv mit dem OSF-Account oder der ORCID einloggen und direkt auf „Add a preprint“ klicken, die entsprechende Datei und Fachbereich auswählen, einige Metadaten eingeben, Berechtigungen für die Autoren auswählen, und schließlich über „Share“ absenden. Alle veröffentlichten Beiträge erhalten einen Persistent Identifier. Für Autorinnen und Autoren sind die Downloadzahlen ihrer veröffentlichten Preprints einsehbar.

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Elke Brehm

... ist Fachreferentin für Rechtswissenschaften an der TIB/UB und zuständig für rechtliche Angelegenheiten im Kompetenzzentrum für nicht-textuelle Materialien der TIB

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