Verwendung von ORCID in Forschungsinformationssystemen

Ein Beitrag von Lydia Hahn und Tatiana Walther

Für den Wissenschaftler von heute ist die außenwirksame Präsentation seines Werdegangs, seiner Forschungsaktivitäten und –ergebnisse im Web unabdingbar. Idealerweise sollten diese Informationen unabhängig von der jeweiligen Wirkungsstätte des Wissenschaftlers an einem „sicheren“ Ort im Web, beim minimalen Erfassungsaufwand und Kosten und bei maximaler Sichtbarkeit und Erreichbarkeit gesammelt und präsentiert werden können. Das ORCID-Verzeichnis (Open Research and Contributor ID, siehe auch die Einführung in ORCID hier im Blog) erfüllt zweifelsohne alle diese Kriterien.

Forschungsinformationssysteme als Möglichkeit, forschungsbezogene Aktivitäten einer oder mehrerer Einrichtungen im Web darzustellen, sind groß im Kommen. Nicht zuletzt aufgrund steigender Berichtsanforderungen gegenüber Förderern und Drittmittelgebern.

Die Einrichtungen können dabei einerseits zwischen lizenzpflichtigen und Open-Source-Anwendungen, aber auch zwischen Systemen für die rein institutionsinterne Nutzung oder für die externe Darstellung der Forschungsinformationen wählen. Manchmal entsteht dabei ein Mix aus „internen“ und „externen“ Tools. Für den Wissenschaftler bedeutet dies, dass er im Zweifelsfall mehrere Profile in unterschiedlichen Systemen pflegen muss.  Wird die Datenpflege zentralisiert durchgeführt, zum Beispiel durch eine Forschungsinformationsredaktion, entstehen Hürden einer anderen Art – z. B. das Identifizieren und Auseinanderhalten von gleichnamigen Autoren.

Lässt sich dieser Mehrfachaufwand durch die Verwendung von ORCID reduzieren?

ORCID bietet eine Reihe von Anwendungs-Szenarios zum Sammeln, Anzeigen, Verknüpfen und Synchronisieren von Informationen aus und in Publikations- und Projektdatenbanken, Peer-Review-Systeme, Forschungsinformationssysteme und Profildienste.

ORCID in VIVO

Das Linked-Data-basierte Forschungsinformationssystem VIVO dient der strukturierten Erfassung und Präsentation der forschungsbezogenen Ergebnisse, Aktivitäten und Ereignisse einer Institution im Web. Die Anwendung ist eine Open-Source-Entwicklung der Cornell University Library, USA. Inzwischen ist VIVO weltweit vertreten und wird technisch sowie inhaltlich durch eine stetig wachsende internationale Community unterstützt und weiterentwickelt.

Als Linked-Data-Anwendung ist VIVO darauf ausgerichtet, externe Quellen und persistente Identifier zu nutzen. Einerseits kann man in VIVO ORCID iDs wie auch alle anderen möglichen persistenten Identifikatoren vollständig erfassen, andererseits ist die Anwendung in der Lage, mithilfe von eingebauten Programme-Codes  über eine Schnittstelle mit ORCID zu kommunizieren und Daten auszutauschen. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Die Grundvoraussetzung der ORCID-Integration ist die Mitgliedschaft der VIVO-betreibenden Einrichtung bei ORCID. Ist das gegeben, so kann die VIVO-Instanz bei ORCID als Client-Anwendung mit ihrem Namen, Beschreibung und  URL registriert werden. Sobald die Verbindung der beiden Systeme konfiguriert ist, und die Person ihre ORCID iD bestätigt hat, kann VIVO als externe Applikation im ORCID-Profil der Person genannt werden. Über die ORCID-API können z.B. die Publikationsdaten aus dem ORCID-Profil ins VIVO übernommen werden. Jede weitere Publikation, die die Person zu ihrem ORCID-Profil hinzufügt, wird automatisch im VIVO synchronisiert.

Seit März 2017 lässt die Technische Informationsbibliothek Hannover ihre Forschungsaktivitäten und -ergebnisse in einem auf VIVO basierenden Portal darstellen. Die Datenintegration von ORCID in dieses System ist ebenfalls geplant, sodass die Mitarbeiter, die ihre ORCID-Profile aktiv pflegen, sich bald über die schnelle und einfache Vervollständigung der VIVO-Profile freuen dürfen.

Als wünschenswerte Entwicklung für den bequemen Datenaustausch zwischen beiden Systemen können wir uns den Datentransport auch in die andere Richtung vorstellen, also von VIVO ins ORCID-Profil. Dies würde den Wissenschaftlern den Aufwand ersparen, die Daten, welche bereits im VIVO zentralisiert erfasst sind, noch einmal in ORCID suchen und ergänzen oder gar manuell eintragen zu müssen.

ORCID in Pure

Mit Hilfe des webbasierten Forschungsinformationssystems Pure soll eine verifizierte Datenbasis von Forschungsleistungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover in einem Web-Portal zur Verfügung gestellt werden. Im Mittelpunkt stehen hierbei Metadaten zu Forschungsprojekten, Publikationen, Patenten und Auszeichnungen. Diese können in Zukunft auch für z.B. die Erstellung einer Hochschulbibliografie, eigener Forschungsanträge und Projektberichte genutzt werden. Das Forschungsinformationssystem wird gegenwärtig in einem Projekt, an dem die TIB beteiligt ist, für den Start an der Universität Hannover vorbereitet.

Die Anwendung ist ein Produkt von Atira/Elsevier und wurde bisher über 200-mal weltweit implementiert. Sie wird durch die Nutzer-Community und den Support stetig weiter entwickelt und an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Anwender angepasst.

Eines der Features von Pure ist die Verknüpfung mit ORCID. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LUH mit einem Profil in Pure können dieses auf Wunsch mit ihrem ORCID-Profil verknüpfen oder sogar, falls noch nicht vorhanden, ein neues ORCID-Profil mit wenigen Klicks erstellen. Die Zugehörigkeit zur LUH wird dabei automatisch in ORCID eingetragen. Bereits in Pure erfasste und validierte Daten zu Publikationen oder anderen Forschungsleistungen und Identifiern (z.B. Scopus-ID) werden ebenfalls automatisch ins ORCID-Profil exportiert. Auch der manuelle Datenexport von Pure zu ORCID ist auf Wunsch möglich.

Die Implementierung des ORCID-Exports für die LUH befindet sich zurzeit noch in der Testphase. Das Feature soll voraussichtlich zum Release-Termin von Pure für die Leibniz Universität Hannover voll zur Verfügung stehen. Neben dem Datenexport von Pure zu ORCID ist die Implementierung des Daten-Imports von ORCID zu Pure, die in VIVO bereits möglich ist, für das Jahr 2018 angestrebt. Dieses Feature ist besonders hilfreich für diejenigen, die ihre Publikationen bereits bei ORCID nachgewisen haben und nun ihr Pure-Profil automatisch befüllen möchten.

Fazit

Der automatisierte Import und Export kann die Datenpflege erheblich vereinfachen. Die Kommunikation zwischen VIVO und ORCID sowie PURE und ORCID ist bereits möglich, läuft aber jeweils in eine andere Richtung. Wir würden die Nutzung von ORCID auch parallel zur Erfassung von Daten in Forschungsinformationssystemen jedweder Art sowohl für die Wissenschaftler als auch für die Einrichtungen empfehlen. Wir erhoffen uns dadurch, den reibungslosen Transfer von Forschungsinformationen zwischen verschiedenen Systemen zu ermöglichen.

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Tatiana Walther

... ist als Linked Data Librarian in Open Science Lab der Technischen Informationsbibliothek Hannover tätig und beschäftigt sich mit dem Forschungsinformationssystem VIVO.

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