Neue Open-Access-Policy der TIB

Die Technische Informationsbibliothek hat eine neue Open-Access-Policy (siehe auch TIB-Pressemitteilung dazu). Die Policy unterstreicht die Open-Access-Orientierung der TIB. Sie soll dazu beitragen, den Open-Access-Anteil an Publikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TIB weiter zu erhöhen.

Die TIB engagiert sich bereits seit Längerem für Open Access. Angesichts eines steigenden Publikations- und Forschungsoutputs soll auch bei den Publikationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darauf geachtet
werden, dass diese möglichst gut zugänglich veröffentlicht werden. Dazu ist in der Policy formuliert:

Die Stiftung Technische Informationsbibliothek erwartet von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihre Forschungsergebnisse und Publikationen im Sinne des Open-Access-Prinzips zu veröffentlichen. Dies geschieht möglichst unmittelbar durch Veröffentlichung in Open-Access-Publikationsmedien und – im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten – durch parallele oder schnellstmögliche nachträgliche Zugänglichmachung der Publikationen über Dokumentenserver (Repositorien). Die TIB empfiehlt die Publikation unter einer freien Nutzungslizenz (derzeit Creative Commons Attribution).

Wie in anderen Open-Access-Richtlinien und -Strategien werden hier die zwei verbreiteten Wege, Publikationen frei zugänglich zu machen, angesprochen:

  1. Die unmittelbar frei zugängliche Erstveröffentlichung – in Open-Access-Zeitschriften, als Open-Access-Bücher, auf Dokumentenservern. Dieser Weg unterstützt insbesondere die optimale Nachnutzbarkeit durch freie Lizenzen, unmittelbare Zugänglichkeit etc.
  2. Die möglichst schnelle parallele Bereitstellung (Zweitveröffentlichung) von veröffentlichten Werken auf Repositorien. Dieser Weg ist vereinbar mit nahezu beliebigen (etablierten) Publikationswegen, dafür ist er häufig aufwändiger: Erlaubnisse zur Zweitveröffentlichung müssen individuell geprüft werden. Hier kann zum Beispiel Paragraph 38(4) des Urheberrechtsgesetzes greifen (unabdingbares Zweitverwertungsrecht), aber vor allem auch Regelungen in Allianzlizenzen, pauschale oder invididuelle Erlaubnisse von Verlagen etc. Im Ergebnis hoffen wir, dass die meisten Texte möglichst schnell in Repositorien bereitgestellt werden können, in Einzelfällen wird es aber auch ein Jahr oder länger dauern (und eventuell solche Texte dann aus Open-Access-Anteilsberechnungen herausfallen lassen).

Die Kolleginnen und Kollegen in der TIB werden durch vielfältige Maßnahmen beim Open-Access-Publizieren unterstützt: durch Beratungs- und Schulungsangebote, durch Unterstützung beim Veröffentlichen in Repositorien und durch einen TIB-eigenen Open-Access-Publikationsfonds, der Open-Access-Kosten unter bestimmten Umständen übernimmt (für reine Open-Access-Veröffentlichungen, die unter CC-BY-Lizenz veröffentlicht werden). Die Beratung zu urheberrechtlichen Fragen und zu (auch in der Policy genannten) Möglichkeiten, Verlagsverträge so zu gestalten, dass Zweitveröffentlichungen erleichtert werden, hat besondere Bedeutung. Dabei ist wichtig, die rechtlichen Bedingungen zu kennen und existierende Open-Access-Möglichkeiten zu nutzen und gleichzeitig in jeder einzelnen Vertragsverhandlung genauso wie in unseren Lizenzverhandlungen darauf zu drängen, die Open-Access-Möglichkeiten auszuweiten.

Die Policy enthält darüber hinaus eine Auflistung weiterer Open-Access-Maßnahmen der TIB – schließlich spielt Open Access eine wichtige Rolle in der Strategie der TIB, wobei wir uns darum bemühen, dass die verschiedenen Maßnahmen gut zusammenwirken und auf eine vernünftige, an den Bedarfen der Wissenschaft und an Nachhaltigkeit ausgerichtete Open-Access-Transformation hinwirken.

Der Wissenschaftliche Beirat der TIB hat in seiner letzten Sitzung die Umsetzung der Open-Access-Policy empfohlen. Die TIB wird die Umsetzung der Policy regelmäßig evaluieren. Dazu werden die Publikationen und ihr Open-Access-Anteil analysiert und die Unterstützungsinstrumente überprüft und ggf. angepasst.

Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft folgt die TIB mit der Open-Access-Policy auch der strategischen Ausrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Diese hat sich zu Open Access als künftigem Standard wissenschaftlichen Publizierens und einer Transformation des Publikationswesens zu Open Access bekannt. Die Open-Access-Policy der TIB basiert in weiten Teilen auf einer Musterpolicy, die im Arbeitskreis Open Access der Leibniz-Gemeinschaft erarbeitet wurde und die bereits Grundlage vieler entsprechender Richtlinien in Leibniz-Instituten geworden ist.

Durch eine verstärkte Ausrichtung auf Open Access wird sich die Sichtbarkeit der von TIB-Kolleginnen und -Kollegen publizierten Forschungsergebnisse weiter erhöhen. Die einfachere Zugänglichkeit erleichtert die Rezeption und Nutzung durch alle Interessierten, ob sie sich nun in Wissenschaft, Wirtschaft oder als unabhängig Forschende oder Interessierte mit den Publikationen beschäftigen möchten. Insofern leistet die Policy auch einen Beitrag zur erhöhten Transparenz und gesellschaftlichen Verantwortung.

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Marco Tullney

... leitet den Bereich Publikationsdienste der TIB und koordiniert deren Open-Access-Aktivitäten.

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