Community-Workshop des Fachinformationsdienstes (FID) Mathematik

Am 22. November 2016 fand im Werkhof in Hannover ein Workshop des Fachinformationsdienstes Mathematik statt, der die Wünsche und Anforderungen der Fachwelt an einen solchen Service zum Thema hatte.

Als Gastreferenten waren Prof. Dr. Klaus Hulek als Chefredakteur des Zentralblattes Mathematik (zbMATH), Prof. Dr. Stephan Klaus vom Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) sowie Prof. Dr. Volker Bach als derzeitiger Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) eingeladen, die über die Wünsche der Mathematiker und derzeitige Entwicklungen jeweils aus dem Blickwinkel ihrer eigenen Institution berichteten. Zudem stellte Dr. Mohab Abou-Zeid von der SUB Göttingen Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage in der Community vor und Marco Tullney von der TIB präsentierte das Open-Access-Modell MathOA.

Open Access war ein wichtiges Thema des Workshops, das in allen Vorträgen angesprochen wurde. Demnach bestehe in der Fachwelt der Wunsch nach einem möglichst umfassenden Zugriff auf Volltexte. Eine zu vehemente Fokussierung auf Open Access könnte aber junge Wissenschaftler, welche zur Förderung ihrer Karriere in den besten Zeitschriften veröffentlichen müssen, vor Probleme stellen, denn diese sind meistens keine Open-Access-Journale. Hierbei ist das Projekt MathOA hervorzuheben, das nach dem Vorbild LingOA anerkannte Fachzeitschriften zum Umstieg auf Open Access gewinnen und eine faire Finanzierung der Publikationen durch einen gemeinsamen Fonds sichern will, in den die beteiligten Institutionen jeweils einzahlen. Das von hybriden Open-Access-Journalen praktizierte Modell, einzelne Artikel gegen eine entsprechende Bezahlung frei zu veröffentlichen, stößt wegen der Doppelbezahlung dagegen auf Kritik.

Für den Zugang zu Fachzeitschriften, die nicht über Open Access zur Verfügung stehen, werden Nationallizenzen bevorzugt, die von Konsortien ausgehandelt werden. Dabei wurde auch das Projekt DEAL erwähnt, das die Verhandlung einer solchen Lizenz zunächst mit Elsevier, danach auch mit Springer und Wiley zum Ziel hat.

Ein weiteres wichtiges Thema war der langfristige Zugriff auf elektronische Zeitschriften und andere Informationen, die nur in elektronischer Form vorliegen. In der Fachwelt besteht die Sorge, dass man irgendwann vom Zugriff auf elektronische Ressourcen kommerzieller Anbieter abgeschnitten sein könnte, wenn diese Inhalte nicht auch noch an anderer Stelle archiviert würden. So wäre der Aufbau eines bundesweiten Archivs für elektronische Zeitschriften sehr wünschenswert. Ungeachtet dessen bevorzugen die Mathematiker mehrheitlich elektronische Zeitschriften wegen der einfachen Verfügbarkeit über das Internet und die Möglichkeit der gezielten Suche. Einen weiteren Vorteil bildet eine direkte Verlinkung zwischen referenzierenden und referenzierten Dokumenten, dieses ist zurzeit aber noch ausbaufähig.

Bücher und insbesondere Lehrbücher werden dagegen weiterhin vorwiegend als gedruckte Ausgabe gewünscht und eine elektronische Version wird als Ergänzung, aber nicht unbedingt als gleichwertiger Ersatz gesehen. Dieses wurde von verschiedenen Teilnehmern herausgestellt und war zudem ein Ergebnis von zwei unabhängigen Umfragen des mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach und des Fachinformationsdienstes Mathematik.

Neben den herkömmlichen Medien besteht in der Fachwelt auch Bedarf an Informationen über mathematische Software, wie sie beispielsweise der Dienst swMATH bereitstellt, sowie an Repositorien für Forschungsdaten. Eine Idee dabei ist es, mit diesen Daten oder dieser Software verbundene wissenschaftliche Ergebnisse besser nachvollziehen oder nachnutzen zu können oder eine Überprüfung derselben zu ermöglichen. Von der Fachwelt werden außerdem Digitalisate alter Schriften begrüßt. Videos oder Filme scheinen aktuell aber keine so große Rolle für die Wissenschaftler zu haben.

Für den Fachinformationsdienst Mathematik lässt sich daraus folgendes ableiten:

Bei elektronischen Zeitschriften stellen Open Access oder die Verhandlung von Nationallizenzen die wichtigsten Wünsche dar, um eine entsprechende Literaturversorgung unabhängig von Ort und Zeit zu gewährleisten. Dabei gilt es aber, umsichtig zu sein, um Nachwuchswissenschaftlern keine zusätzlichen Hürden zu schaffen. Neben der Informationsbereitstellung ist auch die Archivierung und Sicherung des zukünftigen Zugriffs ein wichtiges Thema. Zusätzlich sollten auch weitergehende Informationen zu Veröffentlichungen gegeben sein, wie die zugehörigen Forschungsdaten, verwendete Software oder die Verknüpfung mit Referenzen. Daneben erscheint es auch angebracht, dass die Digitalisierung alter Manuskripte weitergeführt wird, um diese im Internet zur Verfügung zu stellen. Bei einem Bedarf an speziellen Fachbüchern sollten diese zudem zentral beschafft werden können.

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Gerrit Grenzebach

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