SocArXiv – ein Preprint-Server für die Sozialwissenschaften

Nach dem überragenden Erfolg des größten und bekanntesten Dokumentenservers arXiv, der für die Bereiche Physik, Mathematik und Informatik bereits als die zentrale Anlaufstelle für den freien Zugang zu aktueller wissenschaftlicher Information fungiert, gibt es mit dem neu gegründeten SocArXiv nun auch für alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen die Möglichkeit, eine schnelle und unkomplizierte Veröffentlichung von Forschungsergebnissen auf einer Open-Access-Plattform zu realisieren.

Das von Soziologen, Bibliothekaren und Open-Science-Experten entwickelte und an der Universität von Maryland betreute SocArXiv bietet damit ähnlich wie sein großes Vorbild ebenfalls eine freie, kostenlose und gemeinnützige Alternative zu allen kommerziellen Anbietern. So wird mit der Bereitstellung des Dokumentenservers zugleich ein deutliches Zeichen gegen die zunehmende Privatisierung wissenschaftlicher Forschungsinfrastrukturen gesetzt, die jüngst durch die Übernahme des führenden sozialwissenschaftlichen Preprint-Servers Social Science Research Network (SSRN) durch Elsevier, einem der größten Wissenschaftsverlage weltweit, für großes Aufsehen in der Fachcommunity gesorgt hatte. Philip Cohen, Soziologie-Professor an der University of Maryland und Direktor von SocArXiv, sieht in dieser Entwicklung Tendenzen, die den neutralen Interessen der Sozialwissenschaften widerstreiten und hofft durch ein nicht auf Gewinnorientierung ausgerichtetes Angebot, die sozialwissenschaftliche Forschung besser, schneller und transparenter gestalten zu können. Hierfür soll der Zugang zu Forschungsinhalten maximiert, verschiedene Interessen besser vernetzt und insgesamt die Qualität des wissenschaftlichen Outputs verbessert werden. Cohen glaubt fest, dass dies durch SocArXiv gelingen wird: „We are building the future of social science scholarly communication.“

Die Nutzung des Dokumentenservers, der sich derzeit noch in einer Pilotphase befindet und daher zunächst im Rahmen eines temporären Webauftritts gestaltet wurde, ist denkbar einfach. Alle sozialwissenschaftlichen Daten und Dokumente, wie beispielsweise Arbeits- oder Konferenzpapiere, Statistiken, Essays oder auch jedes andere Forschungsprodukt, können – sofern das Recht zur Veröffentlichung vorhanden ist – schnell und unkompliziert bei SocArXiv eingestellt werden. Hierfür ist lediglich eine einfache E-Mail an socarxiv-preprint@osf.io erforderlich. Diese sollte neben dem einzureichenden Beitrag im Anhang der E-Mail ebenso den Titel des Papers in der Betreffzeile sowie ein kurzes Abstract im Textfeld der Nachricht enthalten. Daraufhin wird automatisch ein Account im Open Science Framework (OSF) generiert und der Beitrag auf der temporären Website https://osf.io/view/socarxiv/ hochgeladen und archiviert, wo er frei und kostenlos für alle Leser zur Verfügung gestellt wird. Alle auf der Plattform eingestellten Beiträge erhalten zudem einen Persistent Identifier, der die Dokumente für andere Wissenschaftler zitierbar macht und zugleich gewährleistet, dass die Urheberschaft des Autors eindeutig verifiziert ist.

socarxiv

Durch eine Partnerschaft des SocArXiv mit dem Center for Open Science (COS) wurde zugleich der Grundstein für die Integration weiterer innovativer Open-Access-Tools gelegt. So ist neben der Einführung von Peer-Review-Optionen, die die Möglichkeit bieten sollen, den eigenen Beitrag für Kommentare und Diskussionen zu öffnen, ebenso die aktive Unterstützung von Projekt-Kollaborationen angedacht, indem durch die Einführung von Tagging-Funktionen die Beiträge verschiedener Autoren miteinander verknüpft werden können. Die Vergabe von Schlagwörtern und Tags dient dabei nicht nur der effektiveren Organisation von Schlüsselideen, sondern soll gewährleisten, dass durch die Verwendung desselben Tags durch verschiedene Autoren, die einzelnen Forscher und ihre Arbeit zusammengebracht und damit die Bildung von wissenschaftlichen Netzwerken gefördert wird.

Seit der Einführung von SocArXiv im Juli 2016 bietet der temporäre Dokumentenserver bereits Zugang zu mehr als 300 Papers der verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Der Launch der Full Site mit neuen Tools und erweiterten Suchmöglichkeiten soll laut einer Ankündigung im Blog des SocArXiv demnächst nachfolgen – es wird spannend sein zu sehen, wie dieses Projekt die sozialwissenschaftliche Forschungslandschaft zukünftig bereichern wird.

Quellen:

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Susanne Schilling

ist Fachreferentin für Sozialwissenschaften, Geschichte und Religionswissenschaft an der Technischen Informationsbibliothek (TIB)

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