TPDL-Workshop über Produktion, Verbreitung, Teilen und Einsatz von wissenschaftlichen Videos

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Im Rahmen der Konferenz „Theory and Practice of Digital Libraries“ fand am 8. September 2016 der Workshop „Videos in Digital Libraries: What’s in it for Libraries, Publishers and Scientists?“ im Hannover Congress Centrum statt. Der Workshop wurde von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) gemeinsam mit dem CERN und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) organisiert.

James P. Dacey

James P. Dacey eröffnete den Workshop.

Ziel des Workshops war es, eine Diskussion über Einsatz und Potenzial von Videos als eine Methode der wissenschaftlichen Kommunikation anzuregen. Der Workshop richtete sich an Forscher, Wissenschaftsvermittler, Verlage und Bibliotheken. Die Teilnehmer debattierten über Anreize der Videoproduktion für Wissenschaftler sowie über Prozesse der Produktion und Verbreitung, des Teilens und Einsatzes von wissenschaftlichen Videos.

James P. Dacey (IOP Publishing) eröffnete den Workshop mit dem Vortrag „Embracing Videos in Scholarly Publishing: The IOP Publishing Experience“. Dacey gab einen Überblick über den Einsatz von Videos beim Verlag IOP Publishing. Er berichtete, dass viele Wissenschaftler, Wissenschaftsjournalisten und Blogger Web-Videos sehr schätzten, da sie damit zusätzliche Communities erreichen könnten. Videos eröffneten, so Dacey, neue Möglichkeiten, um wissenschaftliche Storys in visueller und leicht zugänglicher Form zu erzählen. Dabei würden Videos einen wertvollen Einblick in den wissenschaftlichen Prozess und das Berufsleben von Wissenschaftlern geben.

Thilo Körkel (Spektrum der Wissenschaft) stellte in dem Vortrag „Journalistic Curation of Science Videos“ das Webportal SciViews vor, das vom Verlagshaus „Spektrum der Wissenschaft“ betrieben wird und sich auf das Kuratieren populärwissenschaftlicher Videos konzentriert. Wie Körkel erläuterte, wählten die Redakteure von SciViews auf der Basis journalistischer Kriterien Videos aus verschiedenen Quellen aus. Sie beauftragten Wissenschaftsjournalisten, kurze Rezensionen zu schreiben, und veröffentlichten die Videos auf der Webseite. Die Heterogenität der im Netz gefundenen wissenschaftlichen Videos sei hoch. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit SciViews würden zeigen, dass Videos eine große Bereicherung für die Wissenschaftskommunikation seien, aber oft journalistische Qualität vermissen ließen und für sich genommen häufig schwache Informationsquellen darstellten.

Xenia van Edig

Xenia van Edig berichtete von der erfolgreichen Kooperation zwischen Copernicus und TIB.

Xenia van Edig (Copernicus Publications) berichtete in dem Vortrag „Video Abstracts and Video Supplements to Scientific Articles: Experiences from Copernicus Publications“ von der erfolgreichen Kooperation zwischen Copernicus und TIB. Die Autoren von Copernicus haben die Möglichkeit, Video Abstracts im AV-Portal der TIB hochzuladen und mit wissenschaftlichen Artikeln auf der Copernicus-Webseite zu verlinken. Die TIB hostet die Videos im AV-Portal, vergibt DOIs für die permanente Referenzierbarkeit und kümmert sich um Langzeitarchivierung sowie Lizenzierung. YouTube sei laut van Edig keine angemessene Plattform für wissenschaftliche Videos als Begleitmaterialien oder Video Abstracts, da es keine Langzeitverfügbarkeit, Lizenzierung und angemessene Zitierbarkeit der audiovisuellen Medien biete. Auch ermögliche YouTube keine systematische Rückverlinkung auf andere Portale.

Tilman Scheel

Tilman Scheel stellte das AVA-Projekt vor.

Tilman Scheel (Reelport GmbH) stellte in dem Vortrag „Videos in Public Libraries: New Models of Collaboration in Europe“ das AVA-Projekt vor, das vom MEDIA-Programm der Europäischen Union gefördert wird. AVA hat zum Ziel, eine neue Infrastruktur für den Zugang zu Filminhalten zu etablieren. Die Kooperationspartner des Projektes sind große Filmfestivals, die Filme auswählen, kuratieren und Rechte klären; öffentliche Bibliotheken, die diese Filme vorführen; und der Service-Anbieter PicturePipe der Reelport GmbH, der die Video-on-Demand-Technologie bereitstellt. In dem Vortrag erörterte Scheel ausführlich den Workflow des Projektes.

Oliver Karras (Software-Engineering-Gruppe, Leibniz Universität Hannover) präsentierte unter dem Titel „Enrichment of Requirements Specifications with Videos: Enhancing the Comprehensibility of Textual Requirements“ die Idee, Software-Spezifikationen mithilfe von Videos leichter verständlich zu machen. Karras definierte in dem Vortrag fünf Richtlinien, mit deren Hilfe Inhalte von Spezifikationen identifiziert werden könnten, die für eine Visualisierung durch Videos geeignet seien. Er erörterte die Perspektiven, Vorteile und Hindernisse, die zutage treten, wenn textuelle Spezifikationen mithilfe von Videos veranschaulicht werden.

Attila Dávid Molnár

Attila Dávid Molnár stellte die Dienstleistungen von Filmjungle vor.

Attila Dávid Molnár (Filmjungle Society) stellte in dem Vortrag „How to Turn an Abstract into a Video Abstract“ die Dienstleistungen der Produktionsfirma Filmjungle vor. Er und seine Kollegen vermitteln Wissenschaftlern und Studenten, wie sie selbst Video Abstracts als Zusatzmaterial zu ihren wissenschaftlichen Artikeln produzieren können. Die Video Abstracts könnten dabei, so Molnár, ein breiteres und auch ganz neues Publikum erreichen. Molnár berichtete von seinen Erfahrungen, die er mit seinen Workshops in Ungarn und Deutschland (unter anderem an der TIB) gemacht hatte.

 

Die einzelnen Beiträge der Autoren finden Sie auf der Webseite des Workshops „Videos in Digital Libraries: What’s in it for Libraries, Publishers and Scientists?“. Die aufgezeichneten Vorträge können Sie im AV-Portal der TIB kostenlos anschauen, herunterladen und über DOI zitieren.

Ich empfand den Workshop als sehr gelungen, was nicht zuletzt an den sehr engagierten Vortragenden lag. Unmittelbar im Anschluss an den Workshop standen Networking und eine Live-Präsentation des AV-Portals im Mittelpunkt. Herzlich bedanken möchte ich mich bei Herrn Philipp Störtenbecker von der Elsa für die Aufzeichnung des Workshops.

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