Open Access in den Literatur- und Sprachwissenschaften

Was ist Open Access überhaupt?

Open Access meint, dass Fachliteratur ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren frei im Internet zugänglich sein sollte und somit auf legale Weise Volltexte gelesen, heruntergeladen, kopiert, verteilt und gedruckt werden können. Einzige Bedingung ist die Anerkennung der Rechte und das Zitieren der Autoren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Forschungsliteratur ist frei zugänglich; Wissen wird weltweit verbreitet und sichtbar; durch die Online-Bereitstellung wird der wissenschaftliche Kommunikationsprozess beschleunigt und es kann überall zügig auf aktuelle Fachliteratur zugegriffen werden. Die elektronische Publikation ermöglicht den Nachweis und die Erschließung der Literatur durch Suchmaschinen und Datenbanken und trägt so wiederum zu einer größeren Sichtbarkeit der Forschung bei. Und schließlich bleibt die so veröffentlichte Fachliteratur auf Archivservern und in Repositorien langfristig archiviert und verfügbar.

Grundsätzlich lassen sich zwei Ausprägungen von Open Access unterscheiden. Der goldene Weg des Open Access meint die Erstveröffentlichung von qualitätsgesicherter Fachliteratur in einem Open-Access-Format. Verschiedene Finanzierungsmodelle, oft werden sogenannte Article Processing Charges erhoben, stellen die Kostenfreiheit für den Nutzer sicher. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Leibniz Universität Hannover erhalten über den an der TIB betreuten Publikationsfonds Unterstützung bei der Finanzierung ihrer Forschungsveröffentlichungen.

Bereits in einem traditionellen Format publizierte Literatur kann ebenfalls Open Access veröffentlicht werden. Dies ist der grüne Weg des Open Access und meint in der Regel die Archivierung von Closed-Access-Publikationen auf frei zugänglichen institutionellen oder fachlichen Repositorien. Für den grünen Weg muss grundsätzlich geklärt werden, ob und in welcher Form von einem Zweitveröffentlichungsrecht Gebrauch gemacht werden kann. Hierbei hilft die SHERPA/RoMEO-Liste, die die Open-Access-Policies wissenschaftlicher Zeitschriftenverlage verzeichnet und mit einem Farbcode Aufschluss darüber gibt, welche Verlage welche Zweitveröffentlichungsrechte erlauben, etwa das Ablegen eines Preprints oder der Verlagsversion, und auch, ob Embargofristen einzuhalten sind. Die TIB unterstützt hier Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bei der Zweitveröffentlichung in dem Institutionellen Repositorium der Leibniz Universität Hannover. Derzeit sind 36 Veröffentlichungen der Philosophischen Fakultät in dem Repositorium hinterlegt und decken 12 Prozent des Gesamtbestandes ab. Damit liegt die Philosophische Fakultät in der Rangliste hinter der Naturwissenschaftlichen Fakultät (163) und der Fakultät für Mathematik und Physik (49) auf Rang 3.

Open Access in den Literatur- und Sprachwissenschaften

Open Access verbreitet sich in den Literatur- und Sprachwissenschaften vergleichsweise langsam. Diese geringe Durchschlagkraft lässt sich vor allem mit der geisteswissenschaftlichen Tradition und der – im Vergleich zu den Natur- und Lebenswissenschaften – unterschiedlichen Publikationskultur begründen. Während in den Natur- und Lebenswissenschaften die Publikation von Artikeln im Vordergrund steht, so ist der „Goldstandard“ in den Geisteswissenschaften die Monographie, die als Langform mit argumentatorischer Tiefe und einem langen Rezeptionszeitraum einhergeht. Wenige gute Beispiele für Open-Access-Publikationen in den Geisteswissenschaften hemmen den Fortschritt und unterstreichen die Skepsis gegenüber dieser Publikationsform. Insbesondere spielen Qualitätssicherung, wissenschaftliche Reputation und auch Möglichkeiten der Referenzierbarkeit, aber auch die Finanzierung über Autorengebühren eine große Rolle.

Dennoch gibt es bereits etablierte Open-Access-Publikationen in den Geisteswissenschaften. Zu nennen ist hier beispielsweise IASLonline, eine kostenfreie elektronische peer-reviewed Zeitschrift der Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft, die aus dem gedruckten Internationalen Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur hervorgegangen ist. Bereits seit 1998 werden Rezensionen elektronisch zur Verfügung gestellt, konkret mit dem Ziel, den Prozess der Besprechungen von Printpublikationen zu verkürzen. Seit 2007 werden nun auch Aufsätze in IASLonline veröffentlicht. Ein weiteres Beispiel ist die seit 2009 als reine Open-Access-Publikation erscheinende Textpraxis: Digitales Journal für Philologie, ein Projekt von Promovierenden der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die sich dem Open-Access-Gedanken verschrieben hat und darüber hinaus keine Autorengebühren erhebt. Und schließlich ist auch die im Januar 2013 als Netzwerk von Wissenschaftlern begonnene Plattform Open Library of Humanities zu nennen. Im September 2015 gingen die ersten sieben Open-Access-Publikationen online, darunter das Megajournal Open Library of Humanities, in dem sprachübergreifend und interdisziplinär Forschungsergebnisse aus den Geisteswissenschaften publiziert werden. Wie auch für Textpraxis werden für die Publikationen der Plattform OLH keine Autorengebühren verlangt; finanziert wird das Modell über Konsortialzahlungen von Bibliotheken sowie Fördermittel der Andrew W. Mellon Foundation.

Während die Publikation nach Open-Access-Maßstäben besonders gut zu Artikeln zu passen scheint, zeigen der in Berlin ansässige Verlag Language Science Press sowie heiBOOKS der Universität Heidelberg, dass dies auch für Monographien möglich ist. Diese beiden Projekte gehen auf die Fördermaßnahme „Wissenschaftliche Monographien und monographische Serien im Open Access“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zurück, die – wie in dem Positionspapier „Die digitale Transformation weiter gestalten“ von 2012 gefordert – unter anderem die Publikation von Open-Access-Monographien in den „buchaffinen Fachgebieten“ fördert.

Wie finde ich Open-Access-Content in den Literatur- und Sprachwissenschaften?

Eine Übersicht über hochwertige und peer-reviewed Open-Access-Zeitschriften bietet das Directory of Open Access Journals (DOAJ). Ziel des Verzeichnisses ist es, eine umfassende Liste aller wissenschaftlichen Open-Access-Zeitschriften zu präsentieren, die strengen Kriterien nach Transparenz und Best Practice genügen, und die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit wissenschaftlicher Publikationen zu erhöhen. Für Science Europe gehört die Aufnahme in das Verzeichnis zu den Mindestanforderungen, Open-Access-Publikationen zu fördern. Derzeit sind über 8.800 hochwertige und wissenschaftliche peer-reviewed Open-Access-Zeitschriften und ihre Metadaten im DOAJ verzeichnet, davon decken jedoch gerade einmal 121 sprach- und literaturwissenschaftliche Open-Access-Zeitschriften die an der Leibniz Universität relevanten Fächer ab.

Das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) verzeichnet Open-Access-Repositorien, die nach geografischen, fachlichen oder sprachlichen Kriterien gefiltert werden können. OpenDOAR verzeichnet derzeit weltweit 142 Repositorien, die in den Bereich Literatur- und Sprachwissenschaften fallen, darunter zahlreiche universitäre Repositorien die ein breites Fächerspektrum abdecken.

Das Directory of Open Access Books (DOAB) zeigt, dass der grüne Weg auch für traditionelle Buchpublikationen möglich ist. DOAB bietet ein Verzeichnis frei zugänglicher und qualitätsgeprüfter Open-Access-Monographien; 488 Open-Access-Monographien sind derzeit für Literatur- und Sprachwissenschaften gelistet. Ziel ist es nicht nur ein Verzeichnis von Open-Access-Monographien zu erstellen, sondern auch ein Verzeichnis von Open-Access-Verlagen. Mit der OAPEN Library existiert zudem ein Repositorium für Open-Access-Monographien, das über 330 sprach- und literaturwissenschaftliche Open-Access-Monographien verzeichnet.

Einen guten Überblick über Open Access in den Geisteswissenschaften bietet Martin Paul Eve, Open Access and the Humanities: Contexts, Controversies and the Future, Cambridge: Cambridge University Press, 2014, http://dx.doi.org/10.1017/CBO9781316161012.

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Sandra Simon

... ist Referendarin an der TIB.

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