Wie finde ich eine passende Open-Access-Zeitschrift?

Meine Arbeit im Labor, am Rechner, in der Bibliothek hat endlich Früchte getragen, die Forschungsergebnisse müssen nun – Stichwort „publish or perish“ – publiziert werden. Aber wo?

In einer Zeitschrift, die in meinem Fachgebiet als renommiert gilt, wäre eine naheliegende Antwort, in einer Zeitschrift, die einen hohen Impact Factor aufweist, werden die sagen, die glauben, wissenschaftliche Qualität in einfachen Zahlen messen zu können. Oft – und oft läuft das auch aufs Gleiche hinaus – wird man auch einfach da publizieren, wo es die anderen machen oder wo es die Betreuerin, der Betreuer vorschlägt.

Was aber, wenn ich meine Ergebnisse in einer Open-Access-Zeitschrift veröffentlichen möchte, sei es, weil es der Geldgeber meines Projektes (DFG, EU, BMBF…) vorschreibt, sei es – und das wäre der wünschenswerte Fall – weil ich selbst davon überzeugt bin, dass der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information sinnvoll und wichtig ist? 

In manchen Fächern, etwa in den Lebenswissenschaften, gibt es Open-Access-Zeitschriften, die den herkömmlichen Abo-Zeitschriften an Renommee und Impact Factor nicht oder kaum nachstehen, da wird die Antwort also ähnlich lauten wie oben. In anderen Fächern wiederum sind Open-Access-Zeitschriften weniger etabliert, und man wird selbst eine passende Zeitschrift finden müssen.

Erster Anlaufpunkt sollte das Directory of Open Access Journals (DOAJ) sein, das 2003 an der Universität Lund ins Leben gerufen wurde und mittlerweile über 10.000 Open-Access-Zeitschriften mit Peer Review oder vergleichbarer Qualitätssicherung auflistet. Es bietet auch Informationen über die Höhe der article processing charges (APCs) und die verwendeten Lizenzen und findet in vielen Zeitschriften auch Artikel.

Eine Art interaktive Version des DOAJ bietet der Journal Selector. Mit zahlreichen Auswahlmöglichkeiten nach Fachgebiet, Art des Peer Review, gewünschter Lizenz, Höhe der APCs und anderem kann man die passende Zeitschrift finden – zumindest theoretisch. Auch wenn die meisten Fragen die Option „don’t mind“ enthalten, die auch als Standard voreingestellt ist, machen es die zig Auswahlmöglichkeiten etwas unübersichtlich, schwerwiegender ist allerdings, dass der Journal Selector gerade einmal 96 Zeitschriften aus dem naturwissenschaftlichen Bereich enthält. Das Suchergebnis wird in vielen Fällen also gleich null sein. Der Journal Selector ist derzeit also mehr eine nette Spielerei als eine Hilfe und es wird einem nicht erspart bleiben, sich selbst ein Bild zu machen.

Einen Hinweis, ob eine Zeitschrift als seriös einzuschätzen ist, bietet die Mitgliedschaft des Verlags in der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA), die ihren Mitgliedern einen Verhaltenscodex vorschreibt. Bei Zeitschriften, die weder im DOAJ noch bei der OASPA aufscheinen, ist eine gewisse Skepsis angebracht. Wie bei herkömmlichen Zeitschriften gibt es auch im Open-Access-Bereich Verlage, die mehr an den Einnahmen durch Abonnements oder APCs als an wissenschaftlicher Qualität interessiert sind.

Was aber, wenn sich partout keine geeignete Open-Access-Zeitschrift finden lässt? Dann bleibt in vielen Fällen immer noch die Möglichkeit, den sogenannten „grünen Weg“ des Open Access zu beschreiten, also das Manuskript bei einer konventionellen Abo-Zeitschrift einzureichen, aber auch möglichst zeitnah bei einem fachlichen oder institutionellen Repositorium einzustellen. Diese Zweitveröffentlichung ist oft durch den mit dem Verlag abgeschlossenen Lizenzvertrag gestattet (manchmal mit Embargofrist oder anderen Einschränkungen), unter bestimmten, relativ restriktiven Bedingungen auch durch eine neue Regelung im deutschen Urheberrecht. Ob es von Verlagsseite gestattet ist, muss im Einzelfall der Lizenzvereinbarung entnommen werden, einen allgemeinen Überblick über die diesbezügliche Politik der Verlage gibt es in der Datenbank SHERPA/RoMEO.

In der Physik, Mathematik und Informatik ist das seit Jahren gängige Praxis, dort spielt der arXiv-Preprintserver mittlerweile eine unverzichtbare Rolle. Ähnliches leistet PubMed Central für die Medizin und Lebenswissenschaften. Für Mitglieder der Leibniz Universität Hannover steht ab diesem Herbst das institutionelle Repositorium zur Verfügung, in dem anderswo erschienene Publikationen, aber auch Originalbeiträge frei zugänglich und für Autor/innen wie Leser/innen kostenlos veröffentlicht werden können.

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... arbeitet im Bereich Publikationsdienste der TIB und ist insbesondere für Beratung und Schulungen zum Thema Open Access zuständig.

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3 Gedanken zu „Wie finde ich eine passende Open-Access-Zeitschrift?

  1. Guter Beitrag. Drei wichtige Faktoren für die eigene Entscheidung sollten aber noch hervorgehoben werden:
    1. Es sollten Zeitschriften bevorzugt werden, die eine weitestgehend offene Open-Access-Lizenz mit Nennung des Autors anbieten, also CC-BY 4.0. Andere Lizenzen, wie zB „NC“ (non-commercial) klingen zwar gut, helfen aber nur dem Verlag, nicht dem Autor. Nicht umsonst sprechen sich Institutionen wie MPDL für CC-BY aus.
    2. Zeitschriften, die sowohl Open Access für einzelne Artikel erlauben (wenn der Autor oder seine Institution zahlt), aber ansonsten „normal“ nur für Subskribenten lesbar sind – sogenannte „Hybrid-Zeitschriften“ – sollten aufgrund des „Double Dipping“ gemieden werden: Verlage verdienen auf diese Weise doppelt an den in der Regel schon ohnehin sehr teuren Zeitschriftenartikeln.
    3. Die Kosten! Es ist kaum akzeptabel, mehrere Tausend Euro für einen Artikel als APC zu zahlen. Die DFG „kappt“ daher ihre Zuschüsse bei 2.000 EUR, teurere APC werden gar nicht gefördert. Tipp: Fragen Sie die Bibliothek Ihres Instituts nach der DFG-Förderung, denn nur sie kann diese Open-Access-Förderung beantragen (und muss 25% beisteuern) – die Mittel werden nur zögerlich abgerufen, weil Wissenschaftler zu wenig Bescheid wissen und Bibliotheken bei der Beantragung der Förderung sich offenbar zurückhalten…

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