… und wo ist das E-Book dazu?

Hm, da ist ein Buch viermal vorgemerkt, und wir haben es auch als E-Book – ob wir mal die Nutzer per E-Mail informieren sollten? Vielleicht haben sie ja das E-Book nicht gefunden – oder wollen sie wirklich ausschließlich das gedruckte Buch?

Über diese Fragen haben wir kürzlich im Kreise der ReferentInnen diskutiert. Im Ende kamen wir zum Schluss, dass wir tatsächlich nicht wissen, was Nutzer und Nutzerinnen dazu bewegt, ein Buch mit langen Wartezeiten vormerken zu lassen, wenn parallel das E-Book verfügbar ist, wir aber davon ausgehen müssen, dass die Vormerkungen kein Versehen, sondern eine bewusste Entscheidung sind. Eine E-Mail mit Hinweis auf das E-Book wäre dann wohl nicht willkommen. 

Da Bibliothekarinnen und Bibliothekare aber unter einem chronischen Helfersyndrom leiden, und sie die Vorstellung, dass jemand lange auf das gedruckte Exemplar warten könnte, nur weil er oder sie die elektronische Version des Buches übersehen hat, einfach nicht ertragen können, kam die Idee zu diesem Blog-Beitrag.

Für uns sind die E-Books zunächst nicht mehr und nicht weniger als eine weitere Manifestation der enthaltenen Inhalte, die auch in unserem Katalog nachgewiesen werden sollte. Ganz klar ist, dass sowohl das gedruckte Buch als auch sein elektronisches Äquivalent Vor- und Nachteile haben. Wann welche Form sinnvoller ist, hängt stark von den Inhalten und Nutzungsszenarien ab. Nur ein paar Beispiele:

  • Wenn ein gedrucktes Buch verliehen ist, kann es von anderen Nutzern nicht zeitgleich gelesen werden, ein E-Book hingegen sollte jederzeit verfügbar sein. Wir versuchen daher gerade für Lehrbücher oder andere stark genutzte Monographien auch das E-Book quasi als „last resort“ anzubieten. Das gedruckte Buch hat im Lernprozess für viele offenbar noch Vorteile (Blättern, …), trotzdem: Solange ich auf das von mir vorgemerktes Exemplar warte, kann ich einzelne Teile schon aus dem E-Book lernen.
  • Aus anderen Büchern wiederum interessieren vielleicht nur einzelne Kapitel, manche Bücher (wie z.B. Handbücher, Sammelbände, juristische Kommentare) sind sogar darauf ausgelegt, dass man sie nicht von vorne bis hinten durchliest. Hier sind E-Books eine echte, da bequem vom Arbeitsplatz aus und unabhängig von den Öffnungszeiten der Bibliothek zu erreichende Alternative.
  • Für das gedruckte Buch spricht wiederum die leichtere Archivierbarkeit (für die Fächer der Zentralen Fachbibliothek hat die TIB einen Archivierungsauftrag). Noch ist das Thema der Digitalen Langzeitarchivierung nicht gelöst, wir arbeiten daran.

Weitere Aspekte zum Für-und-Wider finden sich ebenso wie zahlreiche Literaturhinweise in dem Artikel „Sind wir wirklich reif für E-only? Nutzerbedarf und Leseverhalten als Kriterien einer monographischen Erwerbungspolitik an wissenschaftlichen Bibliotheken“.

Welche Hilfen bieten wir also an, damit die E-Books gefunden werden können:

  1. Wir weisen Bücher (oder bibliothekarisch gesprochen Monographien als selbständig erscheinende Werke) im Katalog nach – unabhängig davon, ob sie auf Papier, auf CD-ROM oder im Zugriff per Internet zur Verfügung stehen.
    Suche nach Handbuch Faserverbundstoffe im TIB/UB-Katalog
  1. Wenn wir unterschiedliche physische Formen eines Werkes bereitstellen, versuchen wir, das in den Katalogeinträgen zu vermerken, so dass man vom Eintrag des gedruckten Buches auf den Eintrag zum E-Book und von dort zum Volltext wechseln kann.
    Katalogeintrag zum Handbuch FaserverbundstoffeKatalogeintrag der elektronischen Version des Handbuchs Faserverbundstoffe
  1. In der Lehrbuchsammlung (Haus 1) finden Sie auf einer Vertreter-Buchstütze den Hinweis: „Dieser Titel kann auch als e-book über den Katalog der TIB/UB campusweit genutzt werden“.  Das ist insbesondere dann wichtig, wenn alle gedruckten Bände des Werkes weg sind. Also, nie den Vertreter missachten!
    Vertreter
  2. Weitere Informationen rund um unser E-Book-Angebot mit Anleitungen zur Nutzung spezieller E-Book-Kollektionen haben wir unter Literatursuche in der TIB/UB: E-Books zusammengestellt.

Wenn man allerdings die Rechtsprechung der letzten Monate verfolgt, so scheinen E-Books keine Bücher zu sein, wie z.B. das EuGH-Urteil zur Mehrwertsteuer-Ermäßigung oder das Urteil zum (untersagten) Weiterverkauf von E-Books zeigen …

Auch für Bibliotheken hat das Konsequenzen: E-Books müssen lizenzrechtlich und von den finanziellen Rahmenbedingungen anders behandelt werden als gedruckte Bücher, für die das Urheberrecht die Rahmenbedingungen für die Nutzung festlegt.

Für das E-Book gibt es eine (fast unüberschaubare) Vielzahl von Erwerbungs- oder Lizenzierungsmöglichkeiten. Die einen Verlage haben eine Geschäftsmodell, das die Speicherung des Buches (als Datei) durch die Bibliothek vorsieht, die anderen bieten nur (z.T. auch zeitlich befristete) Zugangsrechte auf einer externen Plattform an.

Der Zugriff kann IP-gesteuert über eine Verlagsseite (wie z.B. bei unseren Springer-Büchern) erfolgen, aber auch über Plattformen, die zusätzlich eine persönliche Registrierung erfordern (wie z.B. bei der EBL). Einige Bücher werden ausschließlich über die verlagseigenen Seiten angeboten, andere wiederum erhält man nur über sogenannte Aggregatoren, die auf ihren Plattformen die Publikationen unterschiedlicher Verlage zusammenführen.

Während bei einigen Anbietern die Zahl der Zugriffe nicht beschränkt ist, muss man bei anderen festlegen, wie viele Nutzer zeitgleich zugreifen dürfen – davon hängt natürlich der Preis ab. Insgesamt sind E-Books für Bibliotheken deutlich teurer als z.B. für Einzelpersonen oder als das gedruckte Buch. Ein E-Book kann schon einmal das Zehnfache des gedruckten Werkes kosten. Ach ja, manche E-Books lassen sich von Bibliotheken auch nur im Paket mit anderen (vielleicht weniger interessanten) Büchern erwerben, nicht einzeln. In anderen Fällen müssen mindestens 10, 20, … unterschiedliche E-Books eines Verlages gekauft werden. Manchmal fallen sogar zusätzliche Gebühren für die Bereitstellung der Plattform an.

Man sieht, die Beschaffung von E-Books ist aufwändig, unsere Teams sind gut damit beschäftigt, Konditionen der Angebote zu prüfen. Noch lernen wir – und auch für die Verlage scheint das E-Book an Bibliotheken noch ein Experimentierfeld zu sein.

Einen guten Überblick zu Einzelaspekten des Themas liefert der Beitrag zur Veranstaltung E-Books in wissenschaftlichen Bibliotheken hier im TIB|Blog. Weitere Beiträge rund um E-Books finden sich unter https://blogs.tib.eu/wp/tib/tag/e-books/.

Wenn Sie also in einem Anschaffungsvorschlag ein Häkchen bei „wenn möglich als E-Book für den LUH Campus“ setzen, wundern Sie sich bitte nicht, wenn die Bereitstellung als E-Book nicht immer umgesetzt werden kann. (Nicht umsonst haben wir die Formulierung „wenn möglich“ gewählt.)

Und: Nicht nur Verlagspublikationen, sondern jedes selbständig erschienene Werk, das wir für fachrelevant halten, wird in unserem Katalog nachgewiesen, also auch elektronische Dissertationen, Forschungsberichte, monographische Open-Access-Publikationen, … Wie gesagt – für uns sind E-Books eigentlich nur eine weitere Form fachrelevanter Informationen.

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Esther Tobschall

Esther Tobschall

... ist Fachreferentin für Physik und zuständig für die Nationale Kontaktstelle im Netzwerk arXiv-DH