Card-Sorting – Kartenspielen für die Informationsarchitektur

Mit dem Thema Card-Sorting setzen wir unsere Blogreihe zum User Centered Design fort und stellen Ihnen eine Methode vor, die Ihnen hilft, die Informationsarchitektur zu optimieren. 

Kollegen der TIB beim Card-Sorting
Kollegen der TIB beim Card-Sorting

Was ist Card-Sorting?

Card-Sorting ist eine vergleichsweise einfach Methode, die dabei hilft Arbeitsabläufe und Klickpfade zu beschreiben. Häufig wird Card-Sorting für die Entwicklung von Navigationsstrukturen und -menüs genutzt. Ziel ist es, die Wahrnehmung und Erwartungen der Nutzer hinsichtlich der auf der Bedienoberfläche verwendeten Begriffe sowie deren Anordnung zu verstehen.

 

Beim Sortieren von Informationen gibt es kein Richtig oder Falsch.
Beim Sortieren von Informationen gibt es kein Richtig oder Falsch.

Hinter dem Card-Sorting verbirgt sich der Ansatz, dass es für das Sortieren von Elementen kein Richtig oder Falsch gibt. Vielmehr entspricht die Art, wie wir Elemente sortieren unserem individuellen mentalen Modell. Card-Sorting hilft, das mentale Modell der Zielgruppe sichtbar zu machen und die Navigationsstruktur daran auszurichten.

Wie funktioniert Card-Sorting?

Aufgabe der Testpersonen ist es Informationen, repräsentiert durch einzelne Begriffe, zu strukturieren. Beim „klassischen“ Card-Sorting werden die zu sortierenden Begriffe auf einzelne Karten geschrieben. Komplizierte Begriffe können auch auf der Rückseite der Karte näher erläutert werden.

Den Kartenstapel erhalten dann die Testpersonen mit der Aufgabe, den Stapel zu sortieren. Zudem werden sie gebeten „laut zu denken“, das heißt ihre Gedanken und Überlegungen beim Sortieren zu äußern. Das hilft dem Testleiter, die Gedankengänge der Teilnehmer nachzuvollziehen.

Es gibt zwei Formen des Card-Sortings:

  • Beim „offenen Card-Sorting“ soll die Testperson die Karten gruppieren und für die entstandenen Gruppen Oberbegriffe vergeben. Bei dieser Variante erhalten die Kategorien erst nach dem Sortieren ihren Namen. Diese Variante wird häufig beim ersten Durchlauf angewendet.
  • Beim „geschlossenen Card-Sorting“ werden nicht nur die zu sortierenden Begriffe sondern auch die zu verwendenden Kategoriebezeichnungen vorgegeben. Die Testperson hat die Aufgabe die Karten auf die vorgegebenen Kategorien zu verteilen. Diese Variante wird genutzt, wenn bereits Kategorien gefunden wurden und diese weiter validiert werden sollen.

Nach dem die Testperson die Karten sortiert und den Kartenstapeln die Kategorien zugewiesen hat, sollte sie ihre Systematik dem Testleiter noch einmal erläutern.

Um individuellen Vorlieben nicht zuviel Gewicht zu geben, sollte ein Card-Sorting optimalerweise mit 10-12 Testpersonen durchgeführt werden. Zur Auswertung müssen dann die Einzelergebnisse vom Testleiter konsolidiert werden, was je nach Testumfang recht komplex sein kann.

Eine Sonderform des Card-Sorting ist das „umgekehrte Card-Sorting“, auch Tree-Testing (Baum-Test) genannt. Tree Testing  ist eine Usability-Technik zur Bewertung der Auffindbarkeit von Themen auf einer Website. Eine große Seite wird typischerweise in einer Hierarchie (einem „Baum“) von Themen und Unterthemen organisiert. Tree testing bietet eine Möglichkeit zu messen, wie Benutzer Informationen in dieser Hierarchie finden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Usability-Tests, wird das Tree testing nicht auf der Website (bzw. dem Prototypen) selbst durchgeführt, sondern mit Hilfe einer vereinfachten Textversion der Webseitenstruktur. Dies stellt sicher, dass die Struktur isoliert betrachtet wird und die Ergebnisse nicht durch die die Auswirkungen von Navigationshilfen, der optischen Gestaltung und anderen Faktoren verfälscht werden.

Warum eignet sich Card-Sorting für den UCD-Prozess in Bibliotheken?

Card-Sorting ist eine vergleichsweise unkomplizierte Methode, die nur einen geringen Vorbereitungsaufwand erfordert. Zudem kann sie problemlos von „Usability-Laien“ durchgeführt werden.

Inzwischen gibt es auch Online-Tools wie Optimalsort, mit dem Card-Sorting auch mit einer größeren Gruppe von Personen virtuell durchgeführt werden kann. Der Vorteil dabei ist, dass die Konsoldierung der Ergebnisse bequem über das Tool erfolgt.

Was benötigen Sie für die Durchführung eines Card-Sortings?

Für die analoge Durchführung von Card-Sorting benötigen Sie nicht viel mehr als einen Kartenstapel mit den zu strukturierenden Begriffen und Stifte. Hilfreich ist es auch, die jeweiligen Card-Sorting-Sitzungen mit einer Videokamera aufzuzeichnen, um Äußerungen der Testperson während der Session in der Auswertung berücksichtigen zu können.

Worauf sollten Sie achten?

In der Praxis hat es sich als hilfreich erwiesen, für jede Testperson einen eigenen Begriffsstapel vorzuhalten. So kann die individuelle Sortierung bei der Auswertung des Card-Sortings besser rekonstruiert werden.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Tools zu Card-Sorting finden Sie hier:

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Irka Schneider

Irka Schneider

... arbeitet als Usability Engineer in der Abteilung "Forschung & Entwicklung"