Nobelpreise in Physik und Chemie: blaue LEDs und Nanoskopie

In der letzten Woche wurden u.a. die Nobelpreise für Physik und Chemie vergeben. Als zentrale Fachbibliothek für diese Fächer bieten wir natürlich Zugriff auf die Publikationen der Preisträger und weiterführende wissenschaftliche Literatur.

In der Physik haben Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura den Nobelpreis für die „Erfindung effizienter blauer LEDs, die den Weg zu energiesparenden weißen Lichtquellen ebneten“ erhalten. Während es rote und grüne Leuchtdioden bereits seit fast fünfzig Jahren gibt,  wurden blaue LEDs  erst zu Beginn der 1990er-Jahre erfunden. Erst damit ließ sich weißes Licht mit Leuchtdioden erzeugen. Mehr dazu kann man z.B. in der Welt der Physik lesen.

In unserem Fachportal für Technik und Naturwissenschaften GetInfo kann man über die erweiterte Suche nach dem Autor Akasaki viele passende Treffer finden, die Suche nach dem Autor Amano ist schon nicht mehr so eindeutig und bei der Suche nach dem Autor Nakamura erhält man thematisch auch viel anderes. (Offenbar ist Nakamura ein verbreiteter Name als Akasaki …) Ein wenig aufpassen muss man also, egal ob einfache oder erweiterte Suche,  bzgl. der Schreibweise und Unterscheidbarkeit japanischer Namen.  Es bietet sich daher auch an, eher thematisch zu suchen, z.B. mit dem Suchstring „(blue diode) OR (blue light) OR (blue led)„. Hier kann man dann die Facetten/Filter zur Treffererschließung nutzen, um die Trefferliste wieder nach den Nobelpreisträgern einzuschränken, zumindest Nakamura und Akasaki findet man hier.

Man kann über GetInfo auch zugehörige Patentdokumente finden, wenn man alle Datenbanken abwählt und nur die (externe) Datenbank Espacenet auswählt. Natürlich kann man auch gleich in dieser Datenbank des Europäischen Patentamtes suchen. Akasaki ist wohl der „Haupterfinder“, der sich Jahrzehnte um Galliumverbindungen bei Halbleitern kümmerte.

Auch in der Volltextdatenbank IEEE Explore lassen sich viele Werke von Akasaki, Amano und Nakamura finden. Die SPIE Digital Library hat eine eigene Seite mit Papern zu den Nobelpreisträgern, die dort bis Ende 2014 frei zugänglich sind. Sucht man in SPIE DL nach “ blue AND (led OR diode)„, erhält man noch mehr Literatur.
Gegenüber der Suche in GetInfo oder den Fachdatenbanken  liefert die Suche im Katalog der TIB/UB keine weiteren Erkenntnisse, die Treffer, die man im Katalog erhält, findet man auch im Fachportal. Dass in arXiv keine Paper der Nobelpreisträger zu finden sind, verwundert aufgrund der anwendungsorientierten Ausrichtung ihrer Forschung nicht.

In der Chemie wurden Stefan W. Hell aus Göttigen und die beiden amerikanischen Wissenschaftler Eric Betzig und William Moerner ausgezeichnet und zwar für die Entwicklung der hochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie, die über die Grenzen der normalen Lichtmikroskopie hinausgeht. Zu den Hintergründen kann man wiederum gut bei der Welt der Physik fündig werden. Physik? Tatsächlich leuchtet es nicht jedem auf den ersten Blick ein, warum es hierfür den Nobelpreis für Chemie gab. In den sozialen Netzwerken sogar geschrieben, dass es in diesem Jahr zwei Physik-Nobelpreise geben würde und vielleicht brachte es die NZZ Wissenschaft mit ihrem Tweet auf den Punkt: „Chemie-Nobelpreis für eine physikalische Methode zur Untersuchung biologischer Strukturen…“

Mit der Suche nach „nanoskop? OR nanoscop?“ findet man in GetInfo passende Literatur, ebenso bei der Suche nach „(Stimulated Emission Depletion) OR STED„.  Bei der Erschließung der Treffen nach Autoren erscheint Stefan Hell an den ersten Stellen mit den meisten Treffern (in unterschiedlichen Schreibweisen). Die gezielte Suche nach dem Autoren Stefan W. Hell liefert noch mal leicht andere Ergebnisse. Literatur der beiden anderen Preisträger findet man ebenfalls über die Suche nach Autorennamen.

Auf den Seiten des Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie findet man ein sehr ausführliche Publikationsliste mit direktem Zugriff auf die Veröffentlichungen. Auch auf den „Lab-Seiten“ von Betzig und Moerner gibt es Publikationslisten.

Auf der oben schon genannten Seite der SPIE Digital Libray findet man auch Artikel von Hell, Betzig und Moerner, frei zugänglich bis Ende des Jahres.

Und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCH) schreibt in ihrem aktuellen Newsletter, dass die neueren Beiträge der drei Preisträger in allen ChemPubSoc-Zeitschriften nun eine begrenzte Zeit kostenlos online zu lesen sind. Es wird dort auch erwähnt, dass Stefan Hell im Jahr 2009 den Otto-Hahn-Preis erhielt und die Nachrichten aus der Chemie ihn damals interviewten.  Online können wir keinen direkten Zugriff auf den entsprechenden Jahrgang anbieten, aber gedruckt haben wir die Migliederzeitschrift der GDCH. Ein aktuelles Interview mit Stefan Hell gibt es z.B. beim Deutschlandfunk.

Dieser Beitrag zeigt – jedenfalls im Ansatz –  sehr gut auf, dass es für eine erfolgreiche Recherche nach Fachliteratur unumgänglich ist, mehr Quellen als nur den Bibliothekskatalog zu bemühen. Fachportale und Fachdatenbanken liefern deutlich mehr, wenn es um die Suche nach speziellen Themen geht, nämlich z.B. Aufsätze aus Fachzeitschriften. Aber auch abseits der Bibliotheks- und Verlagsangebote wird man oft fündig, z.B. in den Publikationslisten der Autoren selbst.

Danke an Esther Tobschall, Janna Neumann und Hartwig Minnermann für ihre fachkundige Zuarbeit zu diesem Beitrag.

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Michael Hohlfeld

wissenschaftlicher Mitarbeiter
... arbeitet im Team Kommunikation und Marketing der TIB als Social Media Manager und Webredakteur