Forschungsdaten sichern und zugänglich machen – das RADAR-Projekt

Seit heute steht die Website des Projekts RADAR – Research Data Repositorium online zur Verfügung. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen einen ersten Einblick in das DFG-geförderte Verbundprojekt und die Hintergründe, die zu seiner Entwicklung führten, geben.

RADAR - Research Data RepositoriumWie stellt sich die Ausgangssituation dar?

Digitale Daten bilden eine immer größer werdende Basis in der wissenschaftlichen Forschung. Die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit dieser wachsenden Datenmengen sicherzustellen und gleichzeitig der Forschungsgemeinschaft die Vorteile und Perspektiven des oft unbeliebten Datenmanagements näher zu bringen ist eine echte Herausforderung.

Aber wie wäre es, wenn neben traditionellen wissenschaftlichen Aufsätzen auch die zugehörigen Daten, einzelne Graphiken oder ganze komplexe Datensammlungen in vollem Umfang zitierfähig wären?

Im Forschungsalltag werden oft nur spezifische Funde einzelner Versuche zitiert – wäre es nicht viel zielführender, wenn ein Leser direkt auf ein Resultat in einer Graphik oder Tabelle geführt werden könnte?

Es scheint, dass im Zeitalter der virtuellen Kommunikation die Veröffentlichung von (eigenständigen) Datenpublikationen und deren Wiederverwendung für neue Studien und Ideen durch fehlende Auffindbarkeit und mangelnde Zitierbarkeit stark eingeschränkt oder gar nicht möglich ist. Viele Institutionen besitzen auch oft keine ausreichenden Kapazitäten, um alle erhobenen Daten aus Forschungsprojekten auszuwerten (z.B. Negativdaten) oder für Folgestudien zu verwenden.
Für diese Situationen können gut vernetzte Datenrepositorien einen wichtigen Beitrag leisten. Daten können sichtbar und zitierbar gemacht werden, so dass Doppelarbeit im Forschungsumfeld vermieden wird. Zudem können neue Wissenslücken identifiziert und somit das wissenschaftliche Potenzial gesteigert werden.

Welches Ziel verfolgen wir mit RADAR?

Ziel ist es generische Strukturen für das Forschungsdatenmanagement zu entwickeln. Daher richten wir uns mit RADAR vor allem an wissenschaftliche Spezialdisziplinen und Kleinprojekte, denen der Zugang zu großen und etablierten Datenzentren fehlt. So soll mit RADAR ein deutschlandweit anerkanntes und zertifiziertes Repositorium für eine sichere Datenspeicherung und eine optionale Datenpublikation geschaffen werden, mit einer starken Anbindung an wissenschaftliche Forschungsabläufe.

Wer ist an RADAR beteiligt?

Mit diesem Ziel beteiligen sich fünf Projektpartner am Aufbau von RADAR:

Mit diesen Kooperationspartnern wird sichergestellt, dass zusammen mit der Forschungscommunity eine Infrastruktur aufgebaut wird, die sich in den wissenschaftlichen Arbeitsalltag integrieren lässt.

Gleichzeitig sollen mit RADAR auch weitere öffentliche (z.B. Bibliotheken, Kultureinrichtungen) und kommerzielle Einrichtungen (z.B. kleine und mittelständische Unternehmen) angesprochen werden, die auf der Suche nach einer zuverlässigen und gesicherten Archivierungsmöglichkeit (auch ohne Publikation) für ihre Daten sind.

Welche Rolle übernimmt die TIB bei RADAR?

Als zentrale Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften mit ihrer Vergabestelle für DOIs (Digital Object Identifier) besitzt die TIB die inhaltlichen Kompetenzen für die Identifizierung, eindeutige Referenzierung und Sicherung der Zitierfähigkeit von Forschungsdaten. In RADAR vergibt die TIB in Kooperation mit dem internationalen Verein DataCite für jeden Datensatz einen persistenten Identifier.

Zudem entwickeln wir Autorenrichtlinien und Zitierstandards für das Repositorium und stellen Anknüpfungspunkte zu wichtigen Stakeholdern des Projekts (z.B. zu wissenschaftlichen Verlagen) her. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir zusammen mit den Projektpartnern z.B. eine Produktpolicy für RADAR, damit die Nutzungsrechte an publizierten Daten verständlich und nachvollziehbar sind. Beispiele hierfür können sein, dass bestimmte Daten etwa nur im Rahmen einer nicht-kommerziellen Forschung weiter verwendet werden können, oder dass Folge- und Weiterentwicklungen (z.B. neue Publikationen), die aus den publizierten Daten entstehen, nur unter gleichen Nutzungsbedingungen (z.B. Open Access) wie die Originaldaten veröffentlicht werden dürfen.

Welche Dienstleistungen wird RADAR genau anbieten und für wen?

Als Dienstleister für die wissenschaftliche Forschung wird RADAR zwei Services anbieten:

  1. Den Service der gesicherten und nachhaltigen Archivierung von Forschungsdaten
    Forscher, wissenschaftliche Institutionen, Bibliotheken, Kultureinrichtungen aber auch privatwirtschaftlich tätige Unternehmen erhalten die Möglichkeit, ihre Daten für einen bestimmten Zeitraum oder auf unbegrenzte Zeit zu archivieren. Dieses Angebot ist unabhängig von der Forschungsdisziplin und setzt nur eine minimale Beschreibung zur Art der Daten (in Form von Metadaten) voraus.
    Die archivierten Daten werden bei diesem Service nicht veröffentlicht und so dem Datengeber das alleinige Zugriffsrecht zugesichert, welches er optional erweitern kann. Die Daten werden durch mehrere Backup-Systeme gesichert und ihre Archivierung in RADAR richtet sich nach dem deutschen Recht.
  2. Ein erweitertes Angebot für die Publikation wissenschaftlicher Forschungsdaten
    In diesem Angebot werden die Daten in RADAR sowohl archiviert als auch veröffentlicht. Dabei kann die Beschreibung der Datensätze mit der Angabe disziplinspezifischer Metadaten erweitert und so ihre wissenschaftliche Nachnutzbarkeit optimiert werden. Jeder Datensatz erhält im Rahmen der Datenpublikation einen persistenten Identifier in Form eines DOI. Durch die DOI-Vergabe kann der Datensatz eindeutig dem Datengeber und der Plattform, über welche er veröffentlicht wurde, zugeordnet werden. Die Veröffentlichung der Forschungsdaten kann dabei sowohl als eigenständige Datenpublikation über das RADAR-Portal als auch über die Anbindung an einen wissenschaftlichen Artikel seitens eines kooperierenden Verlags erfolgen. Im RADAR-Portal werden die zugehörigen Hintergrundinformationen zum Datensatz (z.B. Autor, Titel, Jahr und ggf. disziplinspezifische Informationen) und Angaben zu Nutzungsrechten angezeigt. Die weltweite Auffindbarkeit der publizierten Datensätze wird durch Schnittstellen zu nationalen und internationalen Fachportalen (z.B. GetInfo der TIB) sichergestellt. Das Angebot der Datenpublikation mit integrierter Archivierung richtet sich an Forscher, Institutionen und Unternehmen, die neben einer zuverlässigen Archivierung die Publikation ihrer Daten durch ein zertifiziertes Repositorium wünschen.

Wird der RADAR-Service etwas kosten?

Grundsätzlich ja, da der nachhaltige Betrieb eines Datenzentrums zwangsläufig mit Kosten verbunden ist. Im Rahmen des RADAR-Projekts wird ein Geschäftsmodell entwickelt, das seinen Nutzern dauerhaft eine zuverlässige Forschungsdatenspeicherung und -publikation garantieren soll. Mit dem Geschäftsmodell wird den Forschern und wissenschaftlichen Institutionen zudem ein Werkzeug geben, um entsprechende Forschungsgelder für eine nachhaltige Datenarchivierung zu beantragen. So können die Archivierungs- und Publikationskosten z.B. im Rahmen von Drittmittelanträgen berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck wird das RADAR-Geschäftsmodell je nach Dienstleistung eine abgestufte Preisliste mit Einmalzahlungen oder jährlichen Beiträgen in Abhängigkeit von Datenumfang und Haltefristen anbieten.

Wie lange ist die Projektlaufzeit?

Das Projekt wird im Zeitraum 2013-2015 im Bereich der Wissenschaftlichen Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS) zur Neuausrichtung überregionaler Informationsservices von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter http://www.radar-projekt.org.
Weitere Informationen zum Thema DataCite gibt es unter http://www.datacite.org.

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Angelina Kraft

Angelina Kraft

... leitet das Lab Research Data Services an der TIB