ForscherInnen gemeinsam neue Wege im Web eröffnen — Das Open Science Lab der TIB Hannover

An der TIB Hannover nimmt 2013 ein neues Team seine Arbeit auf, das Open Science Lab. Hier sollen neuartige Webanwendungen für ForscherInnen in enger Abstimmung mit überregionalen Benutzer-Communities erprobt und (weiter-)entwickelt werden. Alle Ergebnisse sollen schnell öffentlich zugänglich gemacht werden, auch dann, wenn es sich um vorläufige oder experimentelle Anwendungen handelt. Das Lab strebt vielfältige Kooperationen mit anderen Interessierten (einzelnen Softwareentwicklern, Verlagen, Bibliotheken etc.) an und will Drittmittel für neue Entwicklungen einwerben.

Forschung im Web — manchmal könnte man meinen, das seien traditionelle Zeitschriftenaufsätze, nur halt nicht gedruckt, sondern als PDF. Doch vielerorts werden die Möglichkeiten des Webs bereits viel intensiver genutzt: ForscherInnen bloggen und twittern. (Übrigens längst nicht nur amerikanische NaturwissenschaftlerInnen.) Sie teilen Rohdaten und Zwischenergebnisse ad hoc mit Interessierten im Web und entschlüsseln auf diese Weise z.B. das Genom des Erregers beim EHEC-Ausbruch im Sommer 2011. Sie kommunizierenkommentieren und stellen ihre Forschungsergebnisse der Wikipedia und ähnlichen Projekten zur Verfügung. Sie probieren neue Webanwendungen aus oder entwickeln eigenen Programmcode und stellen ihn anderen zur Verfügung. Sie versuchen neue Forschungsprojekte durch die Netzöffentlichkeit (co-)finanzieren zu lassen.

Wir sind begeistert von den neuen Möglichkeiten, die darin stecken, und wir sind — als InformationsspezialistInnen — offen gesagt auch fasziniert von den vielen damit einhergehenden Problemen, die nur darauf warten, gelöst zu werden, oder, nur anders ausgedrückt: In interessante neue Methoden und Tools verwandelt zu werden.

Ein Beispiel für solche Entwicklungen lieferte der DataCite-Workshop vergangene Woche in Köln (vgl. Rolle der TIB in DataCite), von dem der Neurobiologe Björn Brembs in seinem Blog berichtet. DataCite und CrossRef sorgen neuerdings dafür, dass sich anhand einer DOI (vgl. Was ist eine DOI?) dazugehörige strukturierte Metadaten abrufen lassen. Das klingt nicht unbedingt sexy, und doch weist es unter anderem den Weg in eine neue Generation von Literaturverwaltungs-Programmen, die sich nicht mehr in bibliographischen Detailangaben verlieren.

Viele weitere Probleme dieser Art warten noch darauf, identifiziert und gelöst zu werden. Was ist z.B. mit den Metadaten zu einem Blogartikel, den ich formal korrekt zitieren will — könnten diese Daten nicht auch auf ähnliche Weise abgerufen werden? Oder, ein anderes Problem: Was ist, wenn ich wissen will, welche Fachaufsätze von PhysikerInnen weltweit im letzten Monat am häufigsten getwittert worden sind? Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Twitter unter ForscherInnen eine Frage, die gar nicht abwegig ist — und durchaus lösbar sein sollte.

Eines ist trotz dieser vielen denkbaren Mini-Anwendungen jedoch klar: ForscherInnen werden stets nur auf wenigen Seiten im Web „zuhause“ sein, d.h. fast ausschließlich auf diesen wenigen Seiten suchen, arbeiten und publizieren. Eine Website dieser Art ist zum Beispiel arXiv. (Vgl. auch Workshop und Blogartikel hier.) Als Open Science Lab streben wir an, insbesondere solche für ForscherInnen wirklich relevanten Plattformen zu ergänzen oder zu verbessern. Wir finden, dass der Programmcode und insbesondere die verarbeiteten Daten solcher forschungsrelevanten Plattformen frei zur Verfügung stehen sollten. (Eine Konsequenz daraus ist, dass wir auch unsere eigenen Katalogdaten unter einer freien Lizenz zur Verfügung stellen.)

Ein wichtiger Bezugsrahmen für gemeinsame Projekte des Open Science Lab mit anderen ist der neue strategische Forschungsverbund Science 2.0 der Leibniz-Gemeinschaft, zu deren Gründungsmitgliedern die TIB gehört. Aber auch andere Initiativen in diesem Bereich verfolgen wir mit großem Interesse, z.B. die Open Knowledge Foundation und die Open Science Federation.

In Veranstaltungen bieten wir regelmäßig die Gelegenheit, mehr über Open Science zu erfahren, zu diskutieren und gemeinsam neue Wege zu erkunden. Im Frühjahr 2013 spreche ich unter anderem auf den folgenden Veranstaltungen zu diesem Thema:

 

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Lambert Heller

Open Science Lab bei TIB
A librarian, speaker & consultant working at TIB's Open Science Lab. Into: Scholarly online practices, decentrailzed Web, and more. @Lambo on Twitter.

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