Umfrageauswertung: Erstellung und Nutzung von E-Learning Modulen in den Naturwissenschaften

Vor einiger Zeit hatten wir eine Online Umfrage für eine weiterführende Bestandsaufnahme von E-Learning Modulen in naturwissenschaftlichen Bereich durchgeführt. Zunächst einmal aber möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die an der Umfrage teilgenommen haben. Thema der Umfrage war nicht nur eine Bestandsaufnahme vorhandener Module sondern auch die Nutzung dieser Module sowie die Frage nach den Gründen keiner Nutzung oder Erstellung selbiger.
Auf Grund einer geringen Teilnehmerzahl kann die Auswertung sicherlich nicht so repräsentativ wie gewünscht sein, liefert jedoch erste Anhaltspunkte. Es zeigt sich, dass in den naturwissenschaftlichen Fächern E-Learning-Angebote eher weniger genutzt und erstellt werden, denn es antworteten mit 39,7% mehr als ein Drittel der Befragten, dass sie keine E-Learning Module nutzen und erstellen würden.

Warum E-Learning wenig genutzt wird, kann die Auswertung dieser Umfrage sicherlich nur bedingt beantworten. Dennoch möchte ich im weiteren Verlauf einige interessante Aspekte herausgreifen. Die kompletten Umfrageergebnisse können übrigens hier eingesehen werden.

Die Online-Umfrage wurde mit Hilfe des Umfrage-Tools SurveyMonkey erstellt und von Ende Mai bis Mitte Juli frei geschaltet und durch einen Artikel in diesem Blog, einen Beitrag im GDCh-Newsletter sowie über Sammel-E-Mail an alle chemischen Fakultäten deutscher Hochschulen beworben. Insgesamt konnten 73 (60%) komplett ausgefüllte Fragebögen erhalten werden.

Der meistgenannte Grund dafür kein E-Learning zu nutzen war, dass keine Notwendigkeit besteht (62,1%). Daneben wird die aufgewendete Zeit genannt, um Programme zu erlernen (51,7%) obwohl 79,3% keine computerbedingten Probleme bei der Bedienung haben.

 

Ähnliche Gründe werden dafür genannt keine E-Learning Module zu erstellen (keine Zeit: 48,3%, Aufwand bringt kein Nutzen: 62,1%, kein Bedarf für die Nutzung: 37,9%)

Bei der Frage unter welchen Umständen E-Learning genutzt werden würde, zeichnet sich ab, dass eine Nutzung vor allem bei einer kostenfreien und einem registrierungsfreien Zugang (51,7%) gegeben wäre sowie wenn die Module pflichtmäßig in den Studiengang eingebunden wären (48,3%). Weiter zeigt der Trend auch hin zur einfachen, intuitiven Bedienung womit eine kostensparende Einarbeitung verbunden wäre (37,9%). Dies zeigt auch deutlich den Wunsch des Nutzers nach einfachen und leicht bedienbaren Oberflächen.

Der Trend bei der Modulerstellung geht dahin, dass die Arbeit sich nur bei einer effizienten Unterstützung der Präsenzlehre (62,1%) sowie einer effektiven und effiziente Informationsbeschaffung (58,6%) und zur Erreichbarkeit einer größeren Anzahl von Personen (51,7%) lohnen würde. Das Thema „Informationsbeschaffung“ sollte vor allem Bibliotheken aufhorchen lassen, da dies mit der Vermittlung von Informationskompetenz, eine der Kernaufgaben von Bibliotheken, einhergeht.

Ein relativ eindeutiges Bild zeigt sich bei der Frage nach den Vorteilen, die mit E-Learning in Verbindung gebracht werden. Mit Abstand wird hier die Verfügbarkeit (91,7%) genannt, gefolgt von der Möglichkeit des Downloads von Materialien (63,9%), der Möglichkeit einer interaktiven Nutzung (47,2%), das Selbstbestimmen des Lerntempos (38,9%) sowie die Lernerfolgskontrolle (36,1%).

Die Frage danach welche Module bekannt und schon mal benutzt worden sind, zeigt eindeutig, wie auch schon vermutet, dass ChemgaPedia das am besten bekannteste (61,1%) E-Learning Modul ist und 41,7% der Befragten haben diese auch schon mal benutzt. Alle anderen Module sind mit Werten von 72,2%-86,1% sehr viel weniger bekannt in der Fachcommunity. Lediglich regional (z. B. NOP kennen in Bayern 27%) sind die jeweiligen Module bekannter. Generell werden die Module trotz ihrer Bekanntheit eher weniger genutzt.

Die Koordinierung des Einsatzes von E-Learning findet sehr häufig innerhalb einer Hochschule statt (80%). Diese häufige hochschulinterne Koordinierung bedingt möglicherweise die hohe Zahl der Module die ausschließlich hochschulintern zugänglich sind (70%) sowie die, die zur Unterstützung von Vorlesungen, Seminaren oder Übungen dienen (75%). Damit einher korreliert die für die E-Learning Module zu erreichende Zielgruppe. 90% der Befragten nennen hierfür Bachelorstudierende und immer noch 50% Masterstudierende sowie 40% Prüfungsvorbereitende. Lehrende (20%) und Promovierende (0%), die gerade im Kontext des lebenslangen Lernens eine Hauptzielgruppe sein sollten, werden kaum und gar nicht berücksichtigt. Möglicherweise fehlt hier das Angebot aber vielleicht ja auch die Nachfrage?

Die vorhandenen E-Learning Module werden überwiegend eigenständig erarbeitet (90%) und auch in 50% der Fälle regelmäßig aktualisiert. Externe Autoren werden nur selten dafür beauftragt (0-15%) und die Pflege liegt nur selten in der Verantwortung von studentischen Hilfskräften (10%). Zudem kommt der Einsatz meist aus eigener Initiative (55%) zustande. Dies zeigt auch, dass E-Learning an den Hochschule noch nicht richtig institutionalisiert ist, sondern einzelne (wohlmöglich technik-affine) Akteure ihre Lehre mit elektronischen Medien und E-Learning Modulen anreichern.

Als Vorteilen von E-Learning wird von den Befragten am häufigsten angegeben, dass es als sinnvolle Ergänzung zur klassischen Lehre genutzt werden kann (60%), gefolgt von der Möglichkeit eine größere Masse zu erreichen (55%). Auch die Aktualität der Lehre wird noch von 40% der Befragten genannt wohingegen der schnellere Erwerb von fachlichem Wissen durch E-Learning eher eine untergeordnete Rolle spielt (20%).

Um herauszufinden, wie die Wissenschaft die Bibliothek im Kontext E-Learning positioniert, wurde nach der Rolle der Bibliothek gefragt. Die Frage wurde sowohl in Bezug auf die Nutzung als auch auf die Erstellung gestellt. Generell wurde bei beiden Fragen der Bibliothek durchaus eine Rolle zugesprochen (36,1% – 40%). Allerdings besteht diese nicht bei der Unterstützung des Designs (5% – 8,3%), bei der technischen Umsetzung (5,6% – 10%) oder der technischen Infrastruktur (13,9% – 20%). Bei der Vermittlung von Kompetenzen sehen jedoch insgesamt 41,7% der Befragten die Rolle durchaus bei der Bibliothek. Dennoch sprechen sich insgesamt auch 50% dagegen aus. Allerdings sehen insgesamt 45% – 66,7% der Befragten die Bibliothek in der Rolle E-Learning professionell und nicht-kommerziell zu institutionalisieren. Hierfür müsste wohl aber eine enge Kooperation der Bibliothek mit einer technischen Infrastruktureinrichtung (z. B. Rechen-/Medienzentren) realisiert werden.

 

E-Learning und Bibliotheken scheinen also in der Fachcommunity (noch) nicht unbedingt zusammenzugehören. Möglicherweise muss zunächst eine Definition der Aufgaben von Bibliotheken zu diesem Thema gemacht werden (ggf. auch durch Befragung von Nutzern), bevor sie E-Learning nicht nur in den Köpfen der Nutzer professionell und nicht-kommerziell institutionalisieren kann. Dies geht sicher auch nicht ohne die Unterstützung und Kooperation der Hochschulen.

Bei Fragen und Anmerkungen zu den Ergebnissen nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion.

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Janna Neumann

Janna Neumann

... ist Fachreferentin für Chemie