Forschungsdaten und die TIB – Wer ist DataCite?

Im vorletzten Beitrag dieser Blog-Reihe ist DataCite bereits als DOI-Registrierungsagentur für Forschungsdaten genannt worden, unter deren Dach die Mitglieder lokale DOI-Services für ihre Kunden anbieten. In diesem Artikel möchte ich Ihnen etwas mehr über dieses internationale Konsortium, dessen Gründung ein wegbereitender Entwicklungsschritt zu einem weltweit einheitlichen Zugang zu Forschungsdaten war, berichten. Dieser Beitrag ist in enger Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Frauke Ziedorn entstanden.

Zur Geschichte: DataCite wurde im Dezember 2009 in London als eingetragener Verein von sieben Einrichtungen aus sechs Ländern gegründet. Damit daraus auch ein Verein nach deutschem Recht werden konnte, fand die Unterzeichnung des Gründungsvertrages in der Deutschen Botschaft statt.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen die British Library (BL), das Technical Information Center of Denmark (DTIC), die Bibliothek der TU Delft (Niederlande), das National Research Council’s Canada Institute for Scientific and Technical Information (NRC-CISTI), die California Digital Library, die Purdue University (USA) und die Technische Informationsbibliothek (TIB). Die Geschäftsstelle von DataCite wird von der TIB Hannover geführt.

DataCite ist Mitglied der International DOI Foundation (IDF) und organisiert als non-profit Organisation die Vergabe von DOI-Namen für akademische Einrichtungen. Die globale Ausrichtung ist essentiell für den Erfolg des DOI-Modells, denn Wissenschaft findet international statt und braucht deshalb globale Standards, globale Workflows und globale Partner. Das DOI-System hilft den Wissenschaftlern dabei, ihre lokalen Infrastrukturen und Netzwerke mit der internationalen Community zu verbinden, und schafft so eine Grundlage für weltweite Zusammenarbeit.

Die wesentlichen Ziele von DataCite sind:

  1. Wissenschaftlern den Zugang zu Forschungsdaten über das Internet zu erleichtern,
  2. die Akzeptanz von Forschungsdaten als eigenständige, zitierfähige wissenschaftliche Objekte zu steigern,
  3. die Einhaltung der Regeln Guter Wissenschaftlicher Praxis zu gewährleisten sowie
  4. die Entwicklung internationaler technischer Standards und Workflows.

Die Mitglieder: Bis heute haben sich 16 Partner aus 11 Ländern unter dem Dach von DataCite zusammengefunden.
Darunter sind mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB), der  Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED), dem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und der  Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) vier deutsche Partner.

Die weiteren Partner inklusive der assoziierten Mitglieder sind in der nebenstehenden Google-Map gelistet. (Assoziierte Mitglieder unterstützen die Arbeit von DataCite, besitzen aber kein Stimmrecht.)

Der DataCite Service: Der MetaData Store (MDS) von DataCite ist ein einfaches Werkzeug um Forschungsdaten mit einem DOI-Namen zu registrieren und die dazugehörigen Metadaten als XML-Datei zu übermitteln. Das Metadaten-Schema schreibt als Pflichtfelder die Elemente vor, die auch in einer Zitierung enthalten sein müssen, wie der Erzeuger der Daten, ein Titel, der Herausgeber und das Veröffentlichungsjahr.

Eine Metadaten-Suchmaschine erlaubt eine spezifische Suche, z.B. nach Thema, Autor, Publikationsjahr u.a., in den im MDS gespeicherten Metadaten.

DataCite stellt Metadaten aus dem MDS mit dem Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) bereit. Mehrere Organisationen werden diesen Service von DataCite nutzen:

  • TIB für ihr Portal GetInfo
  • Elsevier für Scopus
  • Thomson Reuters für das Web of Science
  • Exlibris für PrimoCentral

Die deutschen DataCite Partner bieten einen DOI-Service für Kunden aus ihren jeweiligen Fachgebieten an:

Fachgebiet Technik und Naturwissenschaften:
TIB – Technische Informationsbibliothek
Kontakt: Frauke Ziedorn, Britta Dreyer (doi-info@tib.uni-hannover.de, Tel.: 0511 – 762 9352)

Fachgebiet Medizin, Gesundheit, Ernährung, Umwelt, Agrar:
ZB MED – Deutsche Zentralbibliothek für Medizin
Kontakt: Anita Eppelin (eppelin@zbmed.de, Tel.: 0221 – 478 560 )

Fachgebiet Sozialwissenschaften:
Gesis – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften
Kontakt: Brigitte Hausstein (brigitte.hausstein@gesis.org, Tel.: 030 – 233611 314)

Fachgebiet Wirtschaftswissenschaften:
ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Kontakt: Ralf Toepfer (r.toepfer@zbw.eu, Tel: 040 – 42834 449)

Bisherige Erfolge: Das Konzept stößt international auf großes Interesse. Nur ein Jahr nach der Gründung zählte 15 namhafte Forschungsbibliotheken und Informationszentren aus 10 Ländern zu seinen Mitgliedern und arbeitete mit über 50 Datenzentren aus aller Welt zusammen, welche die registrierten Daten dauerhaft speichern.
1,5 Millionen DOI-Namen werden voraussichtlich bis Ende 2012 vergeben sein. (erfreuliches UPDATE vom 8.11.12: Bis zum 7. November 2012 hat DataCite tatsächlich schon 1,6 Millionen DOI-Namen registriert.)

Mehr zu den Zielen und Möglichkeiten von DataCite erfahren Sie in unserem DataCite-Workshop am 12.12.12 in Köln. Dieser Workshop richtet sich an alle Interessierten, die Forschungsdaten produzieren und verwalten. (zur Anmeldung).

Ein wesentliches Ziel von DataCite ist es die Anerkennung der Forschungsdatensätze als eigenständige zitierbare Objekte zu erhöhen. Ein großer Schritt in diese Richtung ist das Auswerten der DOI-Metadaten im Data Citation Index von Thomson Reuters.

Es wurden bereits Vereinbarungen über das Verlinken von Fachartikeln mit den dazugehörigen Daten mit großen wissenschaftlichen Verlagen und Verlagsgemeinschaften geschlossen, wie z.B. Elsevier und STM. Dies ist ein großer Gewinn für die Anerkennung und einfachere Erreichbarkeit beider Objekte und erleichtert somit nicht nur die wissenschaftliche Arbeit, sondern auch den Informationsaustausch.

DataCite wird auch zukünftig in enger Kooperation mit ihren Mitgliedern und Nutzern immer neue Services für die Publikation von Forschungsdaten entwickeln, wobei die TIB, als eine von vier deutschen DataCite Partner, aktive Unterstützung leistet und leisten wird.
Seit 2005 hat die Technische Informationsbibliothek (TIB) rund 600.000 Forschungsdatensätze mit einem DOI-Namen registriert, und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern somit einen einfachen Zugriff auf diese Daten sowie deren Zitierfähigkeit ermöglicht.
Wie die DOI-Registrierung bei der TIB in der Praxis funktioniert möchte ich Ihnen im nächsten Artikel dieser Reihe erläutern.

Bisher sind folgende Beiträge in der Reihe Forschungsdaten und die TIB erschienen:

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Britta Dreyer

... ist Mitarbeiterin im DOI-Service der TIB