Schritt für Schritt ins Paradies – Das Leipzig University Research Information System (leuris)

Das an der Universität Leipzig geplante Forschungsinformationssystem soll Forschungsinformationen aus bestehenden, noch zu beschaffenden oder zu entwickelnden Fachsystemen verarbeiten und ausgeben. Die Universität Leipzig setzt dabei nicht auf ein allumfassendes Einzelprodukt, sondern auf die Verbindung verschiedener Module.

Woher wir kommen

Die Universität Leipzig besitzt eine lange Geschichte kontinuierlicher Verarbeitung von Forschungsinformationen in verschiedenen Fachsystemen. Im originären Bereich der institutionellen Forschungsberichterstattung werden seit 1995 datenbankunterstützt Informationen zu Projekten, Publikationen, Preisen/Auszeichnungen, internationalen Kooperationen, wissenschaftlichen Veranstaltungen und Gremienmitgliedschaften ihrer Professuren erfasst und diese öffentlich zur Verfügung gestellt (online sowie bis 2011 in gedruckter Form). Bis 2015 erfolgte die Erfassung mit der Zusendung einer Word-Datei durch die Professoren für ihre Einheit an die damals existierende Forschungskontaktstelle. Die ehemals existierende Forschungsdatenbank, die diese Informationen ab 2007 verarbeitete, war eng mit der Internetseite der Universität Leipzig verbunden, die Angaben zu den Organisationseinheiten aus der Forschungsdatenbank bezog.

In der Zentralverwaltung wird seit 2009 die Projektverwaltungssoftware IVMC© von Wiegand Projektmanagement betrieben. Das IVMC© dient als Informationssystem für die Drittmittelbewirtschaftung , die für den Forschungsservice wichtigen Angaben wie Förderprogramm oder Langtitel nicht erfasste. Auf Grund des hohen Funktionsumfangs und der auf die Bedürfnisse der Universität Leipzig angepassten Entwicklung wird IVMC© auch von der Verwaltung der Medizinischen Fakultät und der Verwaltung des DFG-Forschungszentrums Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) intensiv eingesetzt.

Die Universitätsbibliothek Leipzig hat im Jahr 2015 mit der Erstellung einer Hochschulbibliographie angefangen. Die Eintragungen basieren auf den jährlich erfassten Publikationsmetadaten sowie den Publikationen, die im Web of Science Autorinnen und Autoren der Universität zugeordnet sind. Das Universitätsrechenzentrum entwickelte ebenfalls 2015 eine Weboberfläche zur neuen Erfassung der Forschungsaktivitäten für folgende Berichtsjahre.

Mit der Gründung und dem Aufbau eines Dezernats für Forschungs- und Transferservice wurde es ab 2016 möglich, eine Neujustierung des Bereichs Forschungsberichterstattung/Forschungsinformationen anzugehen.

Der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs brachte Akteure aus Universitätsbibliothek, Rechenzentrum und dem Forschungsdezernat zusammen, um unter Leitung des Forschungsdezernenten das gemeinsame Projekt „Vorbereitungen und Aufbau eines zentralen Forschungsinformationssystems an der Universität Leipzig“ durchzuführen. Die Projektlaufzeit war auf drei Jahre befristet, die Koordination im September 2016 besetzt und das Kernteam aus zwei Mitarbeitern des Dezernats für Forschungs- und Transferservice, einem Entwickler aus dem Universitätsrechenzentrum und einem Mitarbeiter der Universitätsbibliothek ab Februar 2017 arbeitsfähig.

Die neue Welt bauen

Die Arbeit des Projektteams lag und liegt im Spannungsverhältnis des Aufbaus eines Forschungsinformationssystems und der laufenden Daueraufgabe institutioneller Forschungsberichterstattung. Diese beiden Aufgaben gliedern ein Arbeitsjahr in Phasen, in denen intensiv an der institutionellen Forschungsberichterstattung (Softwareanpassung, Erhebungsphase, Qualitätssicherung) gearbeitet wird, und in Phasen, in denen die Konzeption eines integrierten Forschungsinformationssystems vorangetrieben wird sowie erste Bausteine entwickelt werden.

Der Vorteil dieser Konstellation ist, dass das Team gleich mit den Nutzerinnen und Nutzern eines Systems zur Verarbeitung von Forschungsinformationen konfrontiert ist. Die Fortführung der Forschungsberichterstattung erlaubt die inkrementelle Verbesserung des Systems und schafft sichtbare Erfolge für die Universität nach innen und außen. Zudem ergeben sich aus der Erhebungsphase jeweils kleinere und größere Fragen, die für die technische Entwicklung von großem Nutzen sind.

Meilensteine der Entwicklung der institutionellen Forschungsberichterstattung unter dem Branding „Forschungsbericht“ an der Universität Leipzig sind:

  • Weboberfläche zur Erfassung der Forschungsaktivitäten mit Zugang über den Uni-Login
  • Direkte öffentliche Ausgabe der Eintragungen auf den Seiten des Forschungsberichts der Universität Leipzig
  • Implementierung eines GraphQL-Service, der u.a. von der Internetseite der Universität genutzt wird, um Profilseiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darzustellen

Zu Beginn des Projektes war nicht geklärt, ob die Universität Leipzig ein Forschungsinformationssystem selbst entwickelt oder einkauft. Es setzte sich schnell die Erkenntnis durch, dass die Marktlage (in 2017) für einen Kauf nicht geeignet ist. Mehrere Faktoren führten dazu, dass die Projektleitung und das Projekt-Team ein modular aufgebautes Forschungsinformationssystem konzipiert haben: Die kontinuierliche Verbesserung der institutionellen Forschungsberichterstattung zeigte, dass viele Anforderungen in kurzer Zeit mit den vorhandenen Ressourcen umgesetzt werden konnten. Der Erfahrungsbericht des KIT auf der DINI-AG/KDSF-Tagung im Februar 2017 verdeutlichte die Risiken eines monolithischen Systems und war zugleich Vorbild für die Idee eines modularen Aufbaus. Insbesondere da jede Fachabteilung der Universität Leipzig spezielle Software nutzt oder anschafft und dadurch die (Verwaltungs-)Softwarelandschaft der Universität Leipzig durch einen hohen Grad an Fragmentierung gekennzeichnet ist.

Das geplante Leipzig University Research Information System (leuris) setzt daher auf eine verteilte Systemarchitektur, die sich an folgenden Prinzipien orientiert:

  1. leuris wird modular aufgebaut. Jedes Modul wird als autonomer Service implementiert und repräsentiert eine Fachdomäne, die durch eine oder mehrere Fachabteilungen betreut wird (Abbildung 1). Autonom bedeutet in dem Zusammenhang, dass diese von eigenen Teams betreut, bearbeitet und ausgetauscht werden können, ohne die Funktionsfähigkeit der anderen Bausteine zu gefährden.
  2. Die einzelnen Softwaresysteme der Fachabteilungen liefern die Datengrundlage für die Module. Solche Systeme sind beispielsweise IVMC© in der Drittmittelverwaltung, Doktoranden und Postdoktorandenverwaltungssystem (DPVS) in der Doktorandenverwaltung oder Qucosa in der Universitätsbibliothek.
  3. leuris wird über eine service-orientierte Architektur aufgebaut, um das Zusammenspiel der verschiedenen Fachsysteme in leuris zu ermöglichen.
  4. leuris wird durch verbindliche Vereinbarungen zwischen leuris-Team und Fachabteilungen gesteuert, dazu werden klar abgesteckte Kommunikationswege in Abstimmung mit den Fachabteilungen definiert und realisiert. Technisch ist der Einsatz einer ereignisgesteuerten Architektur vorgesehen.


Die ereignisbasierte Kommunikation in leuris wird über einen „Message Broker“ organisiert, der Informationen zu Ereignissen in den verbundenen Systemen asynchron bereitstellt. Module, die auf bestimmte Ereignisse reagieren müssen, können sich die Informationen vom Message Broker abholen und entsprechend damit umgehen. Der Vorteil ist, dass die Sender nichts über den Umgang des Empfängers mit der Nachricht wissen müssen und dass bei Nichtverfügbarkeit von Systemen die Nachrichten nicht verloren gehen.
Als Beispiel: Ein neues Projekt wird im Modul „Forschungsbericht“ angelegt. Das Modul „Forschungsbericht“ meldet die Nachricht an den Message Broker. Die Module „Forschungsportal“, „leuris:Nutzerportal“ usw. nehmen die Informationen auf und verarbeiten sie entsprechend ihrer Zuständigkeiten. Die Liste der Dienste, die die Nachricht abgreifen, kann beliebig erweitert werden, ohne das Modul „Forschungsbericht“ selbst anpassen zu müssen. Es wird nur und sobald kommuniziert, wenn ein Ereignis eingetreten ist.

Der lange Weg, der vor uns liegt

Wie alle abteilungsübergreifenden IT-Projekte braucht auch die Einführung eines FIS einen langen Atem. Die Modularisierung, die hier als Ansatz gewählt wurde, stellt keine Abkürzung dar, aber erlaubt zielgerichteter ein an die Universität Leipzig angepasstes System zu etablieren. Ein Team aus Forschungsdezernat, Universitätsrechenzentrum und Universitätsbibliothek wird mit der Einführung und kontinuierlichen Weiterentwicklung dieses Systems dauerhaft beschäftigt sein. Die institutionelle Forschungsberichterstattung hat mit dem Format „Forschungsbericht“ bereits einen hohen Reifegrad erreicht. Aufgabe des Teams ist es nun aus dieser institutionellen Forschungsberichterstattung ein integratives Forschungsinformationssystem zu entwickeln, das Verknüpfungen zwischen administrativ erhobenen Informationen mit denen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herstellt und diese für die verschiedenen Stakeholder bzw. Berichtsanlässe bereitstellen kann.

Aufgaben zur Realisierung dieses Ziels bis Ende 2020 sind:

  • verbindliche Vereinbarungen zwischen leuris-Team und Fachabteilungen zum Datenaustausch schaffen;
  • den Betrieb von leuris (hochschul)rechtlich absichern (u.a. hochschulweite Ordnung zum Betrieb eines FIS an der Universität Leipzig);
  • Datenmodelle weiterentwickeln (u.a. Öffnung zu Universität Leipzig-externen Aktivitäten, stärkere Berücksichtigung des Kerndatensatz Forschung, Verknüpfungen zwischen den Aktivitäten);
  • technische Grundlagen für den Datenaustausch zwischen den Modulen und anderen Fachsystemen schaffen;
  • Mehrwertdienste über ORCID-Anbindung realisieren.

Ähnlich wie an anderen Universitäten liegt der Abschluss etlicher Baustellen nicht allein in den Händen des leuris-Teams. Der modulare Ansatz ermöglicht es aber, an Modulen weiterzuarbeiten auch wenn andere noch nicht fertig sind.

Wohin wir gehen

In der Entwicklung und im laufenden Betrieb ist es für alle Beteiligten wichtig, das Ziel des Leipzig University Research Information System (leuris) nicht aus den Augen zu verlieren. Für die Universität Leipzig ist leuris eine strategische Maßnahme und dient als Grundlage eines daten-unterstützten Forschungsservice, Informationsquelle über Forschungs- und Transferaktivitäten nach innen und außen und als Quelle für notwendige, quantitative wie qualitativen Analysen, um frühzeitig Forschungsentwicklungen und wissenschaftlich herausragende Individuen zu identifizieren und deren Vernetzung zu unterstützen (siehe Hochschulentwicklungsplan 2025 der Universität Leipzig, S. 27).

Nur mit dem Erreichen dieses „Paradieses“ kann das Potential und die Forschungsstärke der Universität Leipzig mit einem professionalisierten Forschungsmanagement vollständig entwickelt werden.

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