Neue berufliche Rollen? Kompetenz- und Aufgabenprofile in der IT- gestützten Forschungsberichterstattung – Forschungsprojekt BERTI startet am DZHW

An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Verwaltung spannt sich das breite Aufgabenfeld von ForschungsreferentInnen und WissenschaftsmanagerInnen auf. Es reicht von der Antragsberatung für Fördermittel und Careerservice über die Betreuung von Graduiertenschulen bis hin zum Qualitätsmanagement sowie Wissens- und Technologietransfer. Bestandteil dieses Tätigkeitsspektrums sind auch die Forschungsdokumentation sowie die Erfassung und Analyse von Forschungsleistungen.

Heterogene Berichtsanlässe, ein wachsender sowie zunehmend ausdifferenzierter Kreis an Datennachfragern und die engere Einbindung von Forschungsinformationen in strategische Entscheidungsprozesse für den organisationsinternen Steuerungsbedarf lassen die Nutzung komplexer technischer Lösungen und Informationssysteme sinnvoll erscheinen. Damit erlangt das Tätigkeitsprofil der Forschungsberichterstattung neue Qualitäten: Die Digitalisierung hält Einzug und verändert nachhaltig Arbeitsprozesse und Abläufe sowie Stellenprofile.

Vor diesem Hintergrund fragt das Juli 2019 beginnende, BMBF-geförderte Forschungsprojekt mit dem Titel „Neue berufliche Rollen? Kompetenz- und Aufgabenprofile in der IT- gestützten Forschungsberichterstattung (BERTI)“ , ob sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Forschungsberichterstattung neue berufliche Rollen und Stellenprofile herausbilden. Insbesondere im Arbeitskontext der Einführung und des Betriebs von Forschungsinformationssystemen (FIS) sowie verwandter technischer Systeme stellen sich neue Aufgaben und Qualifikationsanforderungen.

Das Projekt greift diese Fragestellung auf und untersucht, wie Forschungsberichterstattung mit digitalen Informationssystemen unterstützt wird und wie diese Abläufe und Prozesse mit der organisationalen Strategiebildung und Leistungserfassung verknüpft sind. Im Zentrum des Vorhabens steht dabei das zuständige Fachpersonal, dessen Verantwortungsbereiche, Qualifikationen und Kompetenzen:

  • Wer ist zuständig für die Einführung, Wartung und Nutzung der Informationssysteme und wer für die Berichterstattung und Analyse der in FIS und anderen IT-Systemen erhobenen und verarbeiteten Daten?
  • Wie sind diese Zuständigkeiten miteinander vernetzt?
  • Welche fachlichen Hintergründe und Qualifizierungen weisen die mit der IT-gestützten Forschungsberichterstattung betrauten Personen auf?
  • Welche Kompetenzen sind nötig um professionelle Dienstleistungen im Bereich der IT-gestützten Forschungsberichterstattung zu erbringen?

Spezialisiertes Fachwissen oder Allround-Talent, Kommunikationsstärke oder IT-Skills: Das Projekt wird sich dabei der Herausforderung der Erfassung von Kompetenzen und deren Gewichtung in diesem neu entstehenden Kompetenzprofil stellen.

Das Design des Projektvorhabens geht von qualitativen Fallstudien an deutschen und europäischen Einrichtungen mit avancierten, IT-gestützten Forschungsdokumentationen – darunter der University of Cambridge (Großbritannien), University of Leiden (Niederlande),  Lund University (Schweden), der Universität Wien (Österreich) sowie der Universität Münster, der Leibniz Universität Hannover und des GESIS Leibniz Institut für Sozialwissen-schaften – in eine breit angelegte quantitative Erfassung der digital unterstützten Praktiken der Forschungsberichterstattung in Deutschland über. Damit soll auch das Potenzial und der Umfang des Stellenmarktes im Bereich digital gestützter Forschungsberichterstattung ermittelt werden.

Im Zentrum der anwendungsorientierten Verwertung der Projektergebnisse steht die Erstellung eines Kompetenzmodells für FIS-Projektverantwortliche und IT-Manager in der Forschungsdokumentation an deutschen Forschungseinrichtungen. Dabei werden das erforderliche Wissen, die zentralen Fähigkeiten und Kompetenzen zur Ausführung der neuen beruflichen Rollen in ihren verschiedenen Kompetenzstufen von Einsteiger- bis zu Spezialistenrollen ermittelt und analysiert, wie sich diese in Relation zu dem dynamisch entwickelnden Berufsfeld verhalten. Es kann erstens zur Überprüfung und Ergänzung benötigter Kompetenzen und Qualifikationen in einschlägigen Modulen von Masterstudiengängen des Wissenschafts- und Hochschulmanagements genutzt werden. Zweitens lässt es sich zur Erstellung von Tätigkeitsbeschreibungen und zur Ermittlung von Weiterbildungsbedarf im Bereich der Personalrekrutierung, -Weiterbildung sowie der Organisationsentwicklung einsetzen. Im Rahmen des Projektes wird eine enge Vernetzung mit der professionellen Community angestrebt um neben dem wertvollen Überblick über ein mögliches neu entstehendes Berufsfeld und der benötigten Kompetenzen weitere hilfreiche Transferleistungen zu erbringen.

Das Projekt ist am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Berlin angesiedelt und besteht aus dem Projektteam Dr. Sabrina Petersohn (Leitung), Christoph Thiedig und Dr. Stefan Schelske. Es wird vom BMBF über eine Laufzeit von 36 Monaten gefördert (FKZ: 01PW18014).

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