Workshop „Kerndatensatz Forschung“: Tag 1

Der erste Vormittag war geprägt von zwei Richtungen der Diskussion: Zum einen wurde diskutiert, ob (intendiert oder nicht) Wertungen mit dem KDSF verbunden sind und welche Folgen sich daraus ergeben. Weiterhin ging es um die Fragen nach Datenautonomie und Transparenz sowie ihr Verhältnis zueinander.
Zum anderen war die Zukunft des KDSF Thema, seine Implementierung und Weiterentwicklung: Erfreulich war zu hören, dass der geplante Helpdesk am DZHW eingerichtet ist. Finanziert von der GWK soll hier Hilfestellung zur Interpretation geleistet und bei der Formulierung von Abfragen unterstützt werden. Außerdem gehören die Dokumentation von Fällen und Lösungen und die Förderung der Vernetzung zu den Aufgaben, nicht aber die Beratung bei FIS-Einführung. Zentraler Diskussionspunkt war die Freiwilligkeit der Einführung des KDSF – sowohl auf Seiten von Datennehmern als auch -gebern: Die Frage blieb offen, wer den entscheidenden ersten Schritt macht, um die Umsetzung des KDSF in die Fläche zu tragen.

Am Nachmittag vor der Kaffeepause berichteten Vertreterinnen und Vertreter von BMBF, Statistischem Bundesamt, Fraunhofer-Gesellschaft und HeFIS über die Bedeutung des KDSF in ihren Kontexten. Folgende Aspekte wurden besonders angesprochen:

  • der Kerndatensatz als Ausgangspunkt für bessere und besser vergleichbare Daten,
  • Überlappungen und Unterschiede sowie Wechselwirkung zur Hochschulstatistik,
  • Kennzahlen als Austauschmöglichkeiten / Kommunikationsmittel, um vertrauensvoll in einem geschützten Raum darüber sprechen und nachverfolgen zu können, was die eigene Einrichtung besser machen kann,
  • der KDSF bei der Einführung eines Forschungsinformationssystems innerhalb eines Verbunds.

Der letzte Vortrag des Tages bot einen internationalen Blickwinkel an, in dem das Research Excellence Framework (REF) vorgestellt wurde, das in Großbritannien zum Management der Forschungsinformationen und zur Berichterstattung der Förderung exzellenter Wissenschaft eingesetzt wird. Kerninhalte des Vortrages waren ein Vergleich des KDSF und REF, sowie die Erfahrungen der Universität Cambridge mit der Datenabfrage im Rahmen des REF. Betont wurde weiterhin die Bedeutung der Verwendung eines Forschungsinformationssystems, da dies deutlich zu Effizienz und Interoperabilität beiträgt.

Den Abschluss bildete die Podiumsdiskussion. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer griffen Fragen auf, die in verschiedener Form den Tag geprägt haben:

  • Wie kann die Umsetzungsstrategie für den KDSF aussehen? Oder brauchen wir keine Strategie, weil das, was getan wird, ausreichend ist? Welche Einrichtung sorgt für den Erhalt des Standards? Wer bringt die Umsetzung des KDSF voran?
    • Geht es in Richtung Netzwerk – wie erreicht man dann Verbindlichkeit, wie sorgt man für relativ zügige Entscheidungen mit klaren Prozessen?
    • Warum kann man nicht auch die Ermöglichungsstrukturen einbringen, in die auch Förderer involviert sind, um zumindest in kleinen Schritten voranzukommen?
    • Wie ist arbeitsintensive Einführung zu leisten und zu rechtfertigen, wenn es keine klaren Anwendungsfälle gibt?
  • Ist der KDSF ein Instrument um Open Science voranzubringen?
    • Wo laufen die Grenzen in Hinblick auf die Informationsfreiheitsgesetzgebung usw.? Wo schränkt Openness Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ein?
    • Sollte sich die Offenheit auf die Institution beschränken, um einen vertrauenswürdigen Raum für die interne Diskussion zu erhalten?
  • Hat KDSF nur Erfolg, wenn er in einem geschützten Raum einer Institution bleibt, oder nur dann, wenn er auch zu vergleichenden Leistungsmessungen genutzt wird?
    • Unabhängig von der Nutzung: Wer darf Zugriff auf die Daten haben (gemäß KDSF liegt die Hoheit bei der jeweiligen Einrichtung)?
    • Die KDSF-Daten sollen wertneutral sein. Das heißt aber nicht, dass sie nicht zur Bewertung genutzt werden können – die Maßstäbe dafür müssen durch den Datennutzenden gesetzt werden.

Der inbesondere zur Podiumsdiskussion rege geführte Austauch auf Twitter läuft auch morgen weiter unter #KDSF17.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.