1. Tag des Workshops „5 Jahre KDSF im deutschen Wissenschaftssystem“

Am 9. und 10. November 2020 organisieren das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und die DINI-Arbeitsgruppe „Forschungsinformationssysteme“ eine öffentlich zugängliche virtuelle Veranstaltung zum Thema Kerndatensatz Forschung (KDSF). Mit der Veranstaltung werden nunmehr fünf Jahre Kerndatensatz Forschung zum Anlass genommen, um über dessen Umsetzung, dabei gemachte Erfahrungen sowie Entwicklungen und Perspektiven zu sprechen und sich auszutauschen.

Über 200 Teilnehmende starteten am ersten Tag mit den Vorträgen von Dr. Sophie Biesenbender (DZWH) und Dr. Rainer Lange (Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats) in den ersten Veranstaltungstag. Die beiden Referent*innen beleuchteten das Werden und die weitere Entwicklung des Standards KDSF (nicht zuletzt unter Hinweis auf die aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrat) sowie die damit verbundenen besonderen Herausforderungen. Zu letzteren zählen auch die vom Publikum aufgeworfenen Fragen nach dem Umgang mit Neudefinitionen und Anpassungen, nach dem Spannungsfeld zwischen begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen und der Freiwilligkeit der Anwendung, sowohl auf Seite der Daten bereitstellenden als auch auf Seite der abfragenden Einrichtungen sowie nach dem Stand des KDSF in den föderalen Strukturen.

Der persönliche Austausch während der Mittagspause war aufgrund des erforderlichen digitalen Format leider nur eingeschränkt möglich. Erfreulicherweise hat das zumindest einen kleineren Kreis nicht davon abgehalten, sich in einer virtuellen Pause in wonder.me zu treffen. Auch bei Twitter wurde rege getwittert (#5JahreKDSF und #KDSF) und diskutiert. Die zahlreichen Fragen, die im Verlauf des gesamten ersten Workshop-Tages in den Chat gestellt wurden, samt der dazugehörigen Antworten, werden wir versuchen, zu einem späteren Zeitpunkt hier im Blog gesammelt zugänglich zu machen. Die Vortragsfolien werden zeitnah auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.

Zum Auftakt reflektierte Sophie Biesenbender über die praktischen Herausforderungen des Kerndatensatz Forschung als Standard für Forschungsinformationen in Deutschland. Ihn anzuwenden, erfordert sowohl bei den Datenerzeugern wie bei den Datennachfragern Interpretation, die gerade im Hinblick auf bereits etablierte Indikatorik durchaus arbeitsreich sein kann. Einen Überblick über den Standard gibt ein neues Video. Rainer Lange stellte die frisch erschienene Stellungnahme des Wissenschaftsrats zum Kerndatensatz vor. Die damit betraute Arbeitsgruppe habe verschiedene Anwendungsszenarien entwickelt, zum Beispiel „Benchmarkingclubs“ unter verbundenen Einrichtungen. Ein wichtiger Schritt sei die verbindlichere Nutzung des Kerndatensatz Forschung durch die Datennachfrager und die Etablierung einer Governance und eines Prozesses für den Erhalt des Standards. Nach der Mittagspause schloss sich ein Bericht über eine bereits erfolgte Anwendung aus der Perspektive eines großem Datennachfragers an: Dr. Verena Witte (Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats) informierte über die aus ihrer Sicht erfolgreiche Nutzung des KDSF für die Erhebung quantitativer Daten im Rahmen der Förderlinie Exzellenzuniversitäten der Exzellenzstrategie. Vergleichbarkeit und Validität der gelieferten Daten aufgrund belastbarer Definitionen seien ein Pluspunkt gewesen, zudem habe es eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Rückfragen zu den Definitionen gegeben, für deren Beantwortung überdies das Helpdesk eingesprungen sei. Der Wissenschaftsrat wolle auch im weiteren Prozess möglichst auf die Erhebung solcher quantitativen Daten setzen, die im KDSF definiert seien.

Die nachmittägliche Podiumsdiskussion läutete der Journalist Jan-Martin Wiarda mit der provokativen Frage „Ist der KDSF wirklich eine große Erfolgsgeschichte?“ ein. Unter seiner Moderation diskutierten Dr. Sören Wiesenfeldt (Helmholtz-Geschäftsstelle), Dr. Reingis Hauck (Leibniz Universität Hannover), Christian Tusch (Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW) und Dr. Rainer Lange (Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats) über die Bekanntheit des KDSF und seine Nutzung, die Weiterentwicklung des Standards (vielleicht auch über das Thema Forschung hinaus?) sowie über Datenschutz und die umstrittene Frage der Leistungsbewertung. Das Fazit zur Eingangsfrage fiel schließlich dahingehend aus, dass der KDSF schon jetzt ein Erfolg sei, weil er die systematische Beschäftigung mit Forschungsinformationen an den verschiedenen Einrichtungen angestoßen habe und überhaupt eine Einigung auf die Definitionen über die Forschungsorganisationen hinweg gelungen sei. Der Aufwand, den die Einführung einer strukturierten Datenhaltung lokal auch in finanzieller Hinsicht bedeutet, dürfe nicht unterschätzt werden. Auf der „Haben-Seite“ stehe allerdings die Hoheit über die eigenen Daten und eine substantielle Grundlage für die immer zu treffenden Entscheidungen bzw. Berichtsanlässe der Organisation. Aus Herrn Langes Perspektive ist der „tipping point“ für den KDSF noch nicht erreicht – aber auch er sieht den Hauptaufwand im guten Datenmanagement und hofft, dass auch die neue „Kommission für Forschungsinformationen in Deutschland“ (KFiD) dafür sorgen wird, dass sich eine aktive „Community of Practice“ für das Datenmanagement etabliere.

Autorinnen

Dieser Beitrag ist verfasst von Eiken Friedrichsen und Barbara Ebert.


Über Eiken Friedrichsen

Referentin für das Forschungsinformationssystem an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (http://www.fis.uni-kiel.de/de)

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