Freie Alternativen zu zugangsbeschränkten Publikationen anhand des DOI finden

Mitunter ist es schwierig, zu einer nicht freien wissenschaftlichen Veröffentlichung alternative, frei zugängliche Fassungen zu finden. Mehrere neue Dienste bieten Hilfe an, solche Fassungen zu einem gegebenen DOI aufzufinden.

Open Access meint den freien Zugang zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung – kostenlos, ohne technische oder sonstige Beschränkungen. Die meisten Publikationen sind derzeit noch nicht unmittelbar frei zugänglich. Deshalb zielen Anforderungen von Förderern, institutionelle Open-Access-Richtlinien oder auch die neue Open-Access-Strategie des BMBF auch auf einen alternativen Weg, Publikationen zugänglich zu machen: durch die parallele oder zeitverzögerte Bereitstellung einer Kopie in Repositorien.

Derartige Publikationen sind in der Regel gut auffindbar, zum Beispiel über die hervorragende Bielefelder Suchmaschine BASE, in Bibliotheksportalen, bei Google Scholar und an vielen anderen Stellen. Was allerdings häufig nicht optimal gelingt, ist die Verknüpfung zwischen der (zugangsbeschränkten) Originalversion und der (frei zugänglichen) zweiten Fassung.

Um eine gute Zugänglichkeit zu erreichen und keine potentiellen Leser/innen auszuschließen, sollte an dieser Verknüpfung gearbeitet werden. Dies betrifft insbesondere die Aufnahme wechselseitiger Verweise in die Metadaten von Publikationen.

Was aber kann man tun, wenn man nur den Verweis auf eine Original- oder Verlagsfassung hat, auf die man nicht zugreifen kann? Grundsätzlich wäre dann eine Titel- oder Autor/innensuche in den oben genannten Suchmöglichkeiten anzuraten.

Nehmen wir als Beispiel diese Publikation:

Bretl, S., Reutter, P., Raible, C. C., Ferrachat, S., Poberaj, C. S., Revell, L. E. and Lohmann, U. (2015), The influence of absorbed solar radiation by Saharan dust on hurricane genesis. J. Geophys. Res. Atmos., 120: 1902–1917. https://doi.org/10.1002/2014JD022441.

Der Text ist in einer Zeitschrift erschienen, die nicht frei zugänglich ist. Eine Titelsuche bei Google Scholar verweist neben der Verlagsfassung auch auf alternative Veröffentlichtungsorte, zum Beispiel zum Volltext in BORIS (Bern Open Repository and Information System). Auch BASE liefert Ergebnisse zur Titelsuche und liefert – via DataCite-Metadaten – auch einen Verweis auf den alternativen DOI, unter dem die BORIS-Fassung erreichbar ist: https://doi.org/10.7892/boris.71472

DOI, eindeutige Kennungen für Publikationen, erlauben eine einfache Verlinkung. Sie werden auf der Basis großer Organisationen wie Crossref oder DataCite vergeben. Über so genannte Resolver wird ein DOI zu dem jeweils aktuellen und korrekten Weblink aufgelöst.

Aber was, wenn wir den DOI nicht zu der hinterlegten Webadresse auflösen, sondern zu einer frei zugänglichen Fassung umleiten? Wohlgemerkt zu einer bereits veröffentlichten, ordnungsgemäß und legal zustandegekommenen Fassung.

Mehrere Ansätze dazu existieren mittlerweile.

CAPSH, eine französische Organisation, die v.a. für ihren Dienst dissem.in bekannt ist, betreibt doai.io. Hier wird ganz auf eine eigene Eingabemaske verzichtet, dafür reicht es aus, diesen alternativen Resolver zur Auflösung des DOI zu verwenden, um an eine freie Fassung zu gelangen: http://doai.io/10.1002/2014JD022441

Passend zur Open Access Week hat ImpactStory einen neuen Dienst unter dem Namen oadoi gestartet. Dafür setzt ImpactStory anscheinend auf die bereits für die dort implementierten Forscher/innen-Profile genutzte Open-Access-Erkennung von Publikationen auf. Auch hier funktioniert der Dienst als ein alternativer Resolver: http://oadoi.org/10.1002/2014JD022441. Zusätzlich gibt es eine Eingabemaske, die direkt die Eingabe des DOI erlaubt und dann auflöst und weitere Informationen wie den Link zur nicht zugänglichen Verlagsversion und etwaige Lizenzinformationen anzeigt:

oadoi

doai.io leitet auf die Portalseite des Dokuments in BORIS um, oadoi direkt auf den Volltext in BORIS.

Auch das schon länger existierende Projekt Projekt Open Access Button versucht, zu einem nicht zugänglichen Text eine alternative Fassung zu finden und nutzt dabei Daten von BASE oder CORE. Für einzelne Texte wie auch für ganze Listen von Identifiern gibt es den Lantern-Dienst von Cottage Labs, der neben weiteren Informationen zum Open-Access-Status auch Repository-Versionen zurückliefert.

Über Schnittstellen (für oadoi) oder die Ersetzung des Standard-Resolvers (z.B. bei doai.io) ist eine Abfrage auch für längere Publikationslisten möglich, so dass die in verstreuten Repositorien verteilten Fassungen zumindest ein großes Stück weit auffindbar werden. Auch für die Prüfung von Publikationslisten z.B. bei der Vervollständigung des eigenen Repositoriums können diese Dienste nützlich sein.

Es sind aufregende neue Dienste, deren Entwicklung weiter verfolgt werden sollte. Bessere Metadaten können weiter dazu beitragen, diese Verknüpfungen gut abzubilden – jede Repository-Fassung eines auch andernorts erschienen Artikels könnte entsprechende Verweise enthalten. Und vieles basiert auf bereits existierenden, gut funktionierenden und gut zusammenspielenden Faktoren – DOI als Identifier und Angebote wie BASE, die Repository-Inhalte aggregiert nachweisen.

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Marco Tullney

... leitet den Bereich Publikationsdienste der TIB und koordiniert deren Open-Access-Aktivitäten.

5 Gedanken zu „Freie Alternativen zu zugangsbeschränkten Publikationen anhand des DOI finden

  1. Danke für diese Zusammenfassung. Wir haben auch bereits überlegt alternative doi-Resolver zu nutzen. Allerdings haben wir noch rechtliche Bedenken, da auf Inhalte weitergeleitet werden könnte, die gegen Lizenzbedingungen und Urheberrecht verstoßen. Hier stellt sich also die Frage, wie dies in den angesprochenen doi-Resolvern gehandhabt wird. Gibt es dazu Hinweise oder Zusammenfassungen?

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