Drei Fragen zum Thema Forschungsdaten

In unserem Interview dreht sich alles um Forschungsdaten: vom Management über die Publikation der Daten bis zu den Services der TIB. Dr. Janna Neumann ist Fachreferentin für Chemie sowie – als eine von mehreren Mitarbeitenden an der TIB – verantwortlich für das Thema Forschungsdatenmanagement.

Kurz und knapp erklärt: Was sind Forschungsdaten und warum ist es wichtig, dass diese Daten publiziert werden?

Dr. Janna Neumann // Foto: Inga Sommer Photographie

Dr. Janna Neumann // Foto: Inga Sommer Photographie

Es ist nicht ganz einfach, eine Definition für Forschungsdaten zu finden. In der Regel verstehen unterschiedliche Disziplinen darunter sehr unterschiedliche Dinge. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass unter Forschungsdaten alles fällt, was im Laufe des wissenschaftlichen Forschungsprozesses entsteht und verarbeitet wird. Das beinhaltet dann sowohl experimentelle Messungen und Beobachtungen als auch Bilder, Videodateien, Umfragedaten, Texte oder Simulationen. Die Publikation von Forschungsdaten ist in manchen Disziplinen wie zum Beispiel den Geo- oder Klimawissenschaften schon sehr gebräuchlich. Forschung soll damit sichtbarer und nachnutzbarer gemacht werden. Vor allem der freie Zugang zu Forschungsdaten ermöglicht eine effiziente Nachnutzung dieser Daten. Allerdings können auch nicht alle Daten so einfach frei zugänglich gemacht werden. Vor allem personenbezogene Daten unterliegen dem Datenschutz und können gegebenenfalls erst nach Anonymisierung verfügbar gemacht werden.

Zeitgemäßes Management von Forschungsdaten bekommt eine immer größere Bedeutung in der Wissenschaft – welche Anforderungen sind hier zu beachten?

Beim Management von Forschungsdaten sind diverse – oftmals disziplinspezifisch unterschiedliche – Anforderungen zu beachten. Grundsätzlich sind zunächst Anforderungen bei der Erstellung der Daten zu berücksichtigen. Darunter fällt zum Beispiel die Dokumentation von Daten mithilfe von Metadaten. Damit wird gewährleistet, dass der Kontext der Datenerhebung nicht verloren geht. Dies ist nicht nur für die Nachnutzung der Daten durch Dritte wichtig, sondern auch hilfreich für die eigene Nutzung der Daten. Bei der Auswertung oder Analyse der Daten sollte an die Dokumentation gedacht werden. Bei der Speicherung und Archivierung von Daten auf lokalen oder zentralen Servern sind vor allem Formatanforderungen zu beachten. Dateiformate sollten so gewählt werden, dass sie auch noch zu einem späteren Zeitpunkt problemlos lesbar sind. Proprietäre oder auch gerätespezifische Formate sollten vor der Archivierung in ein standardisiertes, offenes Format umgewandelt werden. Konsistente Namenskonventionen von Dateien und Dateiordnern können außerdem hilfreich sein bei der Bearbeitung von Daten, aber auch beim internen Austausch sowie zum eigenen Wiederauffinden. Grundsätzlich kann es sinnvoll sein, die genannten Anforderungen in Form eines Datenmanagementplans (DMP) festzuhalten, unter Projektpartnern abzustimmen und gegebenenfalls im Forschungsprozess weiter anzupassen. Nicht zuletzt ist gutes Forschungsdatenmanagement eine wichtige Grundlage für die Datenpublikation.

Forschungsdaten sind auch in der TIB ein wichtiges Thema. Welche Services bietet die Bibliothek hier?

Die TIB bietet unterschiedliche Services und auch für unterschiedliche Zielgruppen an. Zum einen können Institutionen über den DOI-Service der TIB Digital Object Identifier (DOIs) für Forschungsdaten vergeben, vorausgesetzt sie können eine langfristige Speicherung der Daten garantieren. In Deutschland wird dieser Service von fünf Einrichtungen angeboten. Die TIB betreut und berät dabei vor allem die technisch-naturwissenschaftlichen Institutionen bei der DOI-Vergabe für Forschungsdaten. Außerdem wird im Frühjahr 2016 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte RADAR-Projekt ein Forschungsdatenrepositorium online schalten. Das Repositorium gibt Institutionen die Möglichkeit der Archivierung und Publikation von Forschungsdaten mit DOI-Vergabe für die publizierten Daten. Des Weiteren bietet die TIB Workshops und Trainings zum Forschungsdatenmanagement für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie auch für Bibliotheken an. In allgemeinen Schulungen werden vor allem Doktorandinnen und Doktoranden zum adäquaten Umgang mit Forschungsdaten sensibilisiert und geschult. Dabei werden alle Aspekte des Forschungsdatenmanagements thematisiert, aber auch spezifische Fragen der Teilnehmenden behandelt. Die Workshops für Bibliotheken beinhalten vor allem die Anforderungen und Rahmenbedingungen in diesem für Bibliotheken neuen Arbeitsfeld. Themen sind unter anderem die Rolle und Verantwortung der Bibliotheken sowie mögliche Kooperationsmodelle.

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Sandra Niemeyer

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... ist Pressereferentin im Team Kommunikation und Marketing
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