LIGO got them: Erster experimenteller Nachweis der Gravitationswellen geglückt

Sie haben sie gefunden! 100 Jahre nachdem Einstein seine Arbeiten zur Allgemeinen Relativitätstheorie vorgestellt hat, ist dem Laser Interferometer Gravitational-wave Observatory (LIGO)  der experimentelle Nachweis von Gravitationswellen gelungen.

Die wissenschaftliche Publikation hierzu, „Observation of Gravitational Waves from a Binary Black Hole Merger“ in Physical Review Letters 16, 061102 (2016), ist gestern am LIGO vorgestellt worden.

Der Server der Physical Review Letters war dann gegen 17:00 MEZ so überlastet, dass ich es gestern nicht geschafft habe, das Paper abzurufen. Heute ging es wieder und wie schön: Der Artikel steht unter einer Open Access Creative Commons Attribution 3.0 License für alle kostenfrei zur Verfügung. Zu meiner großen Freude haben dann die LIGO Autoren gestern fleißig eine Vielzahl ihrer Paper zu der Entdeckung auf arXiv nachgereicht, auch das Originalpaper.

Ein interessantes Lehrstück zur wissenschaftlichen Kommunikation: In diesem wirklich aufsehenerregenden Fall sollten offenbar keine Teilinformationen vorher durchsickern, so dass die Veröffentlichungen zunächst zurückgehalten wurden. Dennoch ist arXiv für die LIGO Scientific Collaboration als Kommunikationsplattform so relevant, dass die Paper natürlich so früh wie möglich – nämlich unmittelbar nach der offiziellen Bekanntgabe zeitnah – dort eingereicht wurden!

Schon in den letzten Tagen waren erste Gerüchte über diese Veröffentlichung hochgekommen, seit gestern schlagen die (Gravitations)Wellen in den Medien so hoch, dass ich hier nur beispielhaft die Artikel aus Zeit Online, Heise Online und den Beitrag auf Deutschlandradio Kultur nennen möchte, weitere Zeitungen mit Wissenschaftsteil habe ich in Lotse Physik zusammengestellt (und sie haben natürlich alle ausführliche Artikel zu den Gravitationswellen).

Auch die Hannoverschen Forscher vom Albert-Einstein-Institut haben ihren Anteil an diesem Erfolg, u.a. durch die Entwicklung von Detektortechnologien und Datenanalyse-Methoden, die im Rahmen der GEO-Kollaboration getestet wurden und Basis für die LIGO-Messungen waren. Natürlich berichtete auch der NDR dazu.

***Nachtrag 26.02.2016: Wie passend, dass sich die QuantenoptikerInnen auf der DPG-Frühjahrstagung der Sektion Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen in diesem Jahr ausgerechnet in Hannover treffen: Natürlich wird es im (schon traditionellen) Öffentlichen Abendvortrag der Tagung um „Gravitationswellenastronomie: Neues von der dunklen Seite des Universums!“ gehen. Prof. Dr. Karsten Danzmann vom Albert-Einstein-Institut wird die neuesten Forschungen und ihre Ergebnisse am Mittwoch, den 2. März, von 19:30 – 20:30 Uhr im Audimax (e415) vorstellen. Und für die, die im Audimax keinen Platz mehr finden, weil sie sich zu spät auf den Weg gemacht haben, wird es zusätzlich eine Live-Übertragung in den Großen Physikhörsaal (e214) geben.***

 

Titelblatt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 12.02.2016

Titelblatt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 12.02.2016

Gemessen wurden die Gravitationswellen übrigens bereits am 14. September 2015 um 5:50:45 Uhr EDT (9:50:45 Uhr UTC, 11:50:45 Uhr MESZ) und zwei Hannoveraner waren so (dank Zeitverschiebung?) die ersten, die das Signal bei der Analyse der Daten gesehen haben. Dass es bis zur offiziellen Verkündung nun bis in den Februar gebraucht hat, ist sicherlich der Sorgfalt geschuldet, die bei guter wissenschaftlicher Praxis einer solchen Entdeckung entgegenzubringen ist.

Ebenfalls auf der Jagd nach Gravitationswellen ist LISA, die Laser Interferometer Space Antenna, die im letzten Dezember mit dem LISA Pathfinder gestartet ist. Auch hier steckt Hannoversche Forschung drin und es sind weitere spannende Ergebnisse zu erwarten.

Wer nun an der TIB Literatur zu LIGO sucht, wird im TIB-Portal fündig. Unter den Treffern sind neben einer Vielzahl von Zeitschriftenartikeln zu LIGO, auch arXiv-Paper. Dass außerdem die Hochschulschriften (Dissertationen) zur LIGO-Entwicklung gefunden werden, liegt daran, dass es für LIGO ein eigenes Schlagwort gibt. Weitere Literatur zum Themenkomplex findet man über die Schlagworte Gravitationswelle oder Gravitationswellendetektor.

Da ich mich hier nur auf die bibliothekarisch-informationsvermittelnden Aspekte der Entdeckung gestürzt habe, soll für diejenigen, die sich für den wissenschaftlichen Hintergrund der Gravitationswellendetektoren interessieren, der Hinweis auf zwei Internetquellen nicht fehlen: Gravitationswellendetektoren: wie sie funktionieren von Markus Pössel und einen Comic zu Gravitational Waves  – danke an Michael Hohlfeld!

 

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Esther Tobschall

Esther Tobschall

... ist Fachreferentin für Physik und zuständig für die Nationale Kontaktstelle im Netzwerk arXiv-DH
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