100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie

Vor einhundert Jahren also – im November 1915 – oder um genau zu sein: In 4 Vorträgen stellte Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften vor:

Am 4. November sprach er „Zur allgemeinen Relativitätstheorie“ und ergänzte am 11. November mit einem Nachtrag. Am 18. November erklärte Einstein die Perihelbewegung des Merkur aus der allgemeinen Relativitätstheorie. Am 25. November entwickelte er dann abschließend „Die Feldgleichungen der Gravitation“.

Wer sich diese Paper als Originalveröffentlichung aus dem Jahr 1915 ansehen möchte, kann dies in Haus 2 in den Sitzungsberichten der Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin tun – aber Achtung, für unsere Altbestände gelten besondere Nutzungsmodalitäten. Eine Zusammenstellung der von Albert Einstein zwischen 1914 und 1932 in den Sitzungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften gehaltenen Vorträge findet sich in dem – verleihbaren – Band Akademie-Vorträge : Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften 1914 – 1932 / Albert Einstein. 

Einsteins Jahrhundertwerk : die Geschichte einer Formel von Thomas Bührke

Thomas Bührke stellt in „Einsteins Jahrhundertwerk : die Geschichte einer Formel“ die wesentlichen Aspekte der Allgemeinen Relativitätstheorie dar.

Online lassen sich die Akademie-Vorträge auf der Sitzungsberichte-Seite des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte ansehen und natürlich in den Digital Einstein Papers der Princeton University Press. Die Ergebnisse der Einstein-Forschung veröffentlicht das MPIWG in seiner Preprint-Reihe.

Im Artikel „Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie“ hat Einstein dann im März 1916 in den Annalen der Physik die Ergebnisse seiner Vorträge aus dem November 1915 zusammengefasst. Seine Arbeiten zur speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie hat Einstein in einem 1917 erschienenen Buch „gemeinverständlich“ dargestellt, das inzwischen auch als E-Book veröffentlicht wurde bzw. als Digitalisat bereitgestellt wird.

In seinem Buch „How Einstein created relativity out of physics and astronomy” geht David R. Topper der Historie der Entstehung der Allgemeinen Relativitätstheorie nach. 

Zu den Hintergründen der Entstehung der Theorie und ihren Inhalten möchte ich gar nicht viel sagen, das haben andere schon viel besser getan, z.B. im Kalenderblatt im Deutschlandfunk, im Spiegel, in der FAZ, … Der zweiteilige ZDF-Dokumentarfilm Einstein – Genie und Superstar / Einstein – Zwischen Politik und Physik  schildert das Leben und Erkennen Einsteins rund um die Allgemeine Relativitätstheorie auf fesselnde Art und Weise. (Auch als Mythos Einstein – Leben und Werk eines Rebellen bis zum 22.12.2015 auf arte+7 abzurufen.)

Auch auf umfassenden Websites zur Relativität wird die Theorie erläutert, u.a.:

Dass sich der Jahrestag einer solchen weltbewegenden Theorie nähert, merke ich in meinem bibliothekarischen Alltag vor allem daran, dass die Zahl der Publikationen über Einstein bzw, über die entsprechende Theorie zunimmt. Das war schon im Jahr 2005 – 100 Jahre nach dem „Annus mirabilis“ – so, jetzt ist es wieder so weit. Also erwerben wir fleißig die neuesten Einstein-Biographien. Die graphische Aufbereitung der Zahl der Publikationen nach Erscheinungsjahr in GetInfo zeigt sehr schön den Peak bei 2005. Natürlich nimmt auch die Zahl der Bücher zur Geschichte der Allgemeinen Relativitätstheorie zu.

Wer nun selber Lust bekommen hat, tiefer in die Allgemeine Relativität einzusteigen, kann mit einem unserer Lehrbücher zum Thema beginnen oder sich entsprechende Vorlesungen im AV-Portal der TIB ansehen.

Wie schwierig es ist, eine Theorie, die in 4 Vorträgen sukzessive entfaltet und vorgestellt wurde, in späteren Veröffentlichungen zu zitieren, wird offenbar, wenn man nach entsprechenden Referenzen in Web of Science sucht: Selten habe ich eine solche Vielfalt an Literaturangaben für ein bzw. vier Paper gesehen.

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Zitierungen der Einstein-Vorträge in späteren Publikationen (Quelle: Web of Science)

 

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Zitierungen des Annalen-Papers in späteren Publikationen (Quelle: Web of Science)

Das, obwohl das Annalen-Paper in den Science Abstracts (heute über das INSPEC Archive zugänglich) eindeutig nachgewiesen worden waren – allerdings mit englischem Titel:

INSPEC_Archive

Nachweis des Annalen-Papers 1915 in Science Abstracts 1916 (heute INSPEC Archive)

Und heute?

Für den experimentellen Nachweis der Theorien zur Allgemeinen Gravitation werden z.B. durch die Forscher des Max-Planck-Institutes für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) aufwändige Gravitationswellendetektoren entwickelt.

Auch für den Film Interstellar hat die Allgemeine Relativitätstheorie eine wichtige Rolle gespielt, wie in Kip Thornes Buch The science of Interstellar nachzulesen ist.

Einsteins Nachlass wird an der Hebrew University of Jerusalem verwaltet, für deren Gründung er sich selbst eingesetzt hat.  In den Einstein Archives Online lässt sich nach den Archivalien recherchieren.

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Esther Tobschall

Esther Tobschall

... ist Fachreferentin für Physik und zuständig für die Nationale Kontaktstelle im Netzwerk arXiv-DH
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