Transparenz für Kosten von Open-Access-Publikationen

Ein weit verbreitetes Geschäftsmodell für Open-Access-Publikationen stellen article processing charges (APC) dar. Dabei sollen die Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Publikationen (bzw. deren Institutionen) für die Veröffentlichung von Open-Access-Artikeln zahlen. Entsprechende Kosten pro Artikel belaufen sich häufig auf Beträge zwischen 300 und 2000 Euro. Grund genug, danach zu fragen, wohin diese Gelder fließen, welche Artikel daraus gefördert werden und welche Gegenleistung für die artikelbezogene Zahlung erfolgt. Der erste Schritt ist, Transparenz über die gezahlten APC herzustellen.

Um Hochschulen in die Lage zu versetzen, ihre AutorInnen beim Veröffentlichen von Open-Access-Artikeln zu unterstützen – und um sie anzuhalten, ihre Strukturen stärker in Richtung Open Access auszurichten –, stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit einigen Jahren im Rahmen des Programms „Open Access Publizieren“ Mittel bereit. Diese Mittel finanzieren Fonds, aus denen heraus solche APC übernommen werden können. Auch die Leibniz Universität Hannover verfügt seit 2013 über einen solchen Open-Access-Fonds, der bisher aus DFG-Fördermitteln (75%) und Eigenmitteln der Universität (25%) finanziert wird. Wir haben im TIB|Blog schon häufiger berichtet.

Bisher verfügbare Informationen über Zahlungen für Artikel

Bisher sind die Gesamtmittel, die bisher über den Fonds bereitgestellt werden, relativ gering. Dennoch ist es wichtig, Transparenz über die Kosten herzustellen. Gründe dafür sind z.B. ein Überblick über die Finanzströme von öffentlichen Einrichtungen zu Verlagen, der Vergleich von Kosten oder die Möglichkeit einer Verbindung von Kostenaspekten mit Qualitätsmerkmalen (Markttransparenz) – und nicht zuletzt die Diskussion um die Kosten von Open Access insgesamt. Bereits jetzt veröffentlichen viele Einrichtungen Listen der geförderten Artikel, auf Homepages oder in Repositorien. Für den Publikationsfonds der Leibniz Universität Hannover steht bisher eine Liste der geförderten Artikel bereit (die aktuell geförderten Artikel jeweils auf der Startseite, nach Jahren sortiert für 2013 und 2014 auf gesonderten Seiten). Auch bei Twitter wird auf aktuell geförderte Artikel aufmerksam gemacht.

Aus den Listen ist schon sehr viel ablesbar: Welche WissenschaftlerInnen der Leibniz Universität waren an diesen Artikeln beteiligt, zu welcher Einrichtung der Universität gehören sie, in welchen Zeitschriften sind die Artikel erschienen. Mehr oder weniger problemlos kann daraus ermittelt werden, zu welchen Verlagen diese Zeitschriften gehören und welche APC dort im Regelfall anfallen. Auf diesem Wege haben wir bereits in der Vergangenheit versucht abzuschätzen, welche APC-Zahlungen auch jenseits der zentralen Abwicklung und Erfassung über den Publikationsfonds hinaus geleistet worden sind.

Der nächste Schritt: mehr Details und Aggregation

Es hat in der Vergangenheit bereits einige Anstrengungen gegeben, APC-Informationen zu veröffentlichen und für die Auswertung bereitzustellen. Prominentes Beispiel ist der Wellcome-Trust, der Informationen zu mehr als 2000 geförderten Artikeln veröffentlicht hat (via Figshare). Im Anschluss hat in einem großen Crowdsourcing-Prozess eine sorgfältige Datenbereinigung und -anreicherung stattgefunden. In einem von Jisc angestoßenen Prozess zur Ermittlung der APC-Kosten haben mehrere britische Universitäten detaillierte APC-Informationen bereitgestellt (als Beispiel: Daten der University of Liverpool). Diese Veröffentlichungen erfolgten jeweils unter einer CC0-Lizenz, so dass Interessierte mit den Daten weiterarbeiten und sie zusammenführen können.

Aus Mitteln der DFG, aus Eigenmitteln von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aus weiteren Drittmitteln sowie aus eigenen Mitteln der AutorInnen werden substantielle Zahlungen für Open-Access-Veröffentlichungen aufgebracht. Was kann getan werden, um hier mehr Transparenz herzustellen?

Sample visualization: Fees paid by German Universities 2012 — 13

Sample visualization: Fees paid by German Universities 2012 — 13, Methode/Code unter CC BY 4.0, Daten unter ODbL v1.0, https://njahn82.github.io/unibiAPC/

Die Universität Bielefeld ist eine der deutschen Hochschulen, die über einen DFG-geförderten Publikationsfonds Kosten für APC, die den AutorInnen entstehen, übernehmen. Die Universitätsbibliothek hat sich entschlossen, die genauen Informationen zu den Zahlungen offen und maschinenlesbar zu veröffentlichen. Dies ist via Github geschehen. Im Anschluss hat es Interesse verschiedener Einrichtungen gegeben, mehr darüber zu erfahren und sich gegebenenfalls zu beteiligen. Bereits jetzt sind Daten über APC-Zahlungen aus der Universität Regensburg hinzugekommen. Einige Visualierungsmöglichkeiten sind bereits implementiert und können ausgebaut werden. Die Daten stehen unter freier Lizenz (Open Database License (ODbL) v1.0) bereit, das vorgeschlagene Format beschränkt sich auf wenige Daten in einem offenen CSV-Format. Eine spätere Anreicherung ist möglich und gewünscht. Institutionen können ihre Daten, die sie ohnehin in aller Regel vorhalten müssen für Berichte an die DFG und die eigene Planung des Fondsbudgets, in dieses Format überführen und via Github in das Aggregationsrepository übernehmen lassen.

Wir möchten die Daten zu aus dem Publikationsfonds geförderten Artikeln von WissenschaftlerInnen der Leibniz Universität Hannover, die wir bisher schon veröffentlicht haben, im standardisierten Format und angereichert um die tatsächlichen Kosten ebenfalls auf diesem Weg veröffentlichen und mit den Daten anderer Einrichtungen für die gemeinsame Auswertung zusammenführen. Ich hoffe, dass möglichst viele Institutionen nachziehen und aus den Auswertungsmöglichkeiten sinnvolle weitere Schritte folgen werden.

Dieser Text steht unter der Lizenz Attribution 4.0 International.

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Marco Tullney

... leitet den Bereich Publikationsdienste der TIB und koordiniert deren Open-Access-Aktivitäten.
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