Inetbib’s Bet on Open Access and Open Science

Die offene Mailingliste Inetbib ist das wohl bekannteste Forum deutschsprachiger BibliothekarInnen zu Netz-Themen. Welche Mailingliste hat schon mehr als 7.000 TeilnehmerInnen und einen eigenen Wikipedia-Artikel? Auch die massive und frühzeitige Verbreitung unabhängiger Weblogs in der deutschsprachigen Bibliotheksszene hat daran kaum etwas geändert. Verantwortlich für diesen Ruhm ist unter anderem sicher die alle 2-3 Jahre stattfindende Inetbib-Tagung.

Im Rahmen der 12. InetBib-Tagung vom 4. bis 6. März 2013 in Berlin veranstalten wir — das sind Maxi Kindling (HU Berlin)Paul Vierkant (HU Berlin) und ich (siehe unten) — nun erstmals ein Wettspiel. In Anlehnung an Sandra Schöns L3T’s Bet (vgl. auch weitere Gedankenspiele, die schließlich zum Inetbib-Wettspiel führten) werden in Berlin zehn bis zwölf Prognosen zur näheren Zukunft von Open Access und Open Science aufgestellt. 40 angemeldete Inetbib-Teilnehmende können an einem Spieltisch ihre jeweils 25 Spielchips darauf setzen, welche Prognosen nach 6, 12, 18 Monaten (bis zum 5.9.2013, 5.3.2014 oder 5.9.2014) oder später/nie eintreten werden. Die Wetteinsätze werden nach Schluss des Spieltischs von uns personalisiert festgehalten und (als Prozentangaben) bekannt gegeben.
Im September 2014 wird eine Jury aus folgenden Fachleuten (die an dem Wettspiel selbst nicht teilnehmen dürfen, sorry!)

  • Petra Hätscher (Direktorin UB Konstanz)
  • Uwe Rosemann (Direktor TIB Hannover)
  • Michael Schaarwächter (UB Dortmund, Gründer Inetbib)
  • Peter Schirmbacher (Professor am IBI und Direktor des CMS, HU Berlin)

das Eintreten der Prognosen nach den drei festgelegten Zeitpunkten beurteilen. Auf der 13. Inetbib-Tagung 2015 werden dann die ersten drei SiegerInnen des Wettbewerbs ausgezeichnet. Die Preise werden vom LIBREAS-Verein (Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation) gesponsort.
Wir fordern explizit dazu auf, z.B. in bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten sowohl die Prognosen selbst (inhaltlich) als auch das Wettspiel als Prognose-Instrument zu behandeln!
Doch bevor es an die Auswertung geht suchen wir interessante Prognosen! Einige Prognosen zählen wir bereits am Ende dieses Blogpostings auf, weitere Prognosen können in den Kommentaren darunter vorgeschlagen werden. Folgendes bitten wir bei der Erstellung neuer Prognosen zu beachten:

  • Die Prognose sollte möglichst so exakt formuliert sein, dass sich ihr Eintreten zu einem bestimmten Zeitpunkt anhand von Kriterien (sogenannten Evidenzen) überprüfen läßt, idealerweise unter Angabe einer möglichen Quelle.
  • Es sollte weder extrem wahrscheinlich noch nahezu ausgeschlossen sein, daß die Prognose entweder nach 6, 12 oder 18 Monaten eintritt.
  • Wir machen das nicht (naja, nicht nur!!) aus Jux und Dollerei. Wettspiele und Prognosemärkte sind eine auch in der Wissenschaft respektierte Methode, brauchbare Voraussagen zu initiieren. Wir bitten daher um thematisch irgendwie relevante Prognosen.

Die Themen für spannende Prognosen liegen auf der Straße:
Wohin geht das kriselnde wissenschaftliche Publizieren, und welche Rolle werden Bibliotheken dabei spielen? Behält JISC mit seinen sieben Prognosen bezüglich der Rolle von Social Media, Datenmanagern, Automatisierung und Visualisierung recht? Wie könnten sich Alex Howards 14 “big trends” für 2013 im Bereich Open Access und Open Science auswirken, und wie sind die zehn Trends zu bewerten, die sich rückblickend für 2012 ausmachen lassen?

Die bisherigen Prognosen:

  1. 30 deutsche Institutionen haben einen DFG-geförderten Open Access-Publikationsfonds, um ihren Mitgliedern ggf. anfallende Gebühren für das Publizieren in reinen OA-Journals zu erstatten. (Nachweis: GEPRIS)
  2. Zwei Journals, die nach dem Episciences-Modell von Timothy Gowers arbeiten – d.h. Artikel aus arXiv werden unentgeltlich begutachtet und als Link in ein Open Access-Journal aufgenommen; vgl. auch Spiegel Online – haben jeweils mehrere Artikel zu verzeichnen.
  3. Zwanzig Journals, die in Web of Science oder Scopus indexiert sind, oder deren Verlag Mitglied der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA) ist, verlangen von ihren Autoren verbindlich, zusammen mit jedem veröffentlichten Artikel alle dazugehörigen Forschungsdaten (unter einer CC- oder Open-Data-Lizenz) frei zugänglich zu machen.
  4. Es werden 50 Open Access-Repositorien das DINI-Zertifikat besitzen (Nachweis: DINI-Liste.)
  5. 40% der Träger-Institutionen deutscher Open Access-Repositorien der dann aktuellen DINI-Liste haben die Berlin Declaration on Open Access unterzeichnet. (Nachweis: http://oa.mpg.de/lang/en-uk/berlin-prozess/signatoren/)
  6. 50% der Services, die Rahmen der DFG-Förderung für virtuelle Forschungsumgebungen entstehen bzw. entstanden, werden nicht auf lokaler Infrastruktur (weiter-)entwickelt, sondern cloudbasiert nach den Prinzipien service-orientierter Infrastruktur (SOA) zur Nachnutzung und Weiterentwicklung bereitgestellt bzw. über Github angeboten. (Vgl. https://github.com/)
  7. Wikidata löst die Beziehungsrelationen der Gemeinsamen Normdatei (GND) ab. (Vielen Dank an Jakob Voß für diese Prognose per Twitter!)
  8. Unter den großen Universitäten (den 400 Universitäten in den jeweils aktuellsten Times Higher Education (THE) World University Rankings) verwenden mindestens bei 20 Berufungsverfahren oder in der internen Mittelvergabe explizit auch Benutzungs-Metriken, Altmetrics oder Metriken wie WikiTrust zur Messung individueller Beiträge zu kollaborativ erstellten wissenschaftlichen Objekten.
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4 Comments

  1. Pingback: Spielhölle InetBib 2013 » Text & Blog – Das Weblog von Markus Trapp

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