Zusammenfassung des Workshops „Umsetzung des Kerndatensatz Forschung in der bibliothekarischen Praxis“

Mit dem Workshop „Umsetzung des Kerndatensatz Forschung in der bibliothekarischen Praxis“ wurde am 24. Oktober 2018 in der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin die Frage aufgegriffen, welche Auswirkungen der KDSF auf die aktuelle bibliothekarische Praxis hat. Organisiert vom Helpdesk zur Einführung des Kerndatensatz Forschung und der DINI AG Forschungsinformationssysteme haben mehr als 60 Vertreterinnen und Vertretern aus unterschiedlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen über die (potentielle) Rolle der Bibliotheken in der institutionellen Implementierung des KDSF diskutiert, sich ausgetauscht und Lösungsansätze vorgestellt.

Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Auswirkungen der KDSF auf die bibliothekarische Praxis hat, welche organisatorischen und technischen Herausforderungen sich für die Bibliotheken bei der Implementierung ergeben und welche diesbezüglichen Strategien und Best-Practices an verschiedenen Einrichtungen bereits zur Anwendung kommen. Neben verschiedenen Vorträgen gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch die Gelegenheit, sich an thematischen Tischen mit Vertreterinnen und Vertretern des Helpdesks und der DINI-AG zu unterschiedlichen Aspekten des KDSF detaillierter auszutauschen und Fragen zu stellen.

Die Folien der Veranstaltung finden Sie online unter:

  • Sophie Biesenbender (Helpdesk): Kerndatensatz Forschung – Inhalte, Implementation und Unterstützungsangebote. doi: 10.5281/zenodo.1474846
  • Regine Tobias (KIT Bibliothek): Die Rolle der Bibliothek in einem Forschungsinformationssystem – ein Praxisbericht aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). doi: 10.5281/zenodo.1475308
  • Daniel Beucke (SUB Göttingen): Das Publikationsdatenmanagement und das Forschungsinformationssystem an der Uni Göttingen. Ein Bericht aus Sicht der SUB Göttingen. doi: 10.5281/zenodo.1474969
  • Saher Seeman (Uni Freiburg): FreiDok plus – Integrierte Forschungsdokumentation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. doi: 10.5281/zenodo.1479206
  • Werner Dees (Uni Gießen): Praxis der Publikationserfassung der Universität Gießen unter besonderer Berücksichtigung des KDSF. doi: 10.5281/zenodo.1479146

Zusammenfassung vom Tisch: Konzepte und Definitionen des Kerndatensatz Forschung
Hier ging es insbesondere um die Fragen der Weiterentwicklung und der Nutzung des KDSF. Christoph Thiedig vom Helpdesks erläuterte, dass sich der KDSF momentan in der Einführungsphase befinde, in der alle an das Helpdesk herangetragenen Fragen einschließlich der Antworten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Helpdesks für den Weiterentwicklungsprozess der Spezifikation dokumentiert und eine Auswahl an Fragen inklusive Antworten von allgemeinem Interesse offen zugänglich dokumentiert werden unter: https://www.kerndatensatz-forschung.de. Zur Nutzung bzw. für eine flächendeckende Einführung des KDSF wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, dass Berichte u. Ä. im Format des KDSF angefordert werden müssten; als Positiv-Beispiel für das Erbeten von Angaben im KDSF-Format wurde auf die Antragsstellungen der Förderlinie Exzellenzuniversitäten verwiesen. Die Diskutierenden waren sich einig, dass weitere ähnliche Impulse von der politischen Seite für eine Verbreitung des KDSF notwendig und v.a. auch wünschenswert sind. Eine weitere Frage betraf die Entwicklung der Forschungsfeldsystematik, und eine interessante Diskussion entstand darüber, ob mit dem Konstrukt „Forschungsfelder“ stark interdisziplinär ausgerichtete außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie bspw. Leibniz-Einrichtungen angemessen abgebildet werden können und wie sich Trans- und Interdisziplinarität durch den KDSF darstellen lassen kann. Letztlich gab es einige Fragen zu Publikationen, wie bspw. zu den Definitionen von Open Access und Zugangsrechten, zur Unterscheidung zwischen Publikations- und Dokumenttypen sowie eine angeregte Diskussion über die – als nicht hinreichend spezifiziert wahrgenommene – Definition von „Peer-Reviewed“ im KDSF.

Zusammenfassung vom Tisch: Entwicklung und Genese des Kerndatensatz-Bereichs Publikationen
An diesem Tisch fokussierten die Gespräche auf die Abstimmungs- und Diskussionsprozesse sowie die Einbindung unterschiedlicher Akteure im Zuge der Entwicklung des Bereichs Publikationen. Marion Schmidt, die als Mitarbeiterin im abgeschlossenen Projekt zur Entwicklung der Kerndatensatz-Spezifikation die Projektgruppe “Bibliometrie” unterstützt und begleitet hatte, hob das mit der KDSF-Spezifikation verbundene Ziel der Projektgruppe „Bibliometrie“ hervor: die Schaffung einer transparenten Grundlage für die Berichterstattung über Publikationen, welche eine flexible Nutzung (wie bspw. für bibliometrische Analysen aber auch für die Ausgabe in Form von Publikationslisten) ermöglicht, ohne Leistungskriterien oder Indikatoren vorzugeben. Vor diesem Hintergrund wurden die Argumente für eine Differenzierung zwischen „Publikationstyp“ und „Dokumenttyp“ thematisiert. Darüber hinaus wurden die Hintergründe und Kriterien für die Auswahl der KDSF-Publikationstypen und der Zusammenhang des KDSF mit bibliothekarischen Normdaten beleuchtet. Auch wurde an dem Thementisch über die Grenzen und den Nutzen der Ausdifferenzierung „Peer-Reviewed“ sowie ihrer Definition und Anwendung diskutiert.

Zusammenfassung vom Tisch: Datenmodell und technische Spezifikation des KDSF
An diesem Tisch wurde einerseits über die technische Infrastruktur des Datenmodells des KDSF gesprochen, andererseits über die in den Einrichtungen der Beteiligten vorhandenen Quell- und Zielsysteme sowie deren Verknüpfung. Hierbei wurde deutlich, dass sich er KDSF nicht notwendigerweise aus nur einem Softwaresystem speist, sondern Daten aus ganz unterschiedlichen Systemen wie bspw. Personalsysteme, Finanzsysteme, Doktorandenverwaltung, Patentverwaltung, institutionelle Publiationsrepositorien etc. bezieht. Im Rahmen der Diskussionen wurde deutlich, dass hinsichtlich der technischen Umsetzung die Verknüpfung zwischen den einzelnen Datenbereichen des KDSF und damit auch zwischen den verschiedenen Datenbeständen bzw. Systemen eine wesentliche Herausforderung darstellt. Vermutlich bedarf es doch eines weiteren Systems, welches die einzelnen Datenbestände zusammenführt und die Möglichkeit bietet, bspw. Publikationen mit Drittmittelprojekten zu verknüpfen – klassischerweise die Aufgabe einer FIS-Lösung.

Ferner ging aus den Diskussionen hervor, dass das technische Datenmodell des KDSF nur ein Vorschlag für die Implementierung einer Datenhaltung ist. Für die Umsetzung des KDSF muss dies jedoch nicht notwendigerweise 1:1 so umgesetzt werden. Die genutzte(n) Datenstruktur(en) müssen lediglich erlauben, die Aggregatdaten anhand der verschiedenen in der Spezifikation vorgegebenen Ausdifferenzierungen und Aggregationsniveaus zusammenstellen zu können. Und natürlich gilt es immer die inhaltlichen Definitionen des KDSF einzuhalten, was jedoch weniger ein technisches und vielmehr ein organisatorisches Thema bzw. eines der Qualitätssicherung ist.

Konkret bezogen auf die Abbildung bestehender Datenstrukturen von Repositorien, Hochschulschriften oder FIS-Lösungen wurde diskutiert, wie damit umzugehen ist, wenn der KDSF Publikationstypen vorgibt, die es in lokalen Systemen so nicht gibt bzw. umgekehrt, wenn in lokalen Systemen Publikationstypen erhoben werden, die im KDSF keine Entsprechung haben. Nun ist der KDSK ein KERNdatensatz, der in gewisser Form einen gemeinsamen Nenner darstellt. Daher wird sich nicht notwendigerweise jeder Publikationstyp im KDSF wiederfinden lassen. Auch hier wurde der Grundsatz deutlich gemacht, dass die durch den KDSF vorgegebenen Publikations- und Dokumenttypen in den lokalen System nicht notwendigerweise 1:1 umgesetzt sein müssen, sondern vielmehr die lokalen Typen auf die des KDSF abgebildet werden sollten. Lokale Publikationstypen, die in der bisherigen Fassung des KDSF keine direkte Entsprechung haben, können einerseits außerhalb des Betrachtungsbereichs des KDSF liegen und bei der Umsetzung ausgeklammert werden. Andererseits kann es auch sein, dass der lokale Typ von der Definition eines anders benannten Publikationstyps eingeschlossen wird und auf diesen gemappt werden kann. Finden sich durch den KDSF vorgegebene Publikationstypen nicht in lokalen System wieder, kann dies als Anstoß angesehen werden, das lokale Metadatenschema zu überarbeiten und den Typ zu ergänzen. Aber auch hier wurde in den Diskussionen deutlich, dass nicht alle im Kerndatensatz enthaltenen Publikations- und Dokumententypen für jede Hochschule und Forschungseinrichtung relevant sein und geliefert können müssen. Wird an einer Hochschule keine wissenschaftliche Software entwickelt und publiziert, braucht es womöglich diesen Publikationstyp auch nicht in lokalen Systemen zur Publikationserfassung.

Die Essenz oder (um im Sprachgebrauch zu bleiben) die Kernbotschaft der Veranstaltung
In der Essenz der Veranstaltung wurde deutlich, dass Bibliotheken zweifelsohne ein wesentlicher Akteur bei der Umsetzung des KDSF sind. Diese Rolle muss sich jedoch nicht nur als verantwortliche Stelle für den Bereich der Publikationen beschränken. Vielmehr können diese selbstverständlich auch die Rolle der Initiatoren oder federführenden Stelle für die Umsetzung des KDSF einnehmen. Unabhängig davon, wer die Federführung übernimmt, die Umsetzung des KDSF wird nur als Gemeinschaftsprojekt gelingen, indem die für die unterschiedlichen Datenbereiche jeweils verantwortlichen Stellen einbezogen werden. Zudem muss sich unter den datenproduzierenden Stellen vielmehr die Philosophie des Teilens und Wiederverwendens von Daten entwickeln. Mit dem Kerndatensatz bekommen die bspw. ursächlich für Zwecke der Personalverwaltung oder bibliografische Erschließung erhobenen Daten mit der Forschungsberichterstattung einen neuen Nutzungsbereich mit in Teilen zusätzlichen oder anderen Anforderungen.

Neben der ganzen inhaltlichen Aufarbeitung sagen wir – der Helpdesk und die DINI AG FIS – selbstverständlich auch: Danke! An alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die angeregte und anregende Diskussion und den offenen Austausch, an alle Vortragenden fürs Teilen der gemachten Erfahrungen und Überlegungen und natürlich an Johanna Dämmrich und ihrem Team von der Leibniz-Geschäftsstelle für die Räumlichkeiten und reibungslose Organisation.

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